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ETF Boom Schweiz – Worauf du bei der Auswahl achten solltest

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ETF-Boom – worauf du bei der Auswahl achten solltest

ETFs sind so populär wie nie zuvor. Doch während immer mehr Menschen einsteigen, fehlt oft das grundlegende Verständnis für die Auswahl. Dieser Artikel zeigt, warum ETFs boomen und worauf du bei deiner Wahl achten solltest.
30.04.2026, 14:0130.04.2026, 14:01
Olga Miler
Olga Miler

ETFs (Exchange Traded Funds) sind längst kein Nischenthema mehr. Sie sind mitten im Mainstream angekommen.

Allein in der Schweiz ist die Zahl der ETF-Investoren und Investorinnen in den letzten Jahren stark gewachsen. Seit 2022 ist sie um rund 89 % gestiegen, mit einem jährlichen Wachstum von etwa 24 %. Rund 35 % der Menschen in der Schweiz investieren bereits in ETFs. In den nächsten zwölf Monaten sollen weitere rund 310'000 Investoren und Investorinnen hinzukommen. Besonders auffällig: Frauen holen beim Investieren stark auf. Seit 2022 ist die Anzahl weiblicher ETF-Investorinnen um 122 % gewachsen. (Quelle: BlackRock People & Money Studie)

Breites Verständnis für ETFs fehlt noch

Das Wachstum ist beeindruckend. Gleichzeitig zeigt sich ein Spannungsfeld:

Weniger als die Hälfte der Befragten in der Schweiz geben an, ein grundlegendes Verständnis von ETFs zu haben. 55 % sagen, sie hätten entweder noch nie von ETFs gehört oder zwar davon gehört, aber kein Verständnis davon.

Selbst bei denjenigen, die sich mit ETFs beschäftigen, zeigt sich eine Lücke: Verständnis bedeutet nicht automatisch Handlungssicherheit. Nur 13% sagen, dass sie ein solides Verständnis haben und sich sicher fühlen, Anlageentscheidungen mit ETFs zu treffen. Lediglich fünf Prozent verfügen über vertiefte Kenntnisse. (Daten von Blackrock auf Anfrage von watson)

Warum ETFs gerade so stark wachsen

ETFs treffen den Zeitgeist.

Sie sind einfach zugänglich, kostengünstig und ermöglichen es, mit kleinen Beträgen breit zu investieren.

Und vor allem: Sie passen in einen Alltag, der zunehmend digital und automatisiert ist.

Für viele ist der Einstieg heute nicht mehr der klassische Einmalkauf, sondern ein regelmässiger, strukturierter Zugang zum Markt, zum Beispiel in Form eines ETF-Sparplans.

ETFs haben natürlich auch Nachteile. Zum Beispiel:

  • Keine Überrendite gegenüber dem Index möglich
  • Klumpenrisiken durch starke Gewichtung einzelner Regionen oder Unternehmen, z. B. bei sogenannten Welt-ETFs mit hohem USA-Anteil
  • Keine aktive Auswahl einzelner Unternehmen möglich
  • Marktrisiken und entsprechende Schwankungen

Dennoch gilt: Investieren ist heute nicht mehr nur etwas für Wohlhabende, sondern für eine breite Bevölkerung zugänglich.

ETF Boom Schweiz: warum immer mehr Menschen investieren

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ETF-Sparpläne: Warum sie den Zugang verändern

Ein wesentlicher Treiber des aktuellen Wachstums sind ETF-Sparpläne.

In Europa wurden zuletzt über 15 Millionen ETF-Sparpläne monatlich ausgeführt. Das Wachstum dürfte sich weiter beschleunigen: Bis 2030 wird ein Anstieg von rund 255 % erwartet. (Quelle: extraetf.com)

Statt einmal zu investieren, setzen viele auf Regelmässigkeit.

Das hat mehrere Effekte:

  • Investieren wird planbar und regelmässig, zum Beispiel monatlich
  • Emotionen spielen eine kleinere Rolle
  • Einstiegshürden sinken deutlich

ETF-Sparpläne eignen sich besonders für Menschen, die einsteigen, langfristig anlegen wollen und eine einfache Struktur schätzen.

Die beliebtesten ETFs

Gemäss der Studie «Der ETF-Sparplan in Kontinentaleuropa 2025» gehören folgende Indizes zu den beliebtesten:

  1. MSCI World: rund 1’300 grosse und mittelgrosse Unternehmen aus 23 entwickelten Märkten
  2. S&P 500: 500 führende grosse US-Unternehmen, rund 80 % des US-Aktienmarkts
  3. MSCI Emerging Markets IMI: grosse, mittlere und kleine Unternehmen in 24 Schwellenländern, rund 99 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung
  4. MSCI ACWI: rund 3’000 grosse und mittelgrosse Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, rund 85 % der global investierbaren Aktienmärkte
  5. STOXX Europe 600: 600 grosse, mittlere und kleinere Unternehmen aus 17 europäischen Ländern, rund 90 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung

