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Wie du deine Säule 3a vor unerwarteten Ereignissen schützen kannst

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MoneyTalks

Wie du deine Säule 3a vor unerwarteten Ereignissen schützen kannst

Was passiert mit deiner Vorsorge, wenn du plötzlich wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten kannst? Ist eine Säule 3a bei der Bank/einem Online-Anbieter oder der Versicherung besser? Was du darüber wissen solltest.
29.09.2022, 09:19
Olga Miler
Olga Miler
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Finanzkurs, wir reden über die Vor- und Nachteile der Säule 3a. Olga im Erklärmodus: Warum es eine Säule 3a braucht und welche Möglichkeiten es gibt, z. B. Sparkonto oder Vorsorgefonds bei der Bank, eine Säule 3a bei einem Online-Anbieter oder, auch möglich, eine Versicherungslösung. Da hebt plötzlich eine Dame die Hand und sagt: «Das mit dem Vermögenswachstum und den Wertschriften verstehe ich alles, aber bei mir war es so: Unerwartet wurde ich mit Multipler Sklerose diagnostiziert. Da war ich dann um die Versicherungslösung ganz froh».

Ein Einzelfall? Gemäss der IV Statistik 2021 beziehen 248’000 Menschen eine Rente von der Invalidenversicherung. Bei 8 von 10 Personen ist die Ursache eine psychische (31%) oder andere Krankheit (50%), nur bei 6% ein Unfall. Wenn das Leben so spielt, dann hast du plötzlich neben den gesundheitlichen Herausforderungen einschneidend weniger Einkommen zur Verfügung.

Anspruch auf eine Rente hat nämlich nur, wer während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen ist, und wenn nach Ablauf des Jahres die Erwerbsunfähigkeit von 40% oder mehr weiter besteht (Leistungen der IV). Und selbst dann beträgt die ordentliche volle IV pro Monat – je nach Durchschnittseinkommen – 1’195 Franken bis maximal 2’390 Franken.

Wenn so ein Fall auftritt, dann ist das ein grosser Einschnitt in deine finanzielle Situation und neben dem viel kleineren Budget für das tägliche Leben bei oft gleichbleibenden oder sogar höheren Kosten (allenfalls werden nicht alle Leistungen, die du in einer solchen Situation benötigst, von der Krankenkasse übernommen) bleibt auch deine Vorsorge auf der Strecke:

  • Du hast wegen des niedrigeren Arbeitsgrads weniger Lohn, welcher deiner beruflichen Vorsorge zufliesst.
  • Du hast wahrscheinlich viel weniger oder gar kein Geld, um deine Säule 3a weiter aufzustocken.

Was also tun, um dich und deine Vorsorge abzusichern? Ich bin keine Versicherungsexpertin, aber hier ein paar Gedanken dazu.

Wie kannst du dich für den Ernstfall absichern?

Wenn es zum Ernstfall kommt, dann hängt deine Situation davon ab, wie dein Arbeitsleben ausgestaltet ist (selbstständig oder angestellt) und wodurch die Erwerbsunfähigkeit verursacht wird, einen Unfall oder eine Krankheit.

Bei einem Unfall deckt dich die obligatorische Unfallversicherung deines Arbeitgebers, diese deckt max. 80 % deines Lohnes bis zu einem Maximaleinkommen von 148'200 Franken pro Jahr. Wenn du selbstständig bist, dann solltest du prüfen, wie dein Schutz aussieht, und falls nötig eine zusätzliche private Unfallversicherung abschliessen. Solltest du als Folge des Unfalls langfristig erwerbsunfähig sein, dann bekommst du zusätzlich Leistungen aus der 1. und 2. Säule.

