Kein Schnee in El Salvador? Langläufer trainierte im Sand für die Paralympics
El Salvador war noch nie an den Paralympischen oder Olympischen Winterspielen vertreten. Nun ändert sich das. David Chavez, der 2023 erstmals ein Langlauf-Rennen bestritt, ist in Mailand-Cortina am Start.
Chavez trainiert einen Teil des Jahres auf Schnee – aber auch auf dem Strand in der Heimat, wo er sich mit kraftvollem Stockeinsatz über den Sand drückt:
«Der Sand bleibt an den Ski kleben, was die Bewegung erschwert», beschreibt Chavez sein Spezialtraining an der Playa El Cocal in der Stadt La Libertad. «Das ist reines Krafttraining.» Laut seinem Trainer ist das Langlaufen auf Sand «zehn Mal anstregender» als auf Schnee.
Mit der Teilnahme an den Paralympics gehe für ihn ein Traum in Erfüllung, sagte der 27-Jährige. «Ich bin sehr aufgeregt.» Chavez ist gelähmt, seit er vor elf Jahren in eine Schiesserei während eines Raubüberfalls verwickelt war.
Neuseeländischer Veteran und Schweizer Ski-Hoffnungen
Anders als Chavez wird Adam Hall nicht zum ersten, sondern schon zum sechsten Mal an Paralympics teilnehmen. Der Skifahrer aus Neuseeland bestreitet seine 22. Saison als Athlet und gab in Turin 2006 sein Debüt unter den paralympischen Agitos, dem offiziellen Symbol der Paralympischen Spiele mit den drei sichelförmigen Elementen.
Zurück nach Italien kommt Hall als fünffacher Medaillengewinner (Gold im Slalom 2010 und 2018, sowie zweimal Bronze 2022 und einmal 2018). Zuletzt fuhr der 38-Jährige in Veysonnaz im Slalom auf den 2. Platz.
Auch Schweizer Athleten dürfen mit einer Medaille liebäugeln. Sechs der neun Athleten, die von Swiss Paralympic selektioniert wurden, treten im Ski alpin an. Mit Robin Cuche, Gewinner der Abfahrtswertung, weist die Schweiz einen der grossen Anwärter auf Edelmetall vor.
Zudem gehört Théo Gmür zum erweiterten Favoritenkreis. Er ist der einzige Schweizer Medaillengewinner von 2018 und 2022. Vor acht Jahren wurde Gmür dreimal Olympiasieger (Abfahrt, Super-G und Riesenslalom), vor vier Jahren sicherte er sich Abfahrts-Bronze.
Drei Medaillen als Ziel
Auch im Snowboard darf die Schweiz mit einer Medaille rechnen. Aron Fahrni nimmt zwar erstmals an Paralympics teil, feierte mit dem Weltmeistertitel 2023 und dem Gesamtweltcupsieg in dieser Saison aber bereits grosse Erfolge.
«Unsere Delegation ist klein, aber fein. Es ist eine spannende Mischung aus sehr viel Erfahrung und Newcomern», sagt Tom Reulein, Chef de Mission für Mailand-Cortina. Das Ziel sind drei Medaillen. «Wir fahren nicht nach Cortina und Tesero, um einfach dabei zu sein. Wir wollen Medaillen und Diplome gewinnen.»
Kontroverse um Russland
Insgesamt werden 79 Medaillensätze in den sechs Sportarten Ski alpin, Biathlon, Langlauf, Eishockey, Snowboard und Curling vergeben. Die Schweiz ist in vier Disziplinen (Ski alpin, Langlauf, Biathlon und Snowboard) vertreten. Zum ersten Mal seit 2010 tritt dank Luca Tavasci wieder ein Schweizer im Biathlon an.
Zu den Paralympics 2026 gehört eine Kontroverse um den Start russischer Athleten. Anders als an den Olympischen Spielen sind an den Paralympics die Flaggen und Hymnen von Russland und Belarus erlaubt. Die Ukraine und andere Nationen werden deswegen die Eröffnungsfeier am Freitag in Verona boykottieren.
Die Schweiz wird an der Eröffnungsfeier aus einem anderen Grund fehlen. Alle Athleten haben bereits am Tag darauf ihren ersten Wettkampfeinsatz.
Die Paralympischen Winterspiele feiern dieses Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Seit 1992 findet das Pendant zu den Olympischen Winterspielen für körperlich beeinträchtigte Personen am selben Ort wie Olympia statt. In diesem Jahr werden in Mailand-Cortina etwas mehr als 660 Athletinnen und Athleten antreten. (ram/sda)
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