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Analyse

Warum Trump die Juden umwirbt – und warum sie keine Freude daran haben

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Beste Freunde: Donald Trump und Benjamin Netanyahu.Bild: AP/AP
Analyse

Warum Trump die Juden umwirbt – und diese keine Freude daran haben

Der Präsident will Israel zu einem zentralen Thema seiner Wiederwahl-Kampagne machen. Progressive Juden reagieren ablehnend.
21.08.2019, 13:3421.08.2019, 16:54

79 Prozent der amerikanischen Juden haben bei den Midterms im vergangenen Herbst ihre Stimme einem Demokraten gegeben. Das war kein Zufall. Seit Franklin D. Roosevelt in den Dreissigerjahren die Gefahr von antisemitischen Populisten gebannt hat, wählen die Juden mehrheitlich Demokraten.

Donald Trump will das ändern. Deshalb stellt er Israel und die Juden zunehmend ins Zentrum seiner Kampagne zur Wiederwahl. So hat er mit einem Tweet erreicht, dass Premierminister Benjamin Netanyahu den beiden muslimischen Abgeordneten Ilhan Omar und Rashida Tlaib die Einreise nach Israel verweigert hat.

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Dürfen nicht nach Israel einreisen: Rashida Tlaib (links) und Ilhan Omar.Bild: EPA

Beide habe sich kritisch zur israelischen Politik gegenüber den Palästinensern geäussert. Beide unterstützen auch die Organisation BDS, welche sich dafür einsetzt, die Verbindungen mit Israel abzubrechen.

Omar und Tlaib gehören zur sogenannten «Squad». So werden die vier jungen demokratischen Abgeordneten um Alexandria Ocasio-Cortez genannt. Sie gelten als besonders progressiv. Trump und die konservativen Medien wie Fox News verbreiten pausenlos die Botschaft, dass die Squad die heimliche Macht der Demokratischen Partei geworden sei, und dass sie die USA in ein sozialistisches und islamfreundliches Land verwandeln wollen.

«Was ist aus der Demokratischen Partei geworden? Warum verteidigen sie diese beiden Frauen und nicht Israel?». Diese rhetorische Frage stellte Trump am Dienstag, um gleich selbst die Antwort zu geben: «Ich glaube, dass Juden, die demokratisch wählen, entweder eine totale Unkenntnis zutage legen oder total illoyal sind.»

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«Wir sind Juden für Trump», steht auf dem Plakat eines Teilnehmers der Veranstaltung der Republican Jewish Coalition. Bild: EPA/EPA

Israel spielt in der amerikanischen Politik eine herausragende Rolle. Selbst die progressivsten jüdischen Demokraten stellen die Existenz Israels nicht in Frage. Aber auch konservative Republikaner stellen sich bedingungslos hinter Israel, vor allem die Evangelikalen.

Diese legen die Bibel wörtlich aus, und in der Bibel steht, dass Jesus nur dann auf die Erde zurückkehrt, wenn Israel wieder in jüdischer Hand ist. Nach mehreren Revolten hatten die Römer die Juden in Israel entweder umgebracht oder vertrieben.

Trump unternimmt alles, um Israel happy zu machen. So hat er die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt und damit die Palästinenser vor den Kopf gestossen. Er hat einen Hardliner als Botschafter eingesetzt und seinen jüdischen Schwiegersohn Jared Kushner mit der Ausarbeitung eines Friedensplans beauftragt. Die Details dieses Plan sind noch nicht bekannt, er wird jedoch bereits jetzt als Farce bezeichnet. Schliesslich stellt sich Trump immer wieder demonstrativ hinter den rechtsnationalen Netanjahu.

Antisemitismus kann man Trump nicht vorwerfen. Er ist Grossvater eines jüdischen Enkels und hat mehrere Juden in sein Kabinett berufen, etwa Finanzminister Steven Mnuchin oder den ehemaligen Wirtschaftsberater Gary Cohn. Trotzdem kommen seine Angriffe auf die beiden Abgeordneten in jüdischen Kreisen schlecht an.

US President Donald Trump and Melania Trump attend a wreath laying ceremony during a visit to the Yad Vashem Holocaust Memorial museum, commemorating the six million Jews killed by the Nazis during Wo ...
Das Ehepaar Trump bei einer Kranzniederlegung im Yad Vashem Holocaust Memorial Museum.Bild: AP/AFP Pool

Jonathan Greenblatt, CEO der Anti-Defamation League, tweetete: «Es ist unklar, welche Juden ‹illoyal› sein sollen. Der Vorwurf der Illoyalität ist immer wieder verwendet worden, um Juden anzugreifen.»

Logan Bayroff von der progressiven jüdischen Organisation J Street erklärt derweil: «Es ist gefährlich und schändlich, wenn Präsident Trump die Mehrheit der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft als dumm oder illoyal beschimpft. Aber es ist nicht überraschend, dass die rassistischen und unaufrichtigen Angriffe auf progressive Frauen sich nun auf schmutzige Attacken gegen Juden ausdehnen.»

Trumps Spagat zwischen rassistischem Nationalismus und seiner Liebe zu Israel stösst bei jüdischen Intellektuellen auf Skepsis. So stellt etwa Paul Krugman in der «New York Times» fest: «Ein Jude muss, was historisches Wissen betrifft, völlig ignorant sein, wenn er nicht weiss, dass wir als nächste drankommen, wenn sich der Fanatismus wieder ausbreitet.»

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