Der Drohnenkrieg in der Ukraine scheint seine nächste Entwicklungsstufe erreicht zu haben. Bisher kamen die ferngesteuerten Flugobjekte hauptsächlich zu Überwachungszwecken oder zum Ausschalten von Infrastruktur oder gepanzerten Fahrzeugen zum Einsatz. Vereinzelt wurden Kamikaze-Drohnen auch schon eingesetzt, um andere, grössere Drohnen – meistens Starrflügler, die in grosser Höhe den Luftraum überwachen – zu zerstören.
Jetzt hat die 30. mechanisierte Brigade der ukrainischen Armee ein Video auf Telegram geteilt, in dem in mehreren Szenen zu sehen ist, wie Drohnen erfolgreich eingesetzt werden, um auch kleine Quadrokopter zu zerstören. Dies mit Hilfe einer Art On-board-Schrotflinte. Damit werden die russischen Drohnen aus der Luft geschossen. Auch Angriffe auf russische (oder nordkoreanische) Soldaten werden gezeigt.
Schrotflinten haben sich mit ihrer Streuung als eine der effektivsten Waffen zur Verteidigung am Boden gegen die kleinen, schnellen und wendigen FPV-Drohnen erwiesen. Jetzt verbaut die Ukraine solche Waffen anscheinend in den Drohnen selbst. Laut Forbes nennt die Ukraine das neue Drohnensystem «Winchester», vermutlich in Anlehnung an den gleichnamigen US-Waffenhersteller mit seinen legendären Schrotflinten. Abgesehen davon, dass es offenbar einfacher ist, eine gegnerische Drohne mit der Streumunition aus einem Schrotflintenlauf zu treffen, um sie zu zerstören, als sie zu rammen, dürfte das Prinzip noch einen weiteren Vorteil haben: Man kann es im besten Fall mehrmals benutzen.
Die bisher bekannten FPV-Kamikaze-Drohnen zerstören sich bei einem Angriff selbst – egal, ob dieser erfolgreich war oder nicht. Die «Winchester»-Drohnen hingegen scheinen erstens mindestens zwei Versuche zu haben – auf den Videos haben sie zwei Läufe – und sie können immer wieder eingesetzt werden. FPV-Drohnen dieser Art sind zwar vergleichsweise zu anderem Kriegsmaterial sehr günstig, sie kosten schätzungsweise ein paar hundert Franken pro Exemplar. Die Ukraine produziert und nutzt aber monatlich laut Forbes 100'000 oder mehr davon – weshalb eine Mehrfachnutzung also auch wirtschaftlich sehr attraktiv wäre. (lzo)
Nichtsdestotrotz macht das Angst und lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen.