Unvergessen
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Unvergessen

DIE GOLDENEN TAGE VON SAPPORO

«Ogis Leute siegen heute»

3. Februar 1972: Im japanischen Sapporo beginnen die 11. Olympischen Winterspiele. Sie bringen der Schweiz auch dank «Ski-General» Adolf Ogi den bisher grössten Erfolg aller Zeiten.



1948 gewinnt die Schweiz bei den Olympischen Spielen in St. Moritz dreimal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze und kommt hinter Norwegen und Schweden auf Platz 3 der Nationenwertung. Die Schweiz war durch den Krieg verschont geblieben und eines schien klar: Nie mehr würden wir so erfolgreich sein.

Doch 1972 gewinnt die Schweiz viermal Gold, dreimal Silber und dreimal Bronze: Erneut Platz 3 im Medaillenspiegel. Diesmal hinter der Sowjetunion und der DDR. Und zudem holen die Schweizer erstmals in allen Ski-Disziplinen (Ski, Skispringen, Langlauf) Edelmetall. Diese Spiele gehen als «goldene Tage von Sapporo» in unsere Sportgeschichte ein.  

Die grösste Sensation war zweifelsfrei die Staffel-Bronze im Langlauf. Edi Hauser überspurtete auf den letzten 200 Metern den schwedischen Schlussläufer Sven Ake Lundbaek, den Olympiasieger über 15 Kilometer.

Die Schweizer Medaillen

GOLD:
• Marie-Therese Nadig (Abfahrt)
• Marie-Therese Nadig (Riesenslalom)
• Bernhard Russi (Abfahrt)
• J. Wiki, H. Leutenegger, W. Camichel, E. Hubacher (Viererbob)

SILBER:
• Walter Steiner (Grossschanze)
• Roland Collombin (Abfahrt)
• Edi Bruggmann (Riesenslalom)

BRONZE:
• Werner Mattle (Riesenslalom)
• Alfred Kälin, A. Giger, Alois Kälin, E. Hauser (4x10km Staffel)
• Jean Wiki, Edi Hubacher (Zweierbob)

«Ogis Leute siegen heute»

Noch acht Jahre zuvor hatte sich der Schweizer Sport auf dem Nullpunkt befunden: 1964 blieben 72 Sportler bei den Olympischen Spielen in Innsbruck ohne Edelmetall. Die ersten Winterspiele ohne Schweizer Medaille. Und nun gelingt nur acht Jahre später einer Delegation aus 52 Athleten der grösste Erfolg aller Zeiten.

Marie-Therese Nadig schlägt Annemarie Moser-Pröll in der Abfahrt um 32 Hundertstel. Video: Youtube/SportsVideoPerson

Die Medien prägen 1972 den Spruch «Ogis Leute siegen heute». Der spätere Bundesrat ist damals technischer Direktor des Skiverbandes und tatsächlich eine Schlüsselfigur. Heute ist es längst üblich, dass der Olympia-Austragungsort gründlich inspiziert wird. Doch das ist 1972 noch keineswegs so. Adolf Ogi organisiert den «Sapporo-Feldzug» generalstabsmässig, ja seine Olympia-Vorbereitung ist geradezu revolutionär.

Adolf Ogi gratuliert Marie-Theres Nadig in Sapporo (Jp) 1972 zu den zwei Goldmedallien an den Olympischen Winterspielen. (KEYSTONE/Str)

Ski-General Adolf Ogi freut sich mit Marie-Therese Nadig über ihre zwei Siege. Bild: Keystone/str

Strecken gefilmt, Wachs getestet, Wetter aufgezeichnet

Im Februar 1971 weilt eine Delegation mit klar umrissenen Aufgaben in Sapporo. Alle Strecken und Pisten werden gemessen, beschrieben, gefilmt und fotografiert. Dazu werden ausgedehnte Wachsversuche gemacht. Auch das Wetter und seine Tendenzen werden minutiös aufgezeichnet. Der Schnee und dessen Beschaffenheit wissenschaftlich untersucht. Die Funkverbindungen geprobt, die Unterkünfte und die Küche besichtigt.

Aus dieser Rekognoszierung entsteht ein 64-seitiges Dossier, das später als «Geheime Kommandoakten» legendär wird. Die Schweizer sind 1972 dank Adolf Ogi mit ziemlicher Sicherheit die am besten vorbereitete Delegation.

Olympia wird zum Medienereignis

Sapporo 1972 wird auch zum bis dahin grössten Medienereignis des Schweizer Sportes. Nicht nur durch die Direktübertragungen des Schweizer Fernsehens. Es gibt wahrscheinlich über kein anderes Sportereignis - nebst den üblichen Olympiabüchern - so interessante Literatur. Für den heute nicht mehr existierenden Habegger Verlag aus Derendingen schreibt TV-Kultreporter Karl Erb das opulent illustrierte Buch «Die goldenen Tage von Sapporo».

Das Vorwort stammt von Bundesrat Rudolf Gnägi – nicht ahnend, dass Adolf Ogi 15 Jahre später als erster bedeutender Sportfunktionär auch in den Bundesrat gewählt werden sollte. Die «Neue Schweizer Bibliothek» bringt schon Tage nach den Spielen den Bildband «Schweizer siegten in Sapporo» auf den Markt und spendet für jedes verkaufte Buch einen Franken an einen Fond für die Nachwuchsförderung.  

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