Wirtschaft
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A man uses an ATM of a bank after the government's decision last week to limit daily cash withdrawals to 60 euro ($66) in Athens, Tuesday, July 7, 2015. Greek Prime Minister Alexis Tsipras was heading Tuesday to Brussels for an emergency meeting of eurozone leaders, where he will try to use a resounding referendum victory to eke out concessions from European creditors over a bailout for the crisis-ridden country. (AP Photo/Petr David Josek)

60 Euro pro Tag können die Griechen abheben. Der finanzielle und wirtschaftliche Kollaps droht. Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Der lange Weg zur Normalität: Griechenland will die Banken ab heute schrittweise wieder öffnen

Die griechische Regierung will heute über eine mögliche Öffnung der Banken entscheiden, um «die Lage zu normalisieren». Am Sonntag treffen sich die EU-Staaten zu einem Sondergipfel, bis dahin soll Griechenland Reformvorschläge gemacht haben, ansonsten droht der Grexit.



Das Dekret, das die Einschränkungen für den Kapitalverkehr verordnete, läuft heute Abend aus. Die Nachfolgeregelung solle «eine grössere Zahl an Dienstleistungen» in einer beschränkten Zahl geöffneter Banken ermöglichen, sagte der stellvertretende Finanzminister Dimitris Mardas am Dienstag. 

«Das Ziel ist, schrittweise alle Banken wieder zu öffnen, sodass die Lage sich normalisiert», sagte Mardas dem griechischen Staatssender ERT. Einen Zeitplan dafür nannte er nicht. Das Vorgehen sei abhängig von Vorschlägen der griechischen Zentralbank, der griechischen Bankenunion und den «Marktkonditionen».

Pensioners wait outside a branch of the National Bank to receive part of their pension in Athens, Greece, July 7, 2015. Greece faces a last chance to stay in the euro zone on Tuesday when Prime Minister Alexis Tsipras puts proposals to an emergency euro zone summit after Greek voters resoundingly rejected the austerity terms of a defunct bailout. REUTERS/Yannis Behrakis

Pensionäre warten vor einer griechischen Bank in Athen. Bild: YANNIS BEHRAKIS/REUTERS

In Griechenland gelten seit Montag vergangener Woche Kapitalverkehrskontrollen, alle Banken sind grundsätzlich geschlossen – ausser für Rentner, die keine Bankkarten für Geldautomaten haben. Sie dürfen am Schalter maximal 120 Euro abheben. Die Griechen dürfen am Geldautomaten jeweils nur 60 Euro abheben. Es droht der finanzielle und wirtschaftliche Kollaps. Dies könnte auch zu einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone führen.

«Nicht in der Lage, noch längere Kapitalverkehrskontrollen zu überleben»

Mardas räumte ein, dass die Einschränkungen der Wirtschaft Probleme bereiten. Er hoffe, dass das Nachfolgedekret dafür Lösungen finde. Die für kommenden Montag geplante Auszahlung von Beamtengehältern werde wohl «normal» ablaufen, weil der griechische Staat in jüngster Zeit überraschend viele Steuern eingenommen habe.

epa04611731 Greek Deputy Finance Minister Dimitris Mardas delivers a speech during the policy statements of the new Greek government at the parliament in Athens, Greece, 09 February 2015. The debate will be concluded late on 10 February with deputies being asked to give a vote of confidence to the government of Greek Prime Minister Alexis Tsipras.  EPA/SIMELA PANTZARTZI

Dimitris Mardas. Bild: EPA/ANA-MPA

«Wirtschaft ohne Banken kann nicht funktionieren.»

Giorgos Katrougalos, Minister für den öffentlichen Dienst

Der Minister für den öffentlichen Dienst, Giorgos Katrougalos, sagte derweil in einem Interview mit dem Radiosender 9.84, dass eine Öffnung der griechischen Banken in dieser Woche «zweifellos technisch nicht machbar» sei. Um die Probleme zu beheben, müsse Griechenland eine Einigung mit seinen internationalen Gläubigern erzielen. Eine «Wirtschaft ohne Banken kann nicht funktionieren», warnte Katrougalos.

Der griechische Arbeitgeberverband schrieb am Dienstag an die europäischen Staats- und Regierungschefs, die griechische Wirtschaft sei «nicht in der Lage, noch längere Kapitalverkehrskontrollen bei den Banken zu überleben». Die EU müsse daher schnellstmöglich «die Liquidität der griechischen Banken im Rahmen einer umfassenden Einigung wiederherstellen».

Sondergipfel am Sonntag

Athen setzt auf neue Hilfen des Euro-Rettungsfonds ESM. Die Eurozone gab Athen bei ihrem Sondergipfel am Dienstagabend in Brüssel eine letzte Chance, Vorschläge für eine Einigung vorzulegen. Die 28 EU-Staaten werden am Sonntag bei einem Sondergipfel über die Griechenland-Krise beraten. 

Die 28 EU-Staaten werden am Sonntag bei einem Sondergipfel über die Griechenland-Krise beraten. Das kündigte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel Dienstagnacht nach Abschluss des Euro-Gipfels in Brüssel an. Das Spitzentreffen endete nach knapp vier Stunden. Die Europartner pochten auf glaubwürdige Reformen als Gegenleistung für neue Hilfsmilliarden und erhöhen den Druck auf den griechischen Premier Alexis Tsipras. 

epa04836109 European Commission President Jean-Claude Juncker gives a final news conference at the end of a Eurozone summit, at the European Council headquarters, in Brussels, Belgium, 07 July 2015. The final deadline to reach agreement on a new bailout for Greece 'ends this week,' says European Council President Donald Tusk, adding that there are five days left to find an 'ultimate agreement.'  EPA/OLIVIER HOSLET

Jean-Claude Juncker. Bild: OLIVIER HOSLET/EPA/KEYSTONE

«Wir haben ein detailliertes Grexit-Szenario.»

Jean-Claude Juncker

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte nach dem Sondertreffen an: «Wir haben ein detailliertes Grexit-Szenario.» Er sei zwar absolut dagegen, dass Griechenland die Euro-Zone verlasse. Wenn Griechenland aber nicht das tue, worum es gebeten worden sei, dann könne er das nicht verhindern. 

Für einen Kompromiss im Griechenland-Streit bleiben nach den Worten von EU-Gipfelchef Donald Tusk nur noch fünf Tage Zeit. «Die endgültige Frist endet diese Woche», sagte Tusk nach Gipfelberatungen. 

Die Finanzminister der Euro-Zone sollen dann EU-Vertretern zufolge am Samstag über die griechischen Reformvorschläge beraten. Nur die Minister können den Startschuss geben, das Verfahren für ESM-Hilfen einzuleiten. «Wir haben sehr wenig Zeit», bilanzierte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. «All das muss innerhalb von einigen Tagen gemacht werden.» (dwi/sda/afp)

Sprayen gegen die Krise: Athener malen ihren Frust an die Wand

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