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MoneyTalks

Wie du deiner Anlage mit «Gender-Smart» einen Boost geben kannst

Was ist «Gender-Smart-Investing»? Und welchen Beitrag kann es für Gesellschaft und Umwelt leisten? Was du darüber wissen solltest und wie du es nutzen kannst.
17.03.2022, 14:0318.03.2022, 11:20
Olga Miler
Olga Miler
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Letzte Woche war Weltfrauentag, ein Tag, der für nicht nur für mehr Gleichstellung steht, sondern auch für Solidarität, Chancengleichheit und Vielfalt. Dieses Jahr war das Thema #breakthebias und wie schon so oft zeigt der Weltfrauentag beides: Fortschritt, aber auch, dass es immer noch sehr viel zu tun gibt.

Fortschritt bei Unternehmen ist langsam

Auf der politischen Ebene sind in der Schweiz jetzt 42% Frauen im Nationalrat vertreten und immer mehr Frauen sind besser ausgebildet. So sind z.B. gemäss BFS über die Hälfte (52%) der Hochschulstudierenden weiblich.

Gemäss dem Advance Gender Intelligence Report 2021 gibt es aber immer noch vor allem in den Unternehmen Handlungsbedarf: So sind z.B. 83% aller Top-Manager männlich, fast 8 von 10 Top-Stellen werden mit Männern besetzt und ungefähr 54’000 gut ausgebildete Frauen mit Hochschulabschluss bringen ihre Fähigkeiten aufgrund von Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht auf dem Arbeitsmarkt ein. Eine gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Chance, die uns alle angeht – ökonomisch könnte gemäss dem Council of Foreign Affairs Gleichstellung und -beteiligung am Arbeitsmarkt für uns einen Zuwachs von über 26% oder 206 Milliarden US-Dollar bedeuten.

Mehr Diversität könnte auch einen Beitrag zum Klima leisten

Was mir beim Report von Advance eindrücklich geblieben ist, ist, dass sich über die Hälfte (52%) der befragten Unternehmen im Stadium «we commit» befinden – was so viel wie «wir befassen uns damit, mehr Diversität in unserem Top Management zu erreichen» bedeutet und nur 1% im Stadium «we advance», dem Stadium, in dem die Geschlechterverteilung im Unternehmen über alle hierarchischen Ebenen eher einem Zylinder ähnelt als einer Pyramide und die Firma mindestens 30% Frauen im Top-Management-Team hat. Die Hauptgründe dafür, sind vor allem struktureller Natur, so fordert «we advance» u. a. neutralere Rekrutierungskriterien, strategische Verankerung in den Unternehmenszielen und Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Mehr Diversität wäre auch im Interesse der Unternehmen. In zahlreichen Studien wurde dargelegt, dass diverse Unternehmen nicht nur die Chance auf mehr Innovationskraft und stärkeres Wachstum haben, sondern auch auf besseres Risikomanagement.

Eine im Rahmen der COP 26 publizierte Studie von Oliver Wyman geht sogar einen Schritt weiter und hat sich die Verbindung zwischen Diversity und den oft propagierten Zielen zum Umweltschutz mit 20 Unternehmen angeschaut und ist zum Schluss gekommen, dass eine grössere Repräsentation von Frauen auch zur Erreichung der CO2-Ziele des Unternehmens beitragen kann, da Frauen sich für Umweltthemen nicht nur einsetzen, sondern als Konsumentinnen auch nach Nachhaltigkeit fragen – 75% Frauen (vs. 64%) schliessen Nachhaltigkeit bei Kaufentscheiden ein.

Welchen Beitrag kannst du mit «Gender-Smart-Investing» leisten?

Unser Geld setzt Zeichen, wenn wir es ausgeben, aber auch wenn wir es anlegen. Ähnlich wie bei den nachhaltigen Anlagen kannst du mit Gender-Smart-Investing bewusst ein Zeichen für mehr Diversität, Toleranz und Gleichstellung setzen.

