Eine ZSC-Kultfigur als Stimme des olympischen Eishockey-Turniers
Giovanni Marti (54) geniesst in der Stadtzürcher Sportszene Kultstatus. Unter anderem seit einem Vierteljahrhundert als Speaker der ZSC Lions in der Swiss Life Arena und vorher im Hallenstadion.
Dass er, als in der Wolle gefärbter Zürcher, die italienische Sprache so wunderbar beherrscht, dass er fürs Eishockey-Turnier in Mailand als olympische Stimme der Italiener engagiert worden ist – eigentlich medaillenreif. Fast so, wie wenn Beatrice Egli eingeladen würde, eine Oper in der weltberühmten Scala vorzutragen. Als helvetische Antwort auf Maria Callas.
Marti sagt, die Sprache habe er von seinen Eltern gelernt. «Daheim haben wir immer italienisch gesprochen.» Seine Mutter stammt aus Süditalien. Ein Sprachtalent ist er sowieso: Neben Deutsch und Italienisch spricht er auch Französisch, Englisch und Spanisch fliessend und akzentfrei.
Probearbeiten in der Provinz
Das Abenteuer Mailand begann vor zwei Jahren mit einem Telefonanruf. Ein Kollege habe ihn bei den Organisatoren von Mailand empfohlen. «Zur Probe bin ich dann im Oktober 2024 für ein internationales Turnier in Ritten aufgeboten worden.» Nach glänzend bestandener Hauptprobe im Südtirol beim IIHF Continental Cup mit den Rittner Buam sowie Teams aus der Ukraine, Slowenien und Kroatien hat er dann die Zusage bekommen.
Statt kroatische Stars wie Niko Cavlovic oder Dominic Canic in der tiefsten Hockeyprovinz auf einem Bergrücken der Sarntaler Alpen anzusagen, sitzt Giovanni Marti nun in Mailand im Herzen des Welteishockeys hinter dem Stadion-Mikrofon. Er darf Namen wie Sidney Crosby oder Roman Josi raushauen. Wobei: Raushauen ist natürlich nicht das richtige Wort. Die Torschützen hochleben lassen wie in der Swiss Life Arena, wenn «seine» ZSC Lions getroffen habe, geht natürlich nicht.
Speaker bei Nati-Spielen
Olympische Vornehmheit in der Stimme ist gefragt und es darf keinerlei Parteinahme durchschimmern. Da gibt es klare Vorgaben und Protokolle. Aber Giovanni Marti ist auch ein Meister der olympischen und sonstigen Diplomatie. Er hat unter anderem ein Mandat als Botschafter für die Swiss Life Arena
Ausländische Speaker sind bei Olympischen Spielen zwar keine Seltenheit. Es ist ein internationales Sportfest. Ungewöhnlich ist allerdings, dass ein Ausländer als Speaker für die Landessprache engagiert wird. Einer, dessen Muttersprache eigentlich «Züritüütsch» ist, spricht das schönere Italienisch als die Einheimischen.
Den Job in Mailand teilt er sich mit einem Kollegen, die Partien werden laufend zugeteilt. Bereits steht fest, dass Giovanni Marti die Stadion-Stimme bei den Partien Schweiz – Kanada, Kanada – Tschechien, USA – Lettland und Schweiz – Tschechien sein wird.
Hansdampf in allen Gassen
Marti ist in Zollikon aufgewachsen und hauptberuflich seit 2012 bei der FIFA in Zürich tätig, als Senior Public Relations Manager/Deputy Head of Communication beim FIFA-Museum. Den Sport kennt er aus allen möglichen Blickwinkeln. Nur olympisch war er noch nie. Er war Reporter und Redaktor bei Radio 24, orchestrierte beim Unihockey-Verband die Medienarbeit und war bei 14 WM-Turnieren vor Ort, auch 2005 beim WM-Titel der Frauen.
Als Sportchef des UHC Dietlikon feierte er Meistertitel, Cup und Sieg im Europacup der Unihockey-Frauen. Beim FC Zürich war er für die Kommunikation zuständig und er arbeitete im Fussball und im Eishockey als Juniorentrainer Gerockt hat er auch: Als «DJ Professor» und «DJ Nightmare» zwischen 1987 und 2000.
Nun ist Giovanni Marti auch olympisch. Das ist noch mehr der Ehre als der respektheischende Titel eines Senior Public Relations Manager/Deputy Head of Communication beim FIFA-Museum in Zürich. Wo er – wer weiss – vielleicht dereinst als «Grande Giovanni» verewigt werden wird. Verdient hätte er es.
