DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
1 / 8
Der Syrienkrieg und die Flüchtlingsströme
quelle: epa/epa / erdem sahin
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Flüchtlingskrise

Millionen sind auf der Flucht – Hilfeschrei von Syriens Nachbarn

Die Lage im Libanon, in Jordanien und der Türkei ist verzweifelt: Millionen syrische Zivilisten haben sich vor dem Krieg in diese Länder gerettet. Auf der Flüchtlingskonferenz baten die Regierungen nun eindringlich um Hilfe.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Täglich vertreibt der Krieg in Syrien mehr Menschen aus ihrer Heimat, oft mit letzter Kraft schaffen sie es über die rettende Grenze in eines der Nachbarländer. Dort sind sie vor dem Krieg zwar erst einmal sicher - dafür erwarten sie oft schwierigste Bedingungen in den Auffanglagern. 

Denn die angrenzenden Staaten sind mit der Bewältigung der Flüchtlingsströme überfordert. In Berlin haben sie die internationale Gemeinschaft nun mit klaren Worten um mehr Unterstützung gebeten. Der Libanon, besonders stark betroffen, habe die Grenzen seiner Aufnahmekapazitäten erreicht, sagte der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam am Dienstag zum Auftakt der Flüchtlingskonferenz. Er rief die Weltgemeinschaft dazu auf, die finanziellen Hilfen auszuweiten und mehr Flüchtlinge aufzunehmen. 

Je nach Schätzungen sind in den vergangenen Jahren zwischen drei und fünf Millionen Syrer aus ihrer Heimat geflüchtet - vor allem in die Anrainerstaaten Libanon, Jordanien und die Türkei. Der jordanische Aussenminister Nasser Judeh sprach von einer «Ermüdung» bei der Aufnahmebereitschaft. Der enorme Zustrom führe zu Reibungen und sozialen Spannungen. Der stellvertretende türkische Aussenminister Naci Koru beklagte, sein Land trage Kosten von vier Milliarden US-Dollar, werde von der internationalen Gemeinschaft aber nur mit rund 250 Millionen Dollar unterstützt.  

epa04466838 Syrian refugee children who fled from Kobane, Syria, play acting as fighters at a refugee camp in Suruc district, Sanliurfa, Turkey, 28 October 2014. Kurdish rebels have regained a strategic hill in the town of Kobane in northern Syria from the Islamic State after heavy airstrikes by the US-led coalition against the militant group, the Kurdish Rudaw news agency have reported. The United States and Arab allies have intensified their aerial campaign against the Islamic State in Kobane after the radical group gained ground around the mostly Kurdish town in recent days.  EPA/ERDEM SAHIN

Kinder, die aus der syrischen Stadt Kobane flüchten mussten. Bild: ERDEM SAHIN/EPA/KEYSTONE

Noch deutlicher wurde Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres. Er warnte vor einer «humanitären Katastrophe», wenn die Hilfe für die Aufnahmeländer nicht deutlich erhöht wird. «Syriens Nachbarn müssen massive und konkrete Unterstützung erhalten», sagte Guterres. Es handele sich um die «dramatischste Krise» seit Langem. Die Hilfe reicht noch längst nicht Guterres mahnte, die Nachbarn Syriens seien bisher «bei Weitem die wichtigsten Geber». So gross die internationale Unterstützung auch sei - sie sei in keiner Weise ausreichend. Über die humanitäre Hilfe hinaus müsse langfristige Entwicklungshilfe geleistet und direkte Budgethilfe an Jordanien, den Libanon und die Türkei gezahlt werden. Zu der eintägigen Konferenz im Auswärtigen Amt haben Aussenminister Frank-Walter Steinmeier, Guterres und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) geladen. 

Es soll darüber beraten werden, wie die Hilfsmassnahmen besser koordiniert und die humanitäre Nothilfe verzahnt werden kann. Forderungen nach mehr Unterstützung kommen auch aus der deutschen Innenpolitik. Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, sagte SPIEGEL ONLINE: «Wenn wir den Nachbarländern nicht mehr helfen, wird der Flüchtlingsdruck auf Mitteleuropa noch wachsen. Diesen Ländern zu helfen, muss also schon in unserem eigenen Interesse liegen.» Geld ist da - aber wie wird es verteilt?

Er verwies zudem auf den nahenden Winter, der die Lage noch einmal verschärfen dürfte. «Erst kommt der Regen, dann die Kälte, dann der Schnee, dann der Tod. Es geht jetzt für uns Europäer um reine Notwehr, nicht um die Suche nach einem Flüchtlingsmasterplan für 2020.» An den Finanzmitteln dürfte die Flüchtlingshilfe kaum scheitern, so der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl zu SPIEGEL ONLINE: «Es gibt überall Milliardentöpfe bei der EU, die Frage ist, ob es den politischen Willen gibt, sie zu nutzen.» Allerdings sei Geld nicht das einzige Problem: Das zuständige Uno-Flüchtlingswerk UNHCR ist laut Uhl bisher nicht in der Lage, die nötige Hilfe zu organisieren.

(jok/dpa/AFP/Mitarbeit: Jürgen Dahlkamp) 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Gestrandet im Terminal – diese Kurden leben seit 49 Tagen im Transit des Flughafens Zürich

Vier kurdische Familien wollen in der Schweiz Asyl beantragen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit stecken sie in der Transitzone des Flughafens Zürich fest – teilweise seit sieben Wochen. watson hat sie vor Ort besucht.

«I am going home» – «Ich gehe nach Hause», sagt Tom Hanks in seiner Rolle als Viktor Navorski am Ende des Hollywood-Blockbusters  «Terminal» von Steven Spielberg. Er spielt einen im New Yorker Flughafen JFK gestrandeten Touristen aus Osteuropa. Als in seiner Heimat ein Bürgerkrieg ausbricht, wird Navorskis Pass ungültig. Er harrt neun Monate im Transitbereich aus, bevor er endlich wieder nach Hause darf.

Die Realität der acht kurdischen Kinder und Jugendlichen, vier Frauen und acht Männer, …

Artikel lesen
Link zum Artikel