Einladungen und Sprüche: Sexismus-Vorwürfe gegen GC-Funktionäre Vogel und Spross
Mehrere Personen, die anonym bleiben wollen, erklärten gegenüber dem Sonntagsblick, dass es zu mehreren fragwürdigen Situationen gekommen sei. So würden manche Spielerinnen etwa das Verhalten von Erich Vogel, ehemaliger Sportchef des GC-Frauenteams und heute Mitglied der Sportkommission, als störend bezeichnen. Vogel habe etwa Spielerinnen zu sich nach Hause eingeladen, um ihre Trainerausbildung voranzutreiben oder Vertragsverhandlungen zu führen.
Nicht nur Vogel steht in der Kritik. Präsident Heinz Spross soll im Februar im Trainingslager in der Türkei vor dem Team gefragt haben, ob er die Angabe einer Spielerin, sie habe ihre Hotelkarte verloren, als Einladung ins Zimmer betrachten könne.
Der Generalsekretär des Clubs soll sich ausserdem mit einem Generalschlüssel Zugang zu Wohnungen von Spielerinnen verschafft haben. Diese werden von Spross, der auch Immobilienbesitzer ist, sowie einem Sponsor zur Verfügung gestellt.
FCZ-Stadionverbot für heutigen Nachwuchschef
Der heutige Nachwuchschef beim Frauenteam von GC sei zudem 2022 wegen ungebührlichen Verhaltens angezeigt worden. Das war bei seinem ehemaligen Arbeitgeber. Laut dem Bericht des «Sonntagsblicks» schickte er Bekannten ein Video, in dem er und andere obszöne Gesten und sexistische Sprüche gegen eine damalige FCZ-Angestellte richteten. Die Strafanzeige wurde zwar 2025 eingestellt, der Mann, der ebenfalls einst für den FCZ gearbeitet hatte, und ein weiterer Beteiligter wurden jedoch vom FC Zürich mit einem Stadionverbot belegt. Zudem wurde der Fall dem Schweizerischen Fussballverband und Swiss Sport Integrity gemeldet.
Der FC Zürich bestätigt gegenüber der Zeitung: «Die beiden dürfen bei Spielen der FCZ-Frauen die Heim-Areale Letzigrund und Heerenschürli nicht betreten.» Das gilt bis 2029.
GC reagiert
Und nun wird auch GC aktiv. Mit den Recherchen des «Sonntagsblicks» konfrontiert, heisst es dort, dass der Vorstand eine externe, unabhängige Untersuchung in Auftrag geben wolle. «Allfällige Verstösse gegen die Ethikrichtlinien des Schweizer Sports tolerieren wir nicht.» Auch Swiss Sport Integrity sei informiert worden. Diese Stelle bekämpft Missbräuche im Sport und setzt sich für die Gesundheit und das Wohlergehen von Sportlerinnen und Sportlern ein.
GC-Frauenfussball-Geschäftsführerin Lauryn Reuber erklärt weiter, dass seit einigen Monaten eine externe Anlaufstelle existiere, die anonyme Meldungen entgegennehme. Bisher seien dort aber keine dieser Vorwürfe gemeldet worden.
Strafbar wäre das Verhalten der Funktionäre nicht. Trotzdem zeigten die Fälle, dass die Männer im Fussball noch immer dominieren. «Strukturen, Statuten und Reglemente sind historisch gewachsen und waren einst nur für Männer und Jungs gedacht», sagt Marianne Meier, Historikerin und Sportpädagogin am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Uni Bern, zur Zeitung. Nun müsse der Schweizer Fussball fundamental erneuert werden. (vro)
