Ein Trainer für 16 Athleten: Dieser Franzose hat den stressigsten Olympia-Job
Ein Espresso auf dem Domplatz? Ein Besuch der Scala-Oper? Mailand hätte viel zu bieten – doch Zeit für Sightseeing hat Benoit Richaud nicht. Weil er den wahrscheinlich stressigsten Olympia-Job hat.
Der Franzose, einst selber ein vielversprechender Eiskunstläufer im Paartanz, hat sich in den vergangenen Jahren den Ruf als weltbester Choreograf erarbeitet. Kein Wunder, wollen Athletinnen und Athleten aus allen Ländern mit ihm zusammenarbeiten.
The busiest man at the Olympic Games! 👨💼🧑💼
— TNT Sports (@tntsports) February 11, 2026
French coach Benoit Richaud was seen wearing the jackets of multiple nations with different athletes during the figure skating… because he is working with 16 skaters from 13 different countries! 😅🌎 pic.twitter.com/HE2hPgsGg5
Und weil das Regelwerk die Betreuung von Sportlern aus verschiedenen Nationen nicht untersagt, ist Richaud in Mailand, wo die Eiskunstlauf-Wettkämpfe stattfinden, ein schwer beschäftigter Mann. Insgesamt begleitet er an den Olympischen Winterspielen 16 Sportlerinnen und Sportler aus 13 Ländern. Im Einzel, bei den Frauen und Männern, und in den Teamwettkämpfen.
Was mitunter zu stressigen Situationen führen kann: Beim Kurzprogramm der Männer am Dienstag führte er bei sieben Athleten Regie. Was zu einem witzigem Effekt für das TV-Publikum führte: Nach seiner Darbietung gesellte sich der Athlet jeweils zum Trainer – zusammen warten sie vor der TV-Kamera auf die Benotung. In diesen Momenten erschien immer wieder Glatzkopf Benoit Richaud, stets neu gekleidet im Nationaltenue des jeweiligen Athleten.
Benoît Richard à une belle collection de vestes dans le Kiss&cry du patinage. Il travaille avec 16 patineurs de 13 nations différentes !!! pic.twitter.com/Q0qtHtlTRP
— Mary Patrux (@MaryPatrux) February 11, 2026
«Die Leute lachen, weil ich sonst immer schwarz trage», so Richaud, «und jetzt fragen sich alle, wie es möglich ist, dass wir Benoit in verschiedenen Farben sehen …» Während des Wettkampfes komme es jeweils zu stressigen Momenten, denn: «Normalerweise lege ich meine Kleider in die Garderobe des Eiskunstläufers. Aber weil meine Athleten teilweise hintereinander starten, bewahren die Teammanager meine Jacken auf und reichen sie mir rechtzeitig.»
Auch emotional ist der Tanz auf 16 verschiedenen Hochzeiten nicht zu unterschätzen. Hat ein Läufer fehlerfrei abgeliefert, ist die Freude auch bei Richaud gross – und dann muss er schon einige Minuten später den nächsten seiner Schützlinge nach einer verpatzten Darbietung trösten. Er gesteht: «Das ist nicht zu unterschätzen und tatsächlich sehr anstrengend.»
Richaud war französischer Juniorenmeister im Paarlauf, nach seiner aktiven Laufbahn wollte er zunächst eigentlich gar nichts mehr mit dem Eiskunstlauf zu tun haben. «Ich war einfach an anderen Dingen interessiert. Tanz zum Beispiel. Oder elektronische Musik. Ich bin dann an die beste Schauspielschule von Paris gegangen», erzählt er. Erst nach dem Angebot für TV-Tanzshow habe es ihn plötzlich gepackt. «Das fand ich interessant», so Richaud, der zwischendurch auch als Barkeeper gearbeitet hatte.
Jetzt tüftelt er die Choreografien für Eiskunstlauf-Stars auf der ganzen Welt aus. Mit Musik und Künstlern aus allen möglichen Epochen und Genres. Richaud ist auch beruflich so wandlungsfähig wie bei seinen Outfits.