Bei einer Krankheit ist es komplizierter und es ist wichtig zu prüfen, ob die Leistungen deines Arbeitgebers, aus deinem Ersparten, der beruflichen Vorsorge und der IV reichen würden oder ob du zusätzliche Absicherung benötigst:

  • Leistungen deines Arbeitgebers bei längerer Krankheit im Arbeitsvertrag prüfen: Welche Leistungen erhältst du und wie lange? Gibt es z. B. eine Kollektivtaggeldversicherung? Diese zahlt in der Regel 80 % deines Lohnes bis zu 2 Jahre. Oder gilt nur das gesetzliche Minimum?
  • Wenn du selbstständig bist, z. B. mit einer Einzelfirma oder beteiligt an einer Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft, solltest du eine private Versicherung in Betracht ziehen.
  • Leistungen deiner Pensionskasse in deinem Vorsorgeausweis prüfen, damit du Transparenz hast, was du im Falle von Invalidität erhalten würdest.
  • Notgroschen aufbauen: Die meisten Versicherungen sowie auch die IV haben lange Wartefristen, bei der IV ist es ein Jahr.

Für den Fall, dass du dauerhaft erwerbsunfähig werden solltest und nicht genügend Schutz hast, gibt es die Möglichkeit zusätzlich eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abzuschliessen. Davon gibt es unterschiedliche Arten: solche, welche nur das Risiko der Erwerbsunfähigkeit versichern, und solche, die auch zusätzlich mit Kapitalbildung kombiniert sind, dir also ermöglichen, Kapital aufzubauen, auf welches du dann zurückgreifen kannst. In die Erwerbsausfallversicherung, ähnlich wie bei einer Lebensversicherung, zahlst du regelmässig ein, um dann im Ernstfall eine vereinbarte Summe abrufen zu können.

Sinnvoll ist so eine Versicherung, wenn du z. B. selbstständig bist oder dein Einkommen für deine Familie massgebend ist.

Falls du eine zusätzliche Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder private Taggeldversicherung in Erwägung ziehst, in jedem Fall unbedingt mehrere Offerten einholen und dich beraten lassen, da es ganz unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten gibt und sowohl die Konditionen und Leistungen als auch das Kleingedruckte sich stark unterscheiden können. Vergleichsmöglichkeiten z. B. auf moneyland.ch.

Säule 3a – Bank/Online-Anbieter oder Versicherung?

Wenn du eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung mit Kapitalbildung hast, dann kannst du diese auch für die Säule 3a abschliessen und so dein 3a aufbauen und absichern. Dies hat allerdings Vor- und Nachteile gegenüber den Wertschriftenlösungen z. B. bei einer Bank oder einem Online-Anbieter. Hier die wichtigsten Punkte.

Gemeinsamkeiten:

  • Die gesetzlichen Vorschriften für die Säule 3a müssen von allen Anbietern eingehalten werden.
  • Bei allen kannst du den Maximalbetrag pro Jahr von 6’883 Franken von den Steuern abziehen.
  • Der Bezug der Säule 3a ist bei allen geregelt, z. B. für Wohneigentumsförderung, Auswanderung, Selbständigkeit, Rentenalter.

Säule-3a-Lösung bei einer Versicherung:

  • Beinhaltet immer einen Risikoschutz, z. B. für Invalidität oder Tod. Tritt ein solcher Fall ein, dann kann je nach Lösung z. B. die Versicherung weiter in deine Säule 3a einzahlen und/oder zahlt dir eine Rente zur Deckung der Erwerbseinbusse.
  • Der Versicherungsschutz kostet und der Betrag wird bei der Einlage abgezogen, sprich dein 3a wird nicht wie bei einer Bank- oder Onlinelösung vollständig für deine Vorsorge genutzt. Somit wächst selbst bei gleicher Rendite wie bei einer Lösung ohne Versicherung dein Geld langsamer.
  • Es gilt oft eine fixe Vertragsdauer, meist bis zum Rentenalter mit fixen Beträgen. Gewisse Anbieter lassen Prämienpausen zu oder eine Anpassung der Prämien ist möglich. Ein Wechsel ist oft mit Kosten verbunden.
  • Du kannst wählen zwischen Vorsorgelösungen für ein fixes Alterskapital oder solchen mit Risikoschutz und Wertschriften.

