UBS fordert in den USA das Glück heraus – beim ersten Mal ging es gründlich schief
UBS ist jetzt auch eine richtige US-Bank. Seit vergangener Woche ist sie die erste Auslandsbank in Amerika mit dem Privileg, alltägliche Bankdienstleistungen im ganzen Land verkaufen zu dürfen. Ein Privileg? Klar, UBS-Amerika-Chef Rob Karofsky zeigt sich in einem PR-Video auf Linkedin «begeistert» von den neuen Möglichkeiten, wie UBS in den USA jetzt «die nächste Wachstumsphase» einleiten kann.
Aber der UBS-Manager feiert den «Meilenstein» just in einem Moment, in dem die Schweizer Politik beraten und entscheiden muss, mit welchen Kapitalvorschriften sie die Auslandsexpansion von UBS regulieren soll, damit sich die für die ganze Schweiz gefährlichen Grossunfälle nicht wiederholen können.
Das Credo der UBS lautet derweil klar: Wachstum. Damit soll das US-Geschäft endlich profitabler werden. Den amerikanischen Kunden soll es fortan an nichts mehr fehlen. Gehaltskonto, Kreditkarten, Anlageberatung, Hypothek – UBS will Hausbank für alle vermögenden Haushalte in Amerika werden. Damit tritt sie direkt in Konkurrenz zu den Platzhirschen.
Die Macht der Berater
Gewiss, UBS betreut schon seit mehr als 25 Jahren Kunden aus dem oberen amerikanischen Mittelstand. Zu diesem Zweck hatte sie den damals viertgrössten Broker Paine Webber übernommen. Doch die fast 18 Milliarden Franken teure Akquisition hat die Erwartungen der Käuferin nie erfüllt. Paine Webber ist bis heute eine Plattform für Anlageberater geblieben, die im Prinzip mit ihrem Kundenstamm auf eigene Rechnung wirtschaften. Die Berater kassieren den Löwenanteil der Erlöse. Versucht UBS den Verteilschlüssel zum eigenen Vorteil zu verändern, wechseln die Berater mitsamt den Kunden zur Konkurrenz.
Dem Dilemma entrinnen könnte die Bank vielleicht, wenn sie mehr Kredite vergäbe. Über die Vergabe von Krediten können Vermögensberater nicht autonom entscheiden. Die Bank könnte sich einmischen und sich für die Berater wie auch für deren Kunden unverzichtbar machen. Doch im amerikanischen Kreditmarkt dominieren die etablierten US-Adressen. In deren Phalanx einbrechen kann eine Aussenseiterin wie UBS nur, wenn sie den Kunden bessere Kreditbedingungen bietet als die Konkurrenz. UBS müsste sich ihren Marktanteil mit grösseren Risiken erkaufen.
Es gibt keine europäische Grossbank, die in Amerika so zum Erfolg gekommen ist und sich beim oberen Mittelstand als echte Alternative zu den lokalen Banken etablieren konnte. Doch UBS glaubt, 17 Jahre nach dem eigenen Waterloo im Geschäft mit US-Hypothekenanleihen, ein robustes Modell für ein Comeback gefunden zu haben.
Nur, das Umfeld spricht dagegen. Die Verschuldung amerikanischer Privathaushalte ist in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen. Bei Hauskrediten belief sich das Wachstum sogar auf fast 35 Prozent. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Schuldner zu, die mit ihren Krediten im Zahlungsverzug sind. Betroffen sind zunehmend auch Haushalte aus höheren Einkommensschichten.
Zudem ist in den USA der Deregulierungszug in voller Fahrt. Viel Kreditgeschäft ist in den vergangenen Jahren in den Schattenbankensektor abgewandert. Die Regulatoren wollen es in den transparenteren Bankensektor zurückbringen. Damit das passieren kann, werden bei den Banken die Kapitalvorschriften gelockert. Wettbewerb und Preiskampf nehmen zu.
Blocher will den Exit
Das alles muss das Schweizer Parlament berücksichtigen, wenn es demnächst über den Vorschlag des Bundesrates berät, wonach systemrelevante Banken in der Schweiz ihre Auslandstöchter zu 100 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegen müssen. Die UBS spricht von einer «exzessiven» Regulierung. Die rund 26 Milliarden Franken, die dafür in etwa nötig wären, würden sie im internationalen Wettbewerb massiv benachteiligen.
Die Behörden sagen, die Kapitalauflage würde nur den Ausbau des Auslandsgeschäfts verteuern – ein gewollter Effekt. SVP-Schwergewicht Christoph Blocher glaubt weder das eine noch das andere und will, dass UBS ihr US-Geschäft abtrennt. Für ihn ist nach jahrzehntelangen Erfahrungen klar: Schweizer Banken beherrschen die spezifischen Risiken des US-Geschäftes nicht. UBS selbst sieht sich in der Lage dazu. Doch damit fordert die Bank in Amerika das Glück heraus. Bereits zum zweiten Mal. Beim ersten Mal musste der Staat die Bank retten. (aargauerzeitung.ch)

