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Krieg gegen den Iran schürt Ängste vor Energie-Schock und Inflation

Ölpreise dürften steigen: Krieg gegen den Iran schürt Ängste vor Energieschock

01.03.2026, 16:2501.03.2026, 16:25

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran sowie dessen Vergeltungsschläge haben die Risiken für Energieversorgung, Inflation und Wachstum weltweit deutlich erhöht. Analysten erwarten bei einer Eskalation einen starken Anstieg der Ölpreise bis in den Bereich von 100 bis 120 Dollar je Barrel. Die Folgen könnten auch Autofahrer an den Zapfsäulen treffen.

epa12787003 A vessel is seen anchoring off the coast of Dubai, United Arab Emirates, 01 March 2026. Following a joint Israel-US military operation targeting multiple locations across Iran in the early ...
Die Sperrung der Strasse von Hormus, durch die täglich Hunderte von Öltankern fahren, könnte Auswirkungen auf den weltweiten Handel haben. Bild: keystone

Die Ölpreise dürften zum Wochenstart kräftig steigen, dies obschon das Ölproduzentenbündnis Opec+ am Sonntag eine stärker als erwartete Fördererhöhung beschlossen hat. Acht Kernländer des Kartells wollen ihre Produktion im April um 206'000 Barrel pro Tag ausweiten, teilte die Organisation am Sonntag mit. Die Massnahme übertrifft die zuvor erwarteten 137'000 Barrel, gilt aber unter Experten als unzureichend, um kriegsbedingte Lieferausfälle auszugleichen.

Entscheidend bleibt die Lage in der Meerenge von Hormus. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Über die Schifffahrtsroute, die seit der Antike zu den wichtigsten der Welt gehört, wird rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handels abgewickelt.

Der Iran hat der EU zufolge eine faktische Schliessung der Meerenge angekündigt. Selbst partielle Störungen könnten laut Marktanalysten effektiv 8 bis 10 Millionen Barrel tägliches Angebot vom Markt nehmen und so die Preise massiv treiben.

Ölmarkt unter Schockrisiko

Bereits vor Kriegsbeginn waren die Ölpreise am Freitag angesichts der steigenden Spannungen deutlich gestiegen und hatten zum Handelsschluss in den USA um fast 3 Prozent zugelegt. Der Preis für ein Barrel der Nordseeölsorte Brent stieg auf 72,48 Dollar – den höchsten Stand seit Juli.

Bei einer längeren regionalen Eskalation halten Analysten Preise von über 120 Dollar für möglich – ein Niveau wie zuletzt in frühen Phasen des Ukrainekriegs. Logistik- und Transportrisiken würden derzeit stärker wirken als Produktionsentscheidungen, heisst es bei Rystad Energy.

Die Opec+ dürfte zwar weitere Fördererhöhungen prüfen und trifft sich dazu am 5. April erneut. Allerdings verfügen faktisch nur Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie begrenzt Kuwait und Irak über freie Kapazitäten – und auch diese Exporte hängen stark vom sicheren Transit durch Hormus ab.

Inflations- und Wachstumseffekte drohen

Ein längerfristiger Ölpreissprung Richtung 100 Dollar würde laut Commerzbank die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wachstum um einige Zehntel dämpfen. Kurzfristig könnten die Folgen aber begrenzt bleiben, falls der Krieg ähnlich kurz ausfällt wie frühere Nahostkonflikte.

Neben Öl sind auch der Gas- und Flüssiggashandel betroffen: Rund 20 Prozent des weltweiten Flüssiggases – vor allem aus Katar – passieren die Strasse von Hormus.

Versicherer erhöhen bereits Kriegsrisikoprämien für Schiffe teils um etwa 50 Prozent, was das effektive Energieangebot zusätzlich verknappt, wie es in einem Kommentar von Seiten des US-Vermögensverwalters Franklin Templeton hiess.

Breitere Marktfolgen

An den Finanzmärkten dürfte zunächst eine Neubewertung geopolitischer Risiken dominieren: Staatsanleihen profitieren typischerweise, Aktien geraten unter Druck, während Gold oder auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen gesucht sein könnten. Energie-, Rüstungs- sowie Schifffahrts- und Versicherungswerte zählen dagegen zu den potenziellen Gewinnern.

Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt laut Ökonomen, ob die militärische Eskalation auf Energie- und Logistikströme übergreift. Eine nachhaltige Störung zentraler Transportwege im Golf würde den Konflikt von einem regionalen Krieg zu einem globalen Energieschock ausweiten. (hkl/sda/awp/afp)

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Enzasa
01.03.2026 16:48registriert August 2016
Frau Reiche hat sich so für das Gas eingesetzt, und trotzdem die Speicher nicht gefüllt.
Vielleicht dämmert es der einen oder anderen Person nun doch, dass Solar und Windenergie unabhängiger machen. Nur ein breiter Energiemix garantiert Sicherheit.
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Fondue
01.03.2026 17:15registriert Januar 2015
Aber die ewig gestrigen halten immer noch an Benzin und Gas fest. Und lassen sich lieber Erpressen als was Zukunftsorientiertes umzusetzen.

Wir währen schon viel unabhängiger, wenn da die Konservative Garde nicht immer blocken würde, siehe die Nördlichen Länder. Es funktioniert.
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