Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

bild: watson / shutterstock

Frauen und Geld

Wie du Gleichberechtigung mit deiner Finanzanlage unterstützen kannst

Anlagen in Firmen, welche Vielfalt und Gleichberechtigung aktiv leben und fördern, nehmen zu. Nur ein Hype, oder eine gute Möglichkeit? Wie funktionieren solche Anlagen und was du darüber wissen solltest.

Olga Miler
Olga Miler



Am 8. März war Weltfrauentag – seit über einem Jahrhundert dient dieser Tag als Aufruf, um die Stellung von Frauen in der Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken und sich für eine gleichberechtigte Welt einzusetzen.

«Es ist 2020, braucht es Aktionen wie den Weltfrauentag überhaupt noch?» – «Ja, für ca. 99,5 Jahre»

Gemäss dem Word Economic Forum Gender Gap Report wird es noch so lange dauern, bis wir in einer wirklich gleichberechtigten Welt leben werden.

Gleichberechtigung – ein paar Fakten:

Obwohl wir Fortschritte erzielen, gibt es noch viel zu tun:

Nur ca. ein Viertel aller Sitze in Parlamenten werden von Frauen gehalten.

Im Juni 2019 hatten 33 der Fortune 500 Unternehmen (die 500 grössten US-Unternehmen) eine Frau als CEO – das sind lediglich 6,6%.

Mehr Mädchen (15 Millionen) als Jungen (10 Millionen) im Grundschulalter gehen nicht zur Schule.

30% der weltweiten Forscher sind Frauen – aber bereits im Alter von 6 Jahren betrachten Mädchen Jungen eher für «wirklich, wirklich kluge» Tätigkeiten geeignet als ihr eigenes Geschlecht.

Jedes 5. Mädchen wird vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet und global hatten 190 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter keinen Zugang zu Verhütungsmitteln (2019).

Weltweit erfahren 18% der Frauen Gewalt durch einen intimen Partner – aber weniger als 40% suchen Hilfe.

Der Lohnunterschied für Mädchen fängt bereits beim Taschengeld an – mit dem grössten «Pocket Money Gap» bei den 11-jährigen.

Wie sieht die Lage in der Schweiz aus?

Im jährlichen Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums haben wir 2020 vom 20. auf den 18. Rang zwei Plätze gutgemacht und liegen zwischen Südafrika und Kanada, dies vor allem wegen politischer Beteiligung, Bildung und Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen – Potenzial gibt es bei der wirtschaftlichen Beteiligung, z.B. beim Anteil von Frauen in der Geschäftsleitung – dieser ist zwar stark im Aufwind, liegt aber z.B. bei den 100 grössten Schweizer Arbeitgebern bei 10% – trotz Anstieg hat nur knapp über die Hälfte der Unternehmen Frauen in der Geschäftsleitung.

Welche wirtschaftlichen Vorteile hat Gleichberechtigung?

Dies belegen diverse Studien: so sollen Firmen mit einer überdurchschnittlichen Diversifizierung im Management fast doppelt so hohe Innovationserlöse haben wie Unternehmen mit einer unterdurchschnittlichen Führungsvielfalt. McKinsey (2018) hat in einer Studie an 1000 Unternehmen aus 12 Ländern eine mögliche positive Wechselwirkung zwischen Gleichstellung und finanziellen Resultaten festgestellt. Ähnliches zeigen auch Studien von verschiedenen Finanzanbietern wie UBS und Credit Suisse.

Schätzungen zeigen, dass solche Unternehmen eine sektorbereinigte Outperformance von 4% pro Jahr erzielen können (im Vergleich zu solchen mit unterdurchschnittlichen Werten). Ein ähnlicher Effekt entsteht auch bei Start-Ups – diverse oder von Frauen mitgegründete Startups erzielen eine Rendite von 78% pro investiertem Dollar (vs. 31% bei einseitigen Teams).

Weitere Vorteile sind bessere Entscheidungsfindung und besseres Risikomanagement – beides Punkte, die sich positiv auf die Ergebnisse auswirken können. Allerdings setzt dieser positive Effekt erst voll ein, wenn ca. 20- 30% oder mehr Frauen präsent sind.

Diese Vorteile werden auch vermehrt bei Geldanlagen genutzt.

Was ist «Gender-Lens Investing»?

