DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die kommunistische Regierung fürchtet, dass es bei einem Anstieg der Erwerbslosigkeit zu Unruhen komme.
Die kommunistische Regierung fürchtet, dass es bei einem Anstieg der Erwerbslosigkeit zu Unruhen komme.Bild: STRINGER/CHINA/REUTERS

Schwache Nachfrage: Chinas Aussenhandel bricht ein

China meldet bei Exporten und auch bei Einfuhren einen deutlichen Rückgang. Börsianer sehen die Führung in Peking am Zug. Doch die wollte sich eigentlich zurückhalten.
13.04.2015, 09:2013.04.2015, 10:05
Ein Artikel von
Spiegel Online

Experten hatten eigentlich mit guten Zahlen gerechnet. Im Februar hatte das Neujahrsfest – der wichtigste Feiertag in China – die Volksrepublik wirtschaftlich gebremst. Danach geht es in der Regel aufwärts. Doch nun weckt ein überraschend starker Rückgang des chinesischen Aussenhandels Sorgen über den Zustand der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt.

Die Ausfuhren fielen im März drastisch – um 14.6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Beobachter hatten mit einer Zunahme um mehr als zehn Prozent gerechnet. Auch die Einfuhren gingen um mehr als zwölf Prozent zurück, wie die Zollverwaltung in Peking berichtete. Damit sind die Importe so stark gesunken wie seit Mai 2009 nicht mehr, als die Weltwirtschaft mit der Finanzkrise kämpfte.

Unruhen befürchtet

Analysten sagten, die Exportstatistik sei ein Warnsignal für die weltweite Nachfrage und die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft. Die Entwicklung wird von der Führung in Peking mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt, weil eine Schwäche auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben könnte. Die kommunistische Regierung fürchtet, dass es bei einem Anstieg der Erwerbslosigkeit zu Unruhen kommen könnte. Der Arbeitsmarkt hat sich bislang aber überraschend stabil gezeigt.

Analysten verwiesen mit Blick auf den Rückgang der Export auch auf den Anstieg der Währung Yuan. Dadurch werden chinesische Produkte im Ausland teurer. Die Börsenkurse zeigten am Montag trotz der schlechten Nachrichten nach oben. Investoren setzen offenbar darauf, dass die Regierung das Wachstum bald ankurbeln wird.

Weltbank rechnet mit schwächerem Wachstum in China

Neue Stimulus-Massnahmen könnten die Regierung aber unter Druck bringen. Die USA haben China im Visier, weil sie dem Land eine künstliche Schwächung des Yuan vorwerfen.

Betrachtet man nicht nur den März, sondern die ersten drei Monate des Jahres, steht bei den Exporten ein Plus von 4.9 Prozent. Die Importe gingen von Januar bis März dagegen um 17.3 Prozent zurück. Der anhaltende Rückgang der Einfuhren deutet auf eine schwache heimische Nachfrage in China hin.

Jetzt auf

Nach 7.4 Prozent im Vorjahr soll die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um «rund sieben Prozent» wachsen – so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr. Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognosen für das Land und den gesamte Raum Ostasien/Pazifik leicht zurückgenommen – obwohl die Region vom niedrigeren Ölpreis und der Erholung in den Industrieländern profitiert.

Die Wirtschaftsleistung in China wird laut den aktuellsten Schätzungen in diesem Jahr um 7.1 Prozent zulegen, im kommenden Jahr um sieben Prozent und schliesslich 2017 nochmals schwächer um 6.9 Prozent.

Die nachlassende Wachstumskraft Chinas hängt mit den Bemühungen der Regierung zusammen, die Wirtschaft des Landes auf einen stabileren Weg hin zu mehr Investitionen zu führen, um weniger verwundbar zu sein und Überhitzungen zu vermeiden.

(mmq/reuters/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum die liberale Corona-Politik gegen «Zero Covid» siegt
Länder mit vergleichsweise lockeren Coronamassnahmen, insbesondere die Schweiz und Schweden, wurden anfänglich scharf kritisiert. Die Zero-Covid-Strategie à la China galt als Vorbild. Doch Omikron hat die Spielregeln im Systemwettbewerb verändert: Der Liberalismus scheint dem Autoritarismus überlegen zu sein.

Der Ursprung der Corona-Plage liegt in China, und trotzdem wirkte das Riesenland zu Beginn der Pandemie wie ein Sieger.

Zur Story