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Wird bereits mit Robespierre verglichen: Ted Cruz.<br data-editable="remove">
Wird bereits mit Robespierre verglichen: Ted Cruz.
Bild: CHRIS KEANE/REUTERS

Die wirklich gefährliche Revolution findet in den USA statt – und Ted Cruz ist ihr «Robespierre»

Die Republikaner sind im Begriff, einen rechtsradikalen Umbruch in den Vereinigten Staaten einzuleiten. Als Sieger könnte der «Robespierre» der amerikanischen Politik hervorgehen, der texanische Senator Ted Cruz.
12.10.2015, 13:4913.10.2015, 18:33

Eine alte und bewährte Formel der US-Politik in Wahlkampfzeiten lautet: «Democrats fall in love, Republicans fall in line». Übersetzen lässt sich das ungefähr wie folgt: Die Demokraten verlieben sich in einen charismatischen Kandidaten. Die Republikaner hingegen hören letztlich auf die Vernunft und heben einen Gemässigten auf den Schild.  

Drei Exoten führen das Feld an

In der jüngsten Zeit hat sich diese Formel stets bestätigt. Ob Bob Dole, George W. Bush, John McCain oder Mitt Romney: Alle republikanischen Anwärter für das Präsidentenamt gehörten zum gemässigten Flügel der Grand Old Party (GOP). (Ja auch George W. Er war nur nicht besonders intelligent.)

Wird wohl über ihre Vergangenheit bei HP stolpern: Carly Fiorina.<br data-editable="remove">
Wird wohl über ihre Vergangenheit bei HP stolpern: Carly Fiorina.
Bild: MARY SCHWALM/REUTERS

Diesmal jedoch könnte alles anders werden. Derzeit liegen in den Meinungsumfragen drei schräge Vögel an der Spitze: Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina. Alle drei haben ihre Anhänger im radikalen Lager: Trump bei den frustrierten weissen Männern, Carson bei den fundamentalistischen Evangelikalen und Fiorina bei der Tea Party.

«Jeder Kopf eines gemässigten Republikaners ist ein Sieg. Enthauptungen können von Abgeordneten oder Aktivisten durchgeführt werden. Jeder Republikaner muss damit rechnen, bei den Vorwahlen abgesetzt zu werden.»
Edward Luce, «Financial Times»

Okay, wird man einwenden, vor vier Jahren war dies nicht anders. Damals gab es eine Michele Bachmann, einen Herman Cain und einen Rick Santorum. Alle hatten ihre Viertelstunde des Ruhms, um danach brutal abzustürzen. Das gleiche Schicksal erwarte auch Trump, Carson und Fiorina, lautet die gängige Meinung der Polit-Experten.

Diesmal ist es wirklich anders

Wahrscheinlich werden sie Recht bekommen. Ben Carson hat sich mit mehr als ungeschickten Äusserungen zum Massaker in Oregon und den Juden und Hitler bereits selbst ins Knie geschossen. Fiorina wird wohl von ihrer unterirdischen Leistung an der Spitze von Hewlett Packard eingeholt werden, und Trump ist – wie es im Englischen so treffend heisst – ein Unfall, der darauf wartet, irgendwann einzutreten.

Bereits tödlich angeschlagen? Der gemässigte Favorit der Republikaner, Jeb Bush.<br data-editable="remove">
Bereits tödlich angeschlagen? Der gemässigte Favorit der Republikaner, Jeb Bush.
Bild: CRISTOBAL HERRERA/EPA/KEYSTONE

Und trotzdem ist die Situation anders als vor vier Jahren. Dem wilden Trio ist es bereits gelungen, grossen Flurschaden anzurichten. Zwei Kandidaten – Rick Perry und Scott Walker – haben das Handtuch geworfen. Der Favorit der Gemässigten, Jeb Bush, ist arg angeschlagen, viele vermuten sogar tödlich. Der andere Hoffnungsträger aus Florida, Senator Marco Rubio, ist ebenfalls mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden.

