Warum der Goldpreis seit dem Iran-Krieg einbricht
Diese Regel ist sogar Wirtschaftslaien ein Begriff: Gibt es eine Krise, steigt der Goldpreis an. Das liegt am Sicherheitscharakter, den Edelmetalle an den Märkten traditionell aufweisen. Gold und Silber bieten Anlegerinnen und Anlegern eine Art Absicherung gegen Verluste, da sie einen sogenannten intrinsischen Wert haben: Im Gegensatz zu Aktien oder Währungen sind Edelmetalle ein physisches Gut, das deshalb auch eine begrenzte Ressource ist, die nicht künstlich vermehrt werden kann.
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs vor drei Wochen hat Gold nun aber fast 14 Prozent seines Werts verloren. Ende Februar lag der Goldpreis bei über 5200 US-Dollar per Feinunze, am Freitag (20. März) näherte er sich der 4500-Dollar-Grenze. Die vergangene Woche (fast minus elf Prozent) war gar die schlechteste Woche für Gold seit 1983, wie CNN berichtet.
Dass Gold so hohe Verluste erleidet, während die Wirtschaft durch den Iran-Krieg und die Öl-Krise leidet, wirkt paradox. Der Umstand kann aber mit vier Gründen erklärt werden.
Gold-Hype ist vorbei
Zunächst muss beachtet werden, dass der Preis für Gold (ebenso wie für Silber) in den Wochen und Monaten vor dem Iran-Krieg historische Höchststände erreicht hatte. Nie zuvor lag der Goldpreis auch nur in der Nähe von 5000 US-Dollar pro Feinunze. Das Edelmetall legte im Jahr 2025 um 64 Prozent zu und verzeichnete sein bestes Jahr seit 1979.
Die Gründe für die Begeisterung für Gold waren vielfältig: Angst vor persistenter Inflation, grosse Verluste beim Dollar, schwerwiegende geopolitische Spannungen und der Fakt, dass viele Zentralbanken massiv in Gold investierten.
Zudem wollten Trader und Spekulantinnen den Hype nicht verpassen und investierten ebenfalls in grossen Mengen. Einige Experten waren daher der Meinung, dass Gold zuletzt fast weniger einen Sicherheits- als vielmehr einen Spekulationscharakter aufwies.
Nun scheint der Gold-Hype abrupt vorbei – zumindest für den Moment. Die Verluste stellen daher bis zu einem gewissen Grad auch eine Korrektur gegenüber den enormen Höchstständen dar.
Stagnierende Zinsen
Aber was hat den Hype-Stopp ausgelöst? Hauptgrund waren wohl die Signale, die von den Zentralbanken ausgesendet wurden. Diese Woche standen gleich mehrere Leitzinsentscheide an. Während es zuvor einen Trend zu sinkenden Leitzinsen gab, haben die Effekte, die der Iran-Krieg auslöste, eine Trendumkehr bewirkt: Sowohl die US-amerikanische Zentralbank, das Fed, als auch die Europäische Zentralbank (EZB) und auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) nahmen keinen weiteren Zinsschritt vor. Es werden im Gegenteil jetzt eher wieder steigende Zinsen erwartet.
Der hohe Ölpreis schürt Inflationsängste, und diese sind nicht unbegründet. Da Öl und Gas noch immer Grundbedarfsgüter sind, ziehen deren hohe Preise in der Regel auch die Preise für viele andere Güter in die Höhe. Weil niedrige Zinsen eher inflationstreibend wirken, haben die Zentralbanken nun auf weitere Zinsschritte gegen unten verzichtet.
Gold profitiert aber in der Regel von niedrigen Zinsen: Da tiefe Zinsen weniger Gewinn bei vergleichsweise sicheren Investitionen abwerfen, wird Gold im Vergleich attraktiver. Umgekehrt erklärt: Hohe Zinsen versprechen höhere Gewinne – auf anderen sicheren Anlagen wie beispielsweise auf Staatsanleihen –, was Gold verhältnismässig unattraktiv macht.
Staatsanleihen gelten in den meisten Fällen als sichere Anlagen. Steigen die Leitzinsen eines Landes, werden dessen Staatsanleihen attraktiver, da sie mehr Zins abwerfen.
Mehr Cash benötigt
Viele Investorinnen und Anleger scheinen derzeit aber auch Gold zu verkaufen, weil sie das Geld wieder benötigen. Die Situation an den Finanz- und Rohstoffmärkten ist aufgrund des Iran-Kriegs angespannt. Investoren – möglicherweise gerade solche aus dem Nahen Osten – könnten allfällige Verluste an den Börsen oder ausstehende Forderungen daher durch Gold-Verkäufe decken.
US-Dollar wieder etwas stärker
Sowohl Gold als auch stabile Währungen wie der Schweizer Franken oder der US-Dollar gelten als Sicherer-Hafen-Anlage: Sie sind aufgrund ihrer Stabilität begehrt, wenn es anderswo zu rumpeln beginnt.
Nun schien aber gerade der US-Dollar dieses Prädikat zunehmend zu verlieren: An der Sicherheit von Investitionen in den Dollar und in die US-Wirtschaft wurde aufgrund des enormen Schuldenbergs des Landes, aber auch der Unberechenbarkeit von Trumps Aussenpolitik zunehmend gezweifelt.
Die entsprechende Schwäche des Dollars war auch ein Grund, weshalb Gold als «Sicherer Hafen» noch beliebter wurde.
Diese Entwicklung hat sich seit dem Iran-Krieg etwas gedreht: Der Dollar hat sich zuletzt wieder etwas gefangen. Der Dollar-Index (er misst die Stärke des Dollars gegenüber einem Warenkorb von sechs wichtigen Währungen) ist seit Beginn des Iran-Kriegs um fast zwei Prozent gestiegen und hat damit seinen monatelangen Abwärtstrend gestoppt.
Die Erholung des Dollars könnte die Attraktivität von Gold schmälern: einerseits, weil der Dollar wieder eine Alternative als sichere Anlage bietet. Andererseits verteuert ein starker Dollar auch den Goldkauf: Ausländische Investoren müssen für Gold aus den USA dadurch mehr zahlen.
Keine definitive Absage an Gold
Auch wenn Gold derzeit grosse Verluste erleidet, sind sich Experten und Analystinnen einig, dass das Edelmetall in der mittleren Frist seinen hohen Preis behalten wird. So meinte eine Analystin gegenüber dem Wall Street Journal: «Sollte dieser Konflikt nicht zu einem anhaltenden risiko-scheuen Klima in Verbindung mit einer weiteren Aufwertung des Dollars führen, könnten Anleger, die das Gefühl hatten, den ‹Hype› verpasst zu haben, diesen Rückgang als Gelegenheit zum Einstieg betrachten.»
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