Wirtschaft
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Die Konsumentenstimmung in der Schweiz hat sich im April leicht verschlechtert. (Archiv)

Sinken im nächsten Jahr die Preise? Die Chancen bestehen. Bild: KEYSTONE

Im Land der fallenden Preise

Nach dem Nationalbank-Entscheid zeigt sich: Nicht nur die Zinsen bleiben rekordtief. Die Preise geben nach wie noch nie seit dