Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A demonstrator holds toilet paper made from fake U.S. dollars during a protest against Turkey's Prime Minister Tayyip Erdogan and his ruling Ak Party (AKP) government in Ankara February 27, 2014. An audio recording purporting to be of Erdogan giving his son business advice has been published on YouTube, following one earlier in the week that fuelled a corruption scandal and unnerved markets. Erdogan said a similar post on the video-sharing site YouTube on Monday, allegedly of him telling his son Bilal to dispose of large sums of cash as a graft investigation erupted, had been faked by his political enemies. REUTERS/Umit Bektas (TURKEY - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CRIME LAW)

Der Controller einer Rohstofffirma hat die Dollars seiner Firma nicht viel sorgfältiger als WC-Papier behandelt.  Bild: UMIT BEKTAS/REUTERS

Mal anrufen, vielleicht? Einmal kurz? Vielleicht?

Controller überweist 17 Millionen an Betrüger und erhofft sich vom Chef noch ein Lob

Mit der gefakten E-Mail-Adresse seines Chefs haben Betrüger den Chefcontroller einer Rohstoffhandels-Firma dazu gebracht, eine Fusion zu finanzieren. Was der machte, ohne ein einziges Mal seinen Chef anzurufen.



Keith McMurtry dachte, er befinde sich gerade auf einem ganz grossen Schritt in seiner Karriereleiter, als er vergangenen Juni von der E-Mail-Adresse ft-809@outlook.com einen «höchst vertraulichen» Auftrag erhalten hatte. Zwar erscheint eine solche E-Mail-Adresse nicht gerade vertrauenswürdig, aber sie war mit dem Namen «Chuck Elsea» gezeichnet, des CEOs von The Scoular Company. Dort war McMurtry zu der Zeit angestellt. Also hatte dieser Vertrauen. 

Teile der E-Mail-Konversation sind wegen einer FBI-Untersuchung öffentlich geworden und so hatte McMurtry E-Mails folgenden Inhalts erhalten: 

«Ich habe Sie bestimmt, sich um File FT-809 zu kümmern. Das ist eine strikt vertrauliche Operation, die Priorität vor all Ihren anderen Aufgaben geniesst.»

Und: 

«Dies ist eine sehr sensible Angelegenheit und Sie sind aufgefordert, mit mir nur über diese E-Mail-Adresse zu korrespondieren, um keine Auflagen der Börsenaufsicht zu verletzen.»

Da McMurtry auch nach dieser E-Mail noch nicht misstrauisch geworden war und wie geheissen niemanden anrief, auch nicht seinen Chef, erhielt er weitere E-Mails. 

«Wir haben in den letzten Monaten in Zusammenarbeit mit der Börsenaufsicht die Fusion mit einer chinesischen Firma vorangetrieben. Wenn diese Information geleakt wird, dann ist der Vertragsabschluss in Gefahr.»

Soweit logisch, muss sich McMurtry gedacht haben, denn dummerweise befolgte er die Anweisungen in den E-Mails weiter. So etwa diese: 

«Gemäss meiner Unterhaltung mit Rodney verlangen die Bestimmungen der Börsenaufsicht, dass wir den Deal bis Montag abschliessen, um das Risiko von Leaks zu minimieren. Um allfällige Bussen zu vermeiden, werden wir die nötige Überweisung sofort vornehmen. Die Gesamtsumme ist 7'800'000 abzüglich der Sicherheitseinlage, die wir bereits gestern überwiesen haben. Überweisen Sie also: 7'020'000.00 Dollar (sieben Millionen und zwanzigtausend Dollar) »

Das tat McMurtry und weil das Ganze so einfach war und das Geld bald bei der Shanghai Pudong Development Bank ankam, erhielt er gleich noch eine Mail:

«Der Deal ist abgeschlossen und wir warten nun auf die Dokumente und die Entscheidung der Börsenaufsicht, um die Akquisition zu kommunizieren. Bitte überweisen Sie nochmal 9'400'000 auf das gleiche Konto. Wir müssen die Firma ordentlich mit Kapital ausstatten, um gegenüber den Chinesen Stärke zu demonstrieren. Keith, ich werde Ihre Professionalität in dieser Sache nicht vergessen und mich sehr bald erkenntlich zeigen.» 

Weil McMurtry nach dieser E-Mail nichts mehr von seinem CEO hörte, beschloss er, wenige Tage später einen Termin mit ihm zu vereinbaren, um sich die Lorbeeren für seine diskreten Überweisungsjobs direkt abzuholen. Erst bei dieser Gelegenheit wurde ihm eröffnet, dass die Akte FT-809 nur in der Fantasie der Betrüger existiert hatte, die The Scoular Company gerade um 17 Millionen Dollar erleichtert hatten. 

McMurtry ist seit sechs Monaten selbstständig. (thi)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Gute Aussichten: Das KOF-Konjunkturbarometer steigt weiter stark an

Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft haben sich weiter aufgehellt. Das KOF-Konjunkturbarometer ist im August bereits den dritten Monate in Folge kräftig angestiegen.

Das von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich erhobene Konjunkturbarometer zog im Berichtsmonat um 24.2 Punkte auf 110.2 Punkte an, wie die Ökonomen der KOF am Donnerstag mitteilten. Damit liege der Wert jetzt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt, hiess es weiter.

Die Coronakrise und der Lockdown hatten den …

Artikel lesen
Link zum Artikel