Bei dieser Anlageform investierst du bewusst in Firmen, die sich nachhaltig für Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen. Um dies messbar zu machen, werden Kriterien angewendet, z.B. die 19 Kriterien von Equileap, einer gemeinnützigen Organisation, welche solche Daten zur Verfügung stellt:

  1. Ausgewogenheit der Geschlechter in Führung und Belegschaft
  2. Gleiche Vergütung & Work-Life-Balance
  3. Geschäftspolitik zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter
  4. Verpflichtung zu Transparenz und Rechenschaftspflicht

Das Konzept von Gender Lens Investing ist nicht wirklich neu, verschiedene Anlageformen gibt es bereits seit 15 Jahren. Die gesamte Kategorie ist im Vergleich zu anderen Anlagen immer noch eher ein Nischenmarkt, aber durch den gestiegenen Fokus auf Gleichberechtigung nehmen die Investitionen und die Produktvielfalt zu.

Bei den Finanzprodukten gibt es noch nicht wirklich eine sehr transparente Übersicht. Weiterführende Informationen für Interessierte: Global Gender-Smart Investing Summit, oder die Zusammenstellung des Global Impact Investing Network für Gender-Lens-Investing.

Wie kannst Du mit einer «Gender-Lens» Geld anlegen?

Egal für was man sich entscheidet, ähnlich wie bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ist der Einbezug von Kriterien, die bewusst die Vielfalt und Gleichberechtigung einbeziehen, bei Geldanlagen ein möglicher Weg, neben Rendite auch eine positive Signalwirkung zu erzielen.

Ob man dafür mit einer «Gender Brille» investiert oder sich anders und für verschiedene Formen der Vielfalt engagiert – es braucht uns alle, damit es nicht noch mehrere Generationen dauert, bis unsere Kinder wirklich in einer gleichberechtigten Welt leben können.

Internationale Karrierefrauen: «Ohne Nanny geht es nicht»

Halleluja und Heureka zugleich: Männer sollen auch verhüten!

abspielen

Video: srf/Nouvo

olga miler, frauen und geld, blog, watson

bild: zvg

Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Ab dem 27. Januar wird uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

So verbreitet sich das Coronavirus in deinem Kanton

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

USA haben am meisten Coronavirus-Infektionen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Freddie Quecksilber 13.03.2020 06:54
    Highlight Highlight Ich verstehs nicht einerseits sagt man, man sollte nicht auf das Geschlecht sondern auf die Qualifikation schauen. Aber wenn es ihn der Regierung mehr Männer als Frauen hat schreien alle gleich nach einer Quote.
    • OlgaMiler 13.03.2020 17:26
      Highlight Highlight Das mit der Quote ist so eine Sache über die man viel diskutieren kann - eigentlich sollte gar keine nötig sein - aber wenn man sich dann die Zahlen anschaut ist das oft ein Wake-Up Call. Quote hin oder her, Transparenz und vor allem gute Prozesse für Rekrutierung, Beförderung etc. nutzen glaube ich allen mehr.
    • Vergugt 13.03.2020 19:03
      Highlight Highlight Freddie, das Problem ist, dass man nicht auf's Geschlecht schauen sollte, das aber im Moment noch zu Gunsten der Männer passert (im Grossen und Ganzen gesehen). Meiner Meinung nach wäre ein "natürlicher" Wandel wünschenswert, z.B. indem klassische Rollenbilder bei Berufen abgebaut werden, und so einfach mehr Frauen in die MINT-Berufe, leitende Funktionen generell etc. kommen. Das ist aber ein sehr langsamer Prozess und es ist nicht klar, wie gut das funktioniert. Deswegen *können* Quoten manchmal hilfreich sein, um einen kleinen Schubs in die richtige Richtung zu geben.
  • kettcar #lina4weindoch 12.03.2020 20:14
    Highlight Highlight Noch stärker zeigt es sich in Schwellen und Entwicklungsländer.
    Benutzer Bild
    • OlgaMiler 13.03.2020 06:42
      Highlight Highlight Danke! Sind sehr eindrückliche Zahlen - vor allem die 180% bessere Performance.
  • kettcar #lina4weindoch 12.03.2020 20:13
    Highlight Highlight Noch extremer zeigt es sich in Schwellen und Entwicklungsländern...

Liveticker

Schulen zu: Bundesrat beschränkt Freiheiten im Kampf gegen Coronavirus

Artikel lesen
Link zum Artikel