Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wegen Preisverfall: OPEC will weniger Öl fördern



Eine Ölschwemme am Weltmarkt hat die Preise für den wichtigen Rohstoff seit 2014 gedrückt. Seitdem kämpfte das OPEC-Kartell mit geringeren Einnahmen. Nach zähem Ringen wird nun eine Förderkürzung verkündet. Auf den zweiten Blick hat die Einigung aber einen Makel.

FILE- In this Wednesday, June 8, 2011 file photo, sun sets behind an oil pump in the desert oil fields of Sakhir, Bahrain. OPEC nations have agreed in theory that they need to reduce their production to help boost global oil prices during a meeting in Algeria, but a major disagreement between regional rivals Saudi Arabia and Iran still may derail any cut. (AP Photo/Hasan Jamali, File)

OPEC, wollt ihr ewig pumpen? Bild: Hasan Jamali/AP/KEYSTONE

Zwar will das Ölkartell in den kommenden sechs Monaten 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren. Das neue Limit soll bei 32,5 Millionen Barrel täglich liegen. Effektiv wird die Reduktion aber weitaus geringer ausfallen.

Um das Ziel zu erreichen, wird nämlich die Mitgliedschaft Indonesiens im Kartell ausgesetzt. Das Land, das nach einer sieben Jahre langen Pause erst Anfang 2016 wieder zu dem Kartell gestossen war, fördert pro Tag rund 700'000 Barrel Öl.

Wirkung noch unklar

Dennoch bedeutet die am Mittwoch in Wien erzielte Einigung die erste Kürzung der Ölproduktion seit 2008. Im Grundsatz war sich die OPEC zwar bereits zuvor einig. Auf konkrete Massnahmen konnten sich die Förderländer aber erst jetzt verständigen. Die Umsetzung des Deals soll am 1. Januar 2017 beginnen.

«Dies ist ein grosser Schritt nach vorn und wir denken, dass es sich um eine historische Einigung handelt, die sicherlich helfen wird, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen und das Überangebot zu reduzieren», sagte der Ölminister aus Katar, Mohammed Bin Saleh Al-Sada, nach dem Treffen.

Noch vor der offiziellen Verkündung waren die Ölpreise um fast 9 Prozent angestiegen. Ob der Effekt der Massnahme mittelfristig anhält, ist jedoch noch nicht klar. Ein positives Signal sei, dass auch andere wichtige Förderländer unter den Nicht-OPEC-Staaten mitziehen werden. Russland habe bereits zugesichert, 300'000 Barrel am Tag weniger zu fördern, sagte Al-Sada.

Auf der anderen Seite gilt eine wirksame Kontrolle der Förderquoten als schwierig. Ausserdem dürfte nach der jüngsten Preisrally wohl wieder mehr US-Schieferöl auf den Weltmarkt drängen.

Widerstand des Iran

Im September hatte die OPEC in Algerien schon eine prinzipielle Förderkürzung beschlossen. Doch besonders der Iran hatte sich gegen eine Drosselung gestellt. Das Land wollte nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen sogar mehr Öl fördern.

Auch der Irak wollte von der Mengenreduzierung ausgenommen werden. Das Land argumentierte, dass die Einnahmen aus der Ölproduktion für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz «Islamischer Staat» («IS») gebraucht würden.

Durch ein Überangebot am Markt haben sich die Preise seit 2014 fast halbiert. Vor der Einigung war ein Fass um rund 47 US-Dollar zu haben. Bis kurz vor der Sitzung schien eine Einigung auf wackligen Füssen zu stehen. Mehrere vorbereitende Treffen waren ohne Durchbruch verlaufen. Dennoch stand die OPEC unter hohem Erwartungsdruck.

Das Kartell, das als zerstritten gilt, hatte den Verfall der Ölpreise bisher ohne Gegenmassnahmen hingenommen. Im Hintergrund spielten auch geostrategische Überlegungen der verfeindeten Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien eine Rolle. Beide Staaten sind auf unterschiedlichen Seiten im Syrien-Krieg engagiert.

(sda/reu/afp/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Alle gegen Trump: Demokraten treten an zum ersten TV-Duell

Link zum Artikel

Wer in Europa am meisten Dreckstrom produziert – und wie die Schweiz dasteht

Link zum Artikel

25 Bilder von Sportstars, die Ferien machen

Link zum Artikel

Mit diesen 10 Apps pimpst du dein Smartphone zum Büro für unterwegs

Link zum Artikel

Holland ist aus dem Häuschen, weil diesem Schwimmer gerade Historisches gelang

Link zum Artikel

Schneider-Ammanns Topbeamter gab vertrauliche Infos an Privatindustrie weiter

Link zum Artikel

Weshalb die Ära Erdogan jetzt schneller vorübergehen könnte, als du denkst

Link zum Artikel

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

9 «Ratschlag»-Klassiker, die du dir in Zukunft einfach mal sparen kannst

Link zum Artikel

Christian Wasserfallen nicht mehr FDP-Vize – wegen der Klimafrage?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Themen
2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pitsch Matter 30.11.2016 17:46
    Highlight Highlight Nur eine Medienmitteilung für Spekulanten. Die OPEC fördert etwa nur einen Drittel der Weltweiten förderung, daher ist dieser Beschluss langfristig nur heisse Luft. Russland und USA fördern was die Pumpen hergeben.
    Sogar die OPEC Länder werden es beschliessen und sich nacher nicht dran halten, ausser Iran und Saudi Arabien sind neuerdings Freunde.
    • http://bit.ly/2mQDTjX 30.11.2016 20:00
      Highlight Highlight Iran und Saudi Arabien sind jedenfalls nicht Feinde. Beide profitieren vom Öldumping. Es wird doch niemand böse, weil sich niemand an die wohlklingenden OPEC-Beschlüsse halten will. Das erwartet doch niemand im Ernst.

      Iran ist allerdings längerfristig strategisch komfortabler positioniert. Der Iran ist nicht auf Erdölexporte angewiesen und hat noch viele andere Rohstoffe. Die Iraner können sich selbst versorgen, und sie können ihr Land auch selbst verteidigen. Das trifft auf Saudi Arabien alles nicht zu. Vermutlich wird das längerfristig eher die Freundschaft der beiden Staaten stärken.

Gefährliche Campingplätze und Streit um Touri-GA – das schreiben die Sonntagszeitungen

Wichtige Schlagzeilen der Sonntagspresse in nicht verifizierten Meldungen:

Schweizer Atomkraftwerke sollen laut einer Meldung der «NZZ am Sonntag» länger laufen als derzeit geplant. Ursprünglich sei die Politik von Laufzeiten um die 50 Jahre ausgegangen. Nunmehr stelle das Bundesamt für Energie BfE auch 60 Jahre zur Disposition. Die Behörde habe in neuen Szenarien nicht bei 50 Jahren bleiben können, weil sonst die Realität ausgeblendet werde, teilte das BfE der Zeitung mit. Zumindest …

Artikel lesen
Link zum Artikel