Dazu suchst und investierst du bewusst in Firmen, welche sich nachhaltig für Themen wie Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, Lohngleichheit oder Diversität einsetzen. Dies können unterschiedliche Kriterien sein, z.B. von Equileap, welche vier Kategorien unterscheidet: Ausgewogenheit der Geschlechter in Führung und Belegschaft, gleiche Vergütung & Work-Life-Balance, Geschäftspolitik zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter, Verpflichtung zu Transparenz und Rechenschaftspflicht.

Nachschauen kannst du solche Firmen z.B. im jährlichen Equileap Global Gender Equality Leader & Ranking Report oder im Bloomberg Gender Diverity Index. Ernüchternd ist, dass im Equileap Report 2022 unter den Top 100 Equality Leaders gerade mal ein Unternehmen aus der Schweiz auftaucht – Novartis auf Platz 67.

Wem es zu mühsam ist, Firmen einzeln abzusuchen, der kann auch ein Finanzprodukt wählen, welches Gender Equality zum Thema hat. Mittlerweile gibt es eine Reihe von verschiedenen Produkten von ETF bis Zertifikaten.

Da viele dieser Produkte eine Konzentration auf Länder oder eher ein kleines Universum an Firmen aufweisen, eignen sie sich heute vor allem als Zusatz zu anderen Anlagen. Bis du ein ganzes Portfolio nur mit gender-smarten Kriterien zusammenstellen kannst, wird es noch mehr Daten und Produktentwicklung brauchen.

Dass es bei dieser Form der Anlage nicht nur um Werthaltung geht, sondern auch um die Chance auf eine höhere Rendite, zeigt als Beispiel die Performance eines ETF, den ich angeschaut habe: Dieser hat in der USD-Tranche in etwas mehr als 3 Jahren +39% gemacht (Stand 11. März 2022).

Gender-Smart-Investing gibt es als Nische schon seit über 10 Jahren. Jetzt nimmt diese Anlageform an Popularität zu. Gemäss Project Sage 3.0 sind alleine zwischen 2019 und 2020 58% mehr Fonds hinzugekommen. Auch die Schweiz hat seit letztem Jahr eine eigene Initiative – Gender Lens Investing Initiative for Switzerland (GLIS) – welche sich für mehr Wissen, Transparenz und Einbindung von entsprechenden Kriterien bei der Erstellung von Finanzprodukten einsetzt.

Wohin die Reise geht, bleibt weiterhin spannend. Was denkt ihr über Gender-Smart-Investing? Zukunftsträchtig oder doch nur eine Modeerscheinung? Und würdest du dein Geld als Zeichen für mehr Gleichstellung anlegen? Oder machst du es heute schon?

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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quelle: schweizerisches nationalmuseum / asl
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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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luca.affolter
17.03.2022 14:36registriert November 2017
Für mich eine absolute Modeerscheinung. Ich investiere doch nicht Geld weil das Top Management weiblich oder männlich ist. Wenn ein Fonds dies als Investitionskriterium hat würde ich nie Geld investieren. Ich möchte einfach das Bestmögliche Management und wenn das 100% Frauen sind tiptop, wenn's aber 100% Männer sind auch tiptop. Ich verstehe nicht wieso es relevant sein sollte welches Geschlecht jemand hat. Als Investor erwarte ich vom Management kluge Entscheidungen nicht mehr und nicht weniger.
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Müller Lukas
17.03.2022 16:37registriert August 2020
Absolut unseriöser Artikel.
Ja, natürlich gibt es Gender-ETF, die in den letzten Jahren besser abgeschnitten als der Benchmark. ABER: Es gibt natürlich auch mindestens ebenso viele, die (teilweise DEUTLICH!) schlechter abgeschnitten haben als der Gesamtmarkt. Man denke nur schon an den Fonds von Patrizia Laeri...
Alles in allem gesehen die reinste Bauernfängerei - oder sollte man sagen, "Bäuerinnenfängerei"?😄
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rolf.iller
17.03.2022 18:27registriert Juli 2014
Nur weil man Smart dahinter schreibt wirds nicht besser!
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