Säule-3a-Lösung bei einer Bank/einem Online-Anbieter:

  • Beinhaltet keinen Risikoschutz und es wird auch kein Betrag dafür abgezogen. Der volle Betrag deiner Beiträge kommt somit deiner Vorsorge zugute und da nichts abgezogen wird, profitiert auch der ganze Betrag von der Rendite.
  • Du kannst die Höhe deiner Beiträge bis zum Maximalbetrag pro Jahr frei wählen und auch mal nicht einzahlen.
  • Du kannst die Anlage im Rahmen der angebotenen Strategien frei wählen.
  • Du kannst deine Säule 3a von einem Anbieter zum anderen transferieren (manche Banken erheben Gebühren).

Der grösste Unterschied zwischen Bank/Online-Anbieter und Versicherungslösung besteht somit im Risikoschutz, der dich absichert, aber seinen Preis bei den Abzügen und somit auch der Rendite hat.

Eine Möglichkeit, dich zu schützen und gleichzeitig die Flexibilität zu behalten, besteht z. B. darin, eine Säule 3a in Wertschriften bei einer Bank/einem Online-Anbieter und davon unabhängig eine Zusatzversicherung abzuschliessen. Anbieter wie Viac bieten mittlerweile einen gratis Basisschutz und kostengünstige Versicherungen an, die man zusammen mit dem 3a abschliessen kann, aber separat bezahlt.

Was besser ist, hängt sehr von deiner Situation und dem persönlichen Risikoempfinden ab. Wie habt ihr eure Säule 3a oder Vorsorge für Unerwartetes abgesichert? Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

olga miler, frauen und geld, blog, watson
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Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DocHoliday
29.09.2022 10:22registriert März 2020
Versicherung und Vorsorge sollten meines Erachtens immer getrennt gehalten werden. Bei den Kombilösungen ist es leider völlig intransparent , wieviel vom Geld letztendlich in der Vorsorge landet und was direkt als Gebühr einbehalten wird. Das legt keine Versicherung offen, dürfte aber erschreckend viel sein, was man an den schlechten Renditen sieht. Wird übrigens so auch von diversen Verbraucherorganisationen empfohlen
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skater83
29.09.2022 11:25registriert November 2018
was in meinen augen immer etwas zuwenig hervorgehoben wird:
Bei einer versicherungslösung hat man zwar einen garantierten technischen zinssatz - dieser wird aber durch die "geringe risikoprämie" wie sie uns immer angepriesen wurde vollkommen aufgefressen - notabene war es bei unsere offerte so, dass wir am ende der laufzeit gegen 30'000.- weniger ausbezahlt bekommen hätten, als wir einbezahlt hätten - diese "geringe risikiprämie" übersteigt also locker die 1000.- / jahr welche man zusätzlich von seinem sparguthaben an den versicherer zahlt...
(haben das produkt abgelehnt!)
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Vom Aufwachsen als «Schattenkind» und seinen psychischen Folgen
Am 3. Dezember ist «Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen». Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich über dieses Thema schreiben soll. Es hat eigentlich nichts in einem Gesundheitsblog verloren. Menschen mit Handicap sind nicht krank. Aber es hat, wie ich über die Jahre realisiert habe, einiges mit psychischer Gesundheit zu tun – mit derjenigen des Umfeldes von Betroffenen. Diese Zeilen sind sehr persönlich. Es ist das erste Mal, dass ich darüber schreibe.

Kinder, wie ich eines war, nennt man in der Psychologie «Schattenkinder». Sie wachsen im Schatten eines chronisch kranken oder handicapierten Geschwisters auf und müssen deshalb in Sachen Aufmerksamkeit zurückstecken. Ich habe mich selbst nie so wahrgenommen, jedenfalls nicht bewusst. Ausser vielleicht, als ich mit sieben Jahren extra anfing zu lispeln, damit ich auch mal zu einem Therapeuten durfte. Der Logopäde hat den Fake ziemlich schnell bemerkt. Das war es dann mit der Therapie für mich.

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