Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Injuries from barbed wire are seen on the legs of Johnny Hoogerland of The Netherlands as he rides towards Saint Flour during the 9th stage of the Tour de France cycling race over 208 kilometers (129 miles) starting in Issoire and finishing in Saint Flour, central France, Sunday July 10, 2011. Hoogerland was hit by a vehicle when riding in the breakaway group and crashed into a barbed wire fence. (AP Photo/Laurent Cipriani)

Die Beine von Johnny Hoogerland, malträtiert von einem Drahtzaun. Bild: AP

Unvergessen

10.07.2011: Johnny Hoogerland schlitzt sich am Stacheldraht die Beine auf, wird mit 33 Stichen genäht – und fährt die Tour dennoch zu Ende

10. Juli 2011: Auf der neunten Etappe der Tour de France touchiert ein Begleitauto Juan Antonio Flecha. Dieser reisst Johnny Hoogerland mit, welcher sich beim Sturz in einen Viehzaun die Waden regelrecht aufschlitzt. Aufgeben ist für den Holländer dennoch kein Thema.



«Ou, ou, wer fliegt hier um? Das ist doch nicht etwa Hoogerland? Was ist da passiert?» Die Kommentatoren des holländischen Fernsehens NOS sind schockiert. Der Unfall, der sich am Sonntag, dem 9. Juli 2011 ereignet, sieht schrecklich aus.

Ein Begleitauto des französischen Fernsehens setzt auf einer engen Strasse während der 9. Etappe der Tour de France zu einem Überholmanöver an und touchiert dabei Juan Antonio Flecha. Der Spanier verliert die Kontrolle und stürzt vom Rad. Dabei reisst er den Holländer Johnny Hoogerland mit, welcher spektakulär in einen Viehzaun knallt und sich am Stacheldraht hässliche Wunden zuzieht. 

Wie in der Wiederholung klar wird, hatte das Begleitauto die Situation komplett falsch eingeschätzt und musste in letzter Sekunde einem Baum ausweichen. 

Animiertes GIF GIF abspielen

Und plötzlich tauchte vor der Windschutzscheibe ein Baum auf. gif: youtube.com/ruben zambrano

Rund 36 Kilometer vor dem Ziel liegt Johnny Hoogerland zusammen mit Juan Antonio Flecha und drei weiteren Ausreissern noch mit fünf Minuten Vorsprung vor dem Peloton und macht sich Hoffnungen auf den Tagessieg – jetzt muss er sich plötzlich aus den Fängen des Stacheldrahtzauns befreien. 

Bild

Johnny Hoogerland kämpft mit dem Stacheldraht. Bild: tsquirrel.com

Aufgeben ist keine Option

Obschon seine Wade regelrecht aufgeschlitzt ist, zwingt sich Hoogerland zurück in den Sattel und schleppt sich blutüberströmt ins Ziel. Über 16 Minuten beträgt der Rückstand von Hoogerland und Flecha im Ziel. Dennoch darf sich der Niederländer bei der Siegerehrung das Trikot des Bergpreisleaders überstreifen. Die Schmerzen sind gross, es fliessen die Tränen.

Und irgendwie hat Hoogerland am Ende gar Glück im Unglück gehabt, wie er nach dem Rennen durchblicken lässt: «Wir können froh sein, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist. Das war ein schrecklicher Unfall, aber ich habe zu Flecha gesagt: Wir sind noch am Leben, Wouter Weylandt ist bei seinem Unfall am Giro gestorben.»

Johnny Hoogerland of The Netherlands, wearing the best climber's dotted jersey, cries on the podium of the 9th stage of the Tour de France cycling race over 208 kilometers (129 miles) starting in Issoire and finishing in Saint Flour, central France, Sunday July 10, 2011. Hoogerland was hit by a vehicle when riding in the breakaway group. (AP Photo/Christophe Ena)

Tränen von Hoogerland am Ende der Etappe. Bild: AP

Mit 33 Stichen wird der Holländer am selben Abend zusammengeflickt. Der Chauffeur des Begleitautos wird umgehend von der Tour suspendiert, er hat das Überholverbot missachtet. «Er hat es nicht extra gemacht, aber ich verzeihe ihm trotzdem nicht», urteilt Hoogerland über seinen Peiniger. «Ich hatte die Chance auf einen Etappensieg, ich hätte das Bergtrikot vielleicht bis nach Paris bringen können.»

Am darauffolgenden Tag steht für den Tour-Tross ein Ruhetag auf dem Programm. Hoogerland beschliesst trotz des Horrorsturzes nicht aufzugeben. Statt die ramponierten Beine hochzulagern, steigt der Radprofi auch am rennfreien Tag auf sein Arbeitsgerät und trainiert für die folgenden Etappen. «Die Tour de France gibt man nicht einfach so auf», so Hoogerland. 

epa02819703 DCM Vacansoleil rider Johnny Hoogerland  wears the polka dot jersey during a training session on the first rest day of the Tour de France, 11 July 2011, near Aurillac, France.  EPA/KOEN VAN WEEL

Hoogerland dick einbandagiert am Tag nach dem Unfall im Training.  Bild: EPA

Gerechtigkeit nach drei Jahren

Und tatsächlich: Der 28-Jährige zieht das Ding durch und fährt die Tour de France zu Ende. Nicht nur das, immer wieder ist der Kämpfer an der Spitze zu sehen und führt Fluchtgruppen an. Doch das Bergtrikot muss er nach der zwölften Etappe abgeben und wird es nicht mehr zurückerhalten. Dennoch: Hoogerland hat sich mit diesem heroischen Kampf einen ganz speziellen Platz in der Tour-de-France-Geschichte gesichert.

In der Folge verklagt Hoogerland die Produktionsfirma, für die das Auto unterwegs war. Doch der Prozess zieht sich in die Länge. Erst drei Jahre später, im Juni 2014, wird die ganze Angelegenheit ad acta gelegt. Der nach wie vor als Radprofi tätige Holländer erhält eine Schadenersatz-Zahlung. 

«Es hat sehr lang gedauert, aber ich bin froh, dass es nun hinter mir liegt», kommentiert Hoogerland den Gerichtsentscheid. Wie viel Geld der 31-Jährige erhält, ist nicht bekannt. Es ist für den Holländer aber auch nicht so wichtig. «Um das Geld geht es mir nicht. Ich bin nur froh, dass ich einen Schlussstrich ziehen kann.»

Unvergessen 

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

Tour de France: Perlen aus unserem Archiv

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

74
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

72
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

111
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

104
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

40
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

165
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

74
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

72
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

111
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

104
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

40
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

165
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das fieseste Foul der NHL-Geschichte beendet die Karriere von Steve Moore

8. März 2004: Todd Bertuzzi beendet die Karriere von Steve Moore mit einem Faustschlag an den Hinterkopf. Später entschuldigt sich der Haudegen unter Tränen. Erst zehn Jahre danach enden die Streitigkeiten.

Die Partie war schnell entschieden. Im ersten Drittel gehen die Colorado Avalanches gegen die Vancouver Canucks innert 9:23 Minuten 5:0 in Führung. Ausgerechnet Steve Moore markierte dabei das 5:0. Es ist sein fünfter Treffer in der NHL. Und wird sein letzter bleiben. Denn die Aggression weicht in dieser Partie nicht – und sie wird im letzten Drittel brutal explodieren.

8:2 steht es mittlerweile. Todd Bertuzzi verfolgt Moore über das Feld, provoziert ihn, zerrt am Shirt, aber der 25-Jährige …

Artikel lesen
Link zum Artikel