Lieber Vegetarierer als Speaker

In der GOP herrscht derzeit offene Rebellion. Das zeigt sich derzeit weniger bei den Präsidentschaftsanwärtern als in der Frage, wer den zurückgetretenen Parlamentspräsidenten John Boehner ersetzen soll. Das Amt des Speakers ist sehr einflussreich, er kann die Traktandenliste des Abgeordnetenhauses bestimmen. Der sehr konservative Boehner wurde von den immer mächtiger werdenden Tea Party-Jünger aus dem Amt vertrieben, weil er in ihren Augen zu viele Konzessionen an den Leibhaftigen, Präsident Barack Obama, gemacht hatte.  

Aus dem Amt gemobbt: John Boehner.<br data-editable="remove">
Aus dem Amt gemobbt: John Boehner.
Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

Auch Boehners vermeintlicher Nachfolger, der noch konservativere Kevin McCarthy, hat sich aus dem Rennen zurückgezogen. Ihm wurde klar, dass er ebenfalls unter die Räder der Wilden geraten würde. Andere Kandidaten sagten reihenweise ab. «Lieber werde ich Vegetarier», erklärte beispielsweise Mac Thornberry, ein möglicher Kandidat.

Eine französische Revolution der reaktionären Art

Was sich derzeit im amerikanischen Abgeordnetenhaus abspielt, wird mit der französischen Revolution verglichen, allerdings einer konservativ-libertären Revolution der übelsten Art. Der Drahtzieher hinter dieser Revolution ist Ted Cruz, Senator aus Texas. Er gilt als moderner Robespierre. So hiess der blutrünstige Anführer der französischen Revolution.

Eine 3D-Rekonstruktion des Kopfes vom Robespierre, dem blutrünstigen Anführer der französischen Revolution.<br data-editable="remove">
Eine 3D-Rekonstruktion des Kopfes vom Robespierre, dem blutrünstigen Anführer der französischen Revolution.
Bild: AP VisualForensic, Philippe Froesch, Batabat

So schreibt beispielswiese Edward Luce in der «Financial Times»: «Jeder Kopf (eines gemässigten Republikaners, Anm. d. Red.) ist ein Sieg. Enthauptungen können von Abgeordneten oder Aktivisten durchgeführt werden. Jeder Republikaner muss damit rechnen, bei den Vorwahlen abgesetzt zu werden.» Wie in der französischen Revolution muss der Baum der Freiheit mit Blut aufgefrischt werden – zumindest symbolisch.

Ted Cruz hat einen Plan und mächtige Verbündete

Ted Cruz ist kein Spinner und auch kein Grossmaul. Er ist hochintelligent, hat in Harvard Jurisprudenz studiert und ist ein ausgezeichneter Redner. Und er hat einen Plan. Zusammen mit anderen Aktivisten, beispielsweise dem sehr einflussreichen Anti-Steuer-Aktivisten Grover Norquist, will er gezielt den US-Kongress destabilisieren, um sich dann zum richtigen Zeitpunkt in Position zu bringen.

Grover Norquist: Anti-Steuer-Aktivist und Darth Vader der US-Politik.<br data-editable="remove">
Grover Norquist: Anti-Steuer-Aktivist und Darth Vader der US-Politik.
Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

Ein nicht genannt sein wollender Stratege der Republikaner erklärt dies in der «New York Times» wie folgt: «Cruz hat sich perfekt so positioniert, dass er den Platz einnehmen kann, den Trump und Carson hinterlassen werden. Er hat einen klaren Weg, wie er die Nomination gewinnen will – und das macht mir wirklich Angst.»  

Ein US-Präsident Ted Cruz ist zwar vorläufig noch wenig wahrscheinlich, aber denkbar geworden, zumal die Demokraten einmal mehr im Begriff sind, sich zu verlieben und den Sozialisten Bernie Sanders zum Widersacher von Hillary Clinton aufzubauen. Ted «Robespierre» Cruz wird das bestimmt mit Wohlgefallen beobachten.

Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

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Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl
quelle: x00157 / kevin lamarque
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