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Wirtschaft
Analyse

Prügelt Donald Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Trump mit Baselballschläger
Bild: montage: watson / material: shutterstock, keystone
Analyse

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Inverse Zinsstrukturen in den USA, fallende Rohstoffpreise: Die US-Wirtschaft steht vor einem heissen Herbst.
19.08.2019, 12:0419.08.2019, 15:05

Am Wochenende mussten Trumps wirtschaftliche Berater Sonderschichten schieben. Larry Kudlow und Peter Navarro, die beiden Spitzenkräfte des präsidialen Wirtschaftsteams, waren auf allen TV-Kanälen vertreten. Beide hatten die gleiche Botschaft zu verkünden: Keine Angst, die amerikanische Wirtschaft steuert nicht auf eine Rezession zu.

Beide wirkten wenig überzeugend. Das liegt einerseits an ihrem schlechten Ruf. Kudlow gilt als TV-Schwätzer, der einst ein gröberes Kokain-Problem hatte und den Immobiliencrash 2007 völlig unterschätzte. Navarro ist ein sektiererischer Spinner, der selbst dem «Wall Street Journal» Sympathien für den chinesischen Kommunismus unterstellt.

US-Präsident Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro die Notwendigkeit von Strafzöllen gegen Mexiko relativiert. (Archivbild)
Ist von den Ökonomen nicht respektiert: Trump-Berater Peter Navarro. Bild: AP

Dazu kommt, dass sich die Indizien für eine Abkühlung der Wirtschaft bedrohlich vermehren: Die Aktienmärkte sind sehr nervös, die Zinsstrukturen invers (langfristige Zinsen tiefer als die kurzfristigen), die Rohstoffpreise sind im Keller, die Investitionen lahmen, und der Einkaufsindex der Manager und das Stimmungsbarometer der Konsumenten sind abgestürzt.

Das heisst nicht, dass eine Rezession im nächsten Jahr zwangsläufig kommen wird. Nach wie vor konsumieren die Amerikaner wie verrückt, und der Konsum ist für rund 70 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts verantwortlich. Doch die Wahrscheinlichkeit eines Abschwungs hat sich nach Ansicht der meisten Ökonomen deutlich erhöht.

Als wichtigster Grund für eine allfällige Rezession wird der Handelsstreit mit China genannt. Der erratische Zickzack-Kurs des Präsidenten verunsichert Investoren und Manager gleichermassen. Niemand glaubt mehr daran, dass die beiden Streithähne Trump und Xi in absehbarer Zeit einen vernünftigen Deal abschliessen werden.

«Trump wird doch nicht so blöd sein, sich selbst ins Knie zu schiessen und mit einer Rezession seine Wiederwahl aufs Spiel zu setzen», sagen alle, welche die Rezessionsängste für weit übertrieben halten. Mag sein. Doch dummerweise fehlen Trump genau die Eigenschaften, die derzeit gefragt sind: Um langfristig planen zu können, sehnen sich Wirtschaftsvertreter und Investoren derzeit nach Stabilität und Verlässlichkeit.

FILE - In this Aug. 12, 2019, photo specialist Peter Mazza works at his post on the floor of the New York Stock Exchange. Stocks of companies that do lots of business with China are obvious targets to ...
Ein besorgter Trader an der Börse in New York.Bild: AP

Trump verkörpert das Gegenteil. Er entscheidet spontan aus dem Bauch, ist unberechenbar und lebt von Unsicherheit und Zwist. So passt es ins Bild, dass Trump seit längerem den Fed-Präsidenten Jerome Powell heftig und öffentlich attackiert. Die Unabhängigkeit der Notenbank ist ein Tabu, das selbst Trump nicht ungestraft verletzen kann. Selbst konservative Trump-Freunde zeigen sich darob zunehmend irritiert.

Zum Handelsstreit mit China und dem Zoff mit dem eigenen Notenbankpräsidenten gesellen sich der drohende No-Deal-Brexit und eine deutsche Rezession. Beides hat dazu geführt, dass sich die Investoren in den Dollar flüchten. Eine starke US-Währung schadet der amerikanischen Exportwirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze.

Eine Rezession ist eine Verknüpfung von mehreren Umständen. Trumps willkürliche und unberechenbare Aktionen könnten eine solche Kettenreaktion auslösen: Der Handelskrieg verunsichert die Finanzmärkte und die Wirtschaft gleichermassen. Die Aktienbörsen crashen, Unternehmen und Konsumenten werden vorsichtiger und bleiben auf ihrem Geld sitzen. Billiges Geld hat zudem dazu verleitet, dass sich sowohl Unternehmen wie Privathaushalte massiv verschuldet haben.

Die Zentralbanken schliesslich haben ihr Pulver weitgehend verschossen. Der Harvard-Ökonom James Stock erklärt in der «Financial Times»: «Normalerweise reagiert die die Notenbank auf einen Abschwung mit der Reduktion der Leitzinsen um fünf Prozent. Doch wir haben keine fünf Prozent.»

Die USA sind für eine Rezession schlecht gerüstet. Das ökonomische Personal der Trump-Regierung ist unfähig. Überparteiliche Massnahmen – beispielsweise massive Investitionen in die Infrastruktur – sind im derzeitigen politischen Klima eine Illusion. Nach wie vor sind die USA die Lokomotive der Weltwirtschaft. Eine amerikanische Rezessions-Kettenreaktion hätte daher verheerende Folgen für den Rest der Welt – auch für die Schweiz.

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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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aligator2
19.08.2019 12:09registriert August 2017
Ich liebe diese "besorgter Trader" Stock Fotos. Gibt wenig aussageloseres als diese Bilder und trotzdem dürfen sie in keinem Börsenausblick fehlen.
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Gipfeligeist
19.08.2019 12:14registriert Januar 2016
Ich bin finanziell eine Banause, merke ich auch an meinem Kontostand. Aber ist es nicht relativ gefährlich, dass wir Europäer vom amerikanischen Fehleinschätzungen der Wirtschaftsheinis betroffen werden? Auch, nachdem dort die Krise 2008 losgetreten wurde.

Ist es überhaupt möglich, uns vor einem andeutendem China-USA Wirtschaftskrieg zu schützen?
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bcZcity
19.08.2019 13:12registriert November 2016
Trump ist ein Lügner. Da behauptet er an Wahlkampfveranstaltungen vor einem Haufen Arbeiter, dass der Aufschwung ihrer Branche danke der "Trump Regierung" zustande gekommen ist. Nur dass dieser Aufschwung dank Massnahmen zustande gekommen ist, welche die "Obama Regierung" noch in die Wege geleitet hat".

Auf Youtube gibt es Propaganda Kanäle welche seinen Einsatz für die Unter- und Mittelschicht zeigen sollen. Mit offiziellem Anstrich!

Der schmückt sich mit fremden Federn, fährt die Zukunft in den Abgrund und wird spätestens in 6 Jahren abtreten und einen Scherbenhaufen hinterlassen.
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