Bei der steigenden Beliebtheit stellt sich auch die Frage nach möglichen Klumpenrisiken. Dazu sagt Marco Strohmeier von Blackrock:

Wir machen uns keine Sorgen. Falls wir jemals an einen Punkt gelangen, an dem Indexzuflüsse die Aktienkurse beeinflussen, ergibt sich umso mehr eine Chance für aktives Management, Einzeltitel herauszunehmen. Darum ist das ein Gleichgewicht, das sich einpendelt. Zudem spielt der Anteil des gegenwärtigen ETF-Volumens noch eine sehr überschaubare Rolle im globalen Markt.
Marco Strohmeier, Leiter Wealth-Bereich Deutschschweiz, Blackrock

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Die Herausforderung: Auswahl statt Zugang

Der Zugang zum Investieren war noch nie so einfach.

Die Auswahl war noch nie so gross. Weltweit gibt es schätzungsweise rund 14'000 ETFs. In der Schweiz waren an der SIX per Ende 2025 über 2’000 ETFs gelistet. (Quelle Blackrock und SIX).

Diese Vielfalt ist Chance und Herausforderung zugleich: unterschiedliche Anbieter, unterschiedliche Strategien, viele Produkte, die ähnlich aussehen und sich doch unterschiedlich verhalten.

Gerade wenn du dein Portfolio selbst zusammenstellst, kann das schnell unübersichtlich werden.

5 Punkte für die Auswahl deines ETFs

Du brauchst keine komplexen Modelle, um passende ETFs zu finden. Wie Marco Strohmeier sagt:

Ein ETF sollte transparent, liquide, diversifiziert und kosteneffizient sein.
Marco Strohmeier, Leiter Wealth-Bereich Deutschschweiz, Blackrock

Hier sind fünf Punkte, auf die du achten solltest:

1. Der Index: Was steckt wirklich drin?

Ein ETF ist nur so gut wie der Index, den er abbildet.

Die entscheidende Frage ist: In was investierst du konkret? Ein breiter MSCI World ETF enthält viele Unternehmen aus Industrieländern. Ein S&P 500 ETF konzentriert sich auf die 500 grössten US-Unternehmen.

Beide sind breit diversifiziert, aber unterschiedlich aufgebaut.

Ein Blick ins Factsheet lohnt sich immer: Länder-, Branchen- und Sektorverteilung sowie die grössten Positionen. Kurzbeschriebe und Daten findest du auf Plattformen wie justetf.com, extraetf.com, swissfunddata.ch, bei Brokerplattformen oder bei Fintechs, die ETF-Portfolios automatisiert zusammenstellen.

2. Kosten: Klein, aber entscheidend

Die Total Expense Ratio (TER) zeigt dir, wie teuer ein ETF ist.

Unterschiede mögen klein wirken, machen langfristig aber eine grosse Differenz. In der Schweiz liegen breite Markt-ETFs oft zwischen 0,09% und 0,3%. Spezialisierte ETFs können zwischen 0,4% und 1% kosten.

3. Replikation und Gewinnverwendung

ETFs bilden Indizes unterschiedlich ab:

  • Physisch: Die enthaltenen Wertpapiere werden direkt gehalten
  • Synthetisch: Die Performance wird über Derivate nachgebildet

Beide Modelle haben ihre Berechtigung.

Ich persönlich bevorzuge physisch replizierende ETFs, weil sie die zugrunde liegenden Wertpapiere tatsächlich halten und damit transparent sind.

Auch bei der Gewinnverwendung gibt es Unterschiede:

  • Ausschüttende ETFs schütten, wie es der Name schon sagt, die Gewinne periodisch z. B. alle 3 Monate oder jährlich aus
  • Thesaurierende ETFs reinvestieren die Gewinne

Bei einigen ETFs kannst du auch wählen. Grundsätzlich sind für den Vermögensaufbau thesaurierende ETFs vorteilhafter.

4. Fondsgrösse und Liquidität

Grössere ETFs haben oft geringere Kosten, sind liquider und werden meistens häufiger gehandelt. Als Orientierung gilt oft ein Fondsvolumen von rund 100 Millionen.

Kleinere ETFs können dennoch sinnvoll sein, etwa bei neuen oder spezialisierten Strategien.

5. Anbieter: Erfahrung und Struktur

Grosse Anbieter bringen Erfahrung, Skaleneffekte, etablierte Strukturen. Zu den grössten ETF-Anbietern gehören unter anderem BlackRock mit Ishares, Vanguard, State Street, Invesco, in Europa Amundi, Xtrackers oder UBS.

Der ETF-Markt wird weiter wachsen. Neue Entwicklungen wie aktive ETFs oder spezialisierte Strategien werden das Angebot weiter erweitern.

Für dich bedeutet das: mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Verantwortung bei der Auswahl.

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Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbilder SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer...Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im Beobachter Verlag.
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Bild: Evelyn Harlacher
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