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Tidjane Thiam, CEO of Credit Suisse, speaks at the Bloomberg Global Business Forum, Wednesday, Sept. 25, 2019, in New York. (AP Photo/Mark Lennihan)

Wusste offenbar von nichts: CS-CEO Tidjane Thiam. Bild: AP

Top-Manager muss nach Beschattungs-Affäre gehen – CS-CEO Thiam wusste angeblich von nichts



Bei der Credit Suisse hat der Leiter des operativen Tagesgeschäfts die Verantwortung für die Bespitzelungsaffäre übernommen und ist zurückgetreten. Was genau passiert ist, wurde aber immer noch nicht geklärt.

Der «Chief Operating Officer» (COO) Pierre-Olivier Bouée habe angegeben, alleine entschieden zu haben, die Überwachung des ehemaligen Topmanagers Iqbal Khan anzuordnen, teilte die Credit Suisse am Dienstag mit.

Die Untersuchung durch Homburger Rechtsanwälte im Auftrag des Verwaltungsrats habe keine Hinweise geliefert, dass der Verwaltungsrat, Konzernchef Tidjane Thiam oder andere Mitglieder der Geschäftsleitung vor dem 18. September 2019 davon gewusst hätten. Zu dem Zeitpunkt war die Überwachung bereits abgebrochen.

Bouée sagte aus, er sei besorgt gewesen, dass Khan, der am (heutigen) Dienstag zur Konkurrentin UBS wechselt, «ein Risiko für die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen der Credit Suisse darstelle». Denn dieser habe weiterhin mit wichtigen Mitarbeitern der CS in Kontakt gestanden.

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Der operative Chef (Chief Operating Officer COO) Pierre-Olivier Bouée. bild: credit suisse

Sicherheitschef muss ebenfalls gehen

Jedoch habe weder die Überwachung noch die anschliessende Untersuchung Anhaltspunkte geliefert, dass Khan gegen vertragliche Verpflichtungen verstossen und versucht habe, Mitarbeitende oder Kunden der Credit Suisse abzuwerben, hiess es in der Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse.

Mit Blick auf die Beschattung gab es klare Worte: Der Verwaltungsrat unterstütze zwar «geeignete Massnahmen zum Schutz der Interessen des Unternehmens, auch in Fällen, in denen leitende Angestellte das Unternehmen verlassen». Der Auftrag zur Überwachung von Iqbal Khan sei jedoch «falsch und unverhältnismässig» gewesen und habe «zu einem schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank» geführt. Zudem habe die Untersuchung «bis heute» keine Hinweise zutage gefördert, dass die Credit Suisse weitere scheidende Mitarbeiter überwachen liess.

Bouée habe in der Folge seinen Rücktritt erklärt, den der Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung angenommen habe. Gleiches gilt für den Leiter der globalen Sicherheitsdienste, der von Bouée mit der Überwachung beauftragt worden war. Weitere Mitarbeiter der Grossbank seien nicht involviert gewesen.

Urs Rohner, right, president of the board of Credit Suisse, speaks during a press conference of the Observation of Iqbal Khan in Zuerich, Switzerland, Tuesday, Oct. 1, 2019. (Ennio Leanza/Keystone via AP)

Urs Rohner: Der CS-Verwaltungsratspräsident während der Medienkonferenz von Dienstag. Bild: AP

Was war geschehen?

Khan wurde nach Angaben der Credit Suisse zwischen dem 4. September und dem 17. September 2019 während sieben Wochentagen mehrheitlich tagsüber überwacht. An der Ecke Fraumünster- und Börsenstrasse in der Zürcher Innenstadt entdeckte er dann ein Mitglied des Überwachungsteams und stellte diesen.

Was sich zwischen Khan und dem Detektiv genau zugetragen hat, sei allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen, weil dies Gegenstand einer laufenden Strafuntersuchung ist. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hatte aufgrund einer Anzeige von Kahn ein Strafverfahren wegen Nötigung und Drohung eröffnet.

Das Überwachungsunternehmen sei von einem externen Dienstleister beauftragt worden, hiess es von Credit Suisse weiter. Allerdings liege zur Auftragserteilung nichts Schriftliches vor.

Private Kommunikationen teilweise gelöscht

Homburger habe während der Untersuchung Zugang zu den der Credit Suisse zur Verfügung stehenden Informationen erhalten. Allerdings erhielt die Kanzlei keine Einsicht in die Akten der Polizei und der Staatsanwaltschaft über die strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Überwachung. Zudem sei private Kommunikation nur teilweise verfügbar gewesen: «Einige private Kommunikationen sind gelöscht worden».

Die Untersuchung habe keine Hinweise geliefert, dass die Überwachung mit den in Medienberichten dargestellten persönlichen Differenzen zwischen Thiam und Khan im Zusammenhang stand. Das persönliche Verhältnis zwischen den beiden sei jedoch auch nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen.

Zum Nachfolger von COO Bouée und zum neuen Mitglied der Geschäftsleitung ernannte die Bank nun James Walker. Walker übe gegenwärtig «verschiedene wichtige Funktionen im Finanzbereich der Bank» aus, hiess es. So sei er Finanzchef der wichtigsten amerikanischen Tochtergesellschaften sowie Leiter «Product Control». (sda/awp)

Das war die Pressekonferenz:

Liveticker: Medienkonferenz zur Beschattungsaffäre bei der Credit Suisse

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8:40
Die Pressekonferenz ist beendet.
Wirklich viel Neues kam nicht dabei heraus. Die Untersuchung der Anwaltskanzlei Homburger hat nichts ergeben. COO Bouée und Sicherheitschef Boccali haben ganz alleine gehandelt, niemand sonst in der Bank hatte sonst eine Ahnung der Beschattungsaktion.

CEO Tidjane Thiam war ebenfalls zu keinem Zeitpunkt in die Aktion involviert, wie der Verwaltungsrat nicht müde wurde zu betonen. Er wird CEO bleiben und geniesst weiterhin vollstes Vertrauen von oben.
8:36
Gibt es ein Kulturproblem bei der CS?
Wieso fand diese Aktion überhaupt statt? Gibt es ein Kulturproblem bei der CS?

Rohner meint: Nein. Die Kultur sei sogar sehr gut. In den nächsten Wochen würde der Fall intern aufgearbeitet. Die Verantwortlichen, die, wie er immer wieder betont, auf eigene Faust gehandelt hätten, würden die Konsequenzen durch ihre Entlassung tragen.
8:33
Der Blick will wissen, ob die CS eine Mitschuld am Tod des Mittelmannes hat
Dazu will sich die CS nicht äussern, aus Respekt vor dem Verstorbenen.
8:29
Beschattungen auch in der Zukunft?
Sind Beschattungen ein normaler Bestandteil im Bankenwesen? Nein, sagt Urs Rohner, es werde in Zukunft keine solche Beschattungen mehr geben. Es entspreche nicht der Kultur der CS.
8:27
Abgangsentschädigung für Bouée
Ein Journalist will wissen, wie viel Abgangsentschädigung der scheidende COO Bouée nun erhalten wird. Die sehr bürokratische Antwort zusammengefasst: Keine. Das sei vom Gesetz so vorgeschrieben.
8:25
COO und Sicherheitschef schrieben über Threema
Bouée und Boccali schrieben sich über die Schweizer Messengerapp Threema, sie haben ihre Konversationen jedoch gelöscht. Diese Konversationen waren Bestandteil der Untersuchung, konnten aber nicht eingesehen werden.
8:21
Zweite Frage
Ein Journalist des Tagesanzeigers fragt, wie zwischen persönlichem (die Streit an der Cocktailparty im Januar zwischen Khan und Thiam) und geschäftlichem bei der Untersuchung unterschieden wurde.

Antwort: Dem Streit wurde während der Untersuchung keine Beachtung geschenkt, es ging lediglich darum, wieso der COO und der Sicherheitschef die Beschattung eingeleitet haben.
8:19
Die Fragerunde ist eröffnet
Nun dürfen Journalisten Fragen stellen. Die erste Frage bezieht sich darauf, ob CEO Thiam tatsächlich nichts gewusst hat. Zusammengefasste Antwort: Nein.
von Scaros_2
Wie so oft. Die Chefetage wusste von nichts. Also kann man ihn auch nichts zu schulden kommen lassen.
8:17
Nun spricht John Tiner
John Tiner, Vorsitzender des Audit Committee und Mitglied des Verwaltungrats, spricht nun über die Untersuchung, die die Zürcher Anwaltskanzlei Homburger durchgeführt hat.

Diese fand keine Hinweise darauf, dass Khan versucht hätte, Kunden oder Mitarbeiter der CS abzuwerben. Auch entlastet Homburger den CEO Tidjane Thiam. Einzig der COO Bouée und der Sicherheitschef seien in die Beschattungsaffäre verwickelt gewesen.
8:11
Rohner entschuldigt sich
Der Verwaltungsratspräsident entschuldigt sich bei den Aktionären, den Mitarbeitern und den Kunden. Die Affäre hätte einen grossen Reputationsschaden für die Bank verursacht.
8:09
Thiam nicht beteiligt
Rohner nimmt den CEO der CS, Tidjane Thiam, in Schutz. Er sei nicht über die Beschattung informiert gewesen und geniesse weiterhin vollste Rückendeckung des Verwaltungsrates.
8:08
Überwachung war «falsch»
Rohner bezeichnet die Überwachung als falsch. Die Massnahme sei unverhältnismässig gewesen und die Mitarbeiter, die direkt darin involviert waren, sollen nicht mehr für die Credit Suisse arbeiten.
8:07
Urs Rohner spricht
Der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, Urs Rohner, fasst die gesamte Bespitzelungsaffäre nochmals zusammen. Nach dem heftigen Streit zwischen Thiam und Khan schien es zuerst so, als würde die Zusammenarbeit zwischen den beiden weiter funktionieren. Nach einigen Monaten stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht der Fall war und die CS liess Khan ziehn.
7:54
Die CS nimmt Stellung zur Bespitzelungsaffäre
Die Credit Suisse will heute morgen eine Medienkonferenz zur Bespitzelungsaffäre abhalten. Bei dieser ging es darum, dass ihr ehemaliger Star-Banker Iqbal Khan, der heute seinen ersten Arbeitstag bei der UBS hat, wegen Verdachts auf Kaderabwerbung von einer privaten Sicherheitsfirma beschattet wurde.

Wie die CS heute bereits mitteilte, treten der Sicherheitschef Remo Boccali sowie COO (Chief Operating Officer) Pierre-Olivier Bouée zurück.

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