Wirtschaft
Digital

Twitter löst laut Berichten auch «Trust and Safety Councils» auf

Twitter löst Gremium auf, das gegen Ausbeutung von Kindern und Belästigung vorging

Unter Elon Musk ist das aus unabhängigen Fachleuten bestehende «Trust and Safety Council» aufgelöst worden.
13.12.2022, 09:3913.12.2022, 10:52

Twitter hat US-Medien zufolge ein Gremium aufgelöst, das den Kurznachrichtendienst im Umgang mit Hassbotschaften und anderen Problemen auf der Plattform beriet.

Mitglieder des sogenannten «Trust and Safety Council» sollten sich eigentlich am Montagabend mit Unternehmensvertretern treffen, wie etwa die Nachrichtenagentur AP und das «Wall Street Journal» berichteten. Kurz davor habe Twitter den Mitgliedern mitgeteilt, dass das Gremium aufgelöst werde.

Der «Trust and Safety Council» war «eine Gruppe unabhängiger Expertenorganisationen aus der ganzen Welt», wie Twitter auf seiner Webseite informierte.
Der «Trust and Safety Council» war «eine Gruppe unabhängiger Expertenorganisationen aus der ganzen Welt», wie Twitter auf seiner Webseite informierte.screenshot: about.twitter.com

Der Beirat war 2016 gegründet worden. Mitglieder waren Vertreter der Zivilgesellschaft, etwa von Menschenrechts- und Jugendschutzorganisationen. Ihre Aufgabe war es, das Unternehmen bei der Weiterentwicklung von Produkten und Regeln zu beraten.

Auf einer inzwischen gelöschten Twitter-Webseite hiess es, das Gremium aus externen Expertenorganisationen habe zu Themen wie Online-Sicherheit, Menschen- und digitale Rechte, Suizidprävention, psychische Gesundheit, sexuelle Ausbeutung von Kindern und Entmenschlichung beraten.

AP zitiert aus einer E-Mail, wonach Twitter nun prüft, wie «Aussenansichten» am besten eingebracht werden können. Der Beirat sei dafür nicht das richtige Mittel. Twitter werde aber schneller als bisher dafür sorgen, dass die Plattform informativ und sicher sei, hiess es in der Mail.

Seit der Twitter-Übernahme durch US-Milliardär Elon Musk in diesem Jahr war fraglich, was die Rolle des Beirates ist. Musk hatte davon gesprochen, ein neues Gremium zum Umgang mit kontroversen Inhalten bilden zu wollen. Es blieb aber immer unklar, wie die Aufgaben der beiden Gruppen abgegrenzt werden sollen.

Drei Mitglieder des Gremiums waren letzte Woche aus Protest zurückgetreten und schrieben in einer Erklärung, dass «entgegen den Behauptungen von Elon Musk die Sicherheit und das Wohlergehen der Twitter-User rückläufig» seien.

Früherer Sicherheitschef bedroht
Der frühere Sicherheits-Chef von Twitter, Yoel Roth, ist aus seinem Haus geflohen, weil die Drohungen aus einer Verleumdungskampagne von Elon Musk gegen ihn eskaliert sind. Dies sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber dem US-Fernsehsender CNN. Musk hatte ihn grundlos beschuldigt, mit Pädophilie zu sympathisieren – eine gängige Methode, die von Verschwörungsgläubigen genutzt wird, um Gegner online zu attackieren.

Roth war im November aus dem Social-Media-Unternehmen ausgeschieden. Nachdem Musk die sogenannten «Twitter Files» veröffentlichte – interne Twitter-Kommunikation zur Löschung umstrittener Inhalte – häuften sich Gewaltandrohungen gegen den IT-Fachmann.

Roths Position beinhaltete, dass er an heiklen Themen arbeitete, einschliesslich der Sperrung des Kontos des damaligen Präsidenten Donald Trump im Jahr 2021.

Quellen

(dsc/aeg)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die wichtigsten Begriffe zu Mastodon und dem Fediverse
1 / 16
Die wichtigsten Begriffe zu Mastodon und dem Fediverse
Vergiss Twitter! Diese Begriffe zur europäischen Social-Media-Alternative Mastodon bringen nicht nur Elon Musk ins Schwitzen ...
quelle: keystone / gregory bull
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Tech-Milliardär wird ausgebuht
Video: youtube
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
«KI ist keine unaufhaltsame Naturgewalt»: Führende Schweizer KI-Forscherin über Regulierung
Angela Müller gehört europaweit zu den wichtigsten Stimmen, die eine Regulierung von KI fordern. Im Interview mit watson erklärt sie, was es dafür braucht, warum es so lange dauert – und warum Ohnmacht ein schlechter Ratgeber ist.
Frau Müller, Sie weisen immer wieder auf die Machtfülle hin, die die grossen Techfirmen, die hinter KI-Anwendungen stehen, auf sich vereinen. Warum ist das ein Problem?
Angela Müller:
Google, Microsoft, Amazon, Meta und Co. sind mit grossem Abstand die reichsten Firmen der Welt. Sie bieten die Social-Media-Plattformen, Suchmaschinen, KI-Tools und Cloud- und Software-Infrastruktur, an denen es für die öffentliche Verwaltung, Schulen, Medien, Unternehmen und uns als Einzelpersonen praktisch kein Vorbeikommen mehr gibt. Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass wir erleben, dass Privatfirmen grosse Macht anhäufen. Aber die Kombination aus wirtschaftlicher, öffentlicher und politischer Macht ist einzigartig: Diese Firmen haben nicht nur Marktmacht, sondern auch eine grosse Meinungsmacht. Und das ist gruselig, wenn man bedenkt, welche offen demokratiefeindlichen Ideologien aus dem Silicon Valley zu vernehmen sind.
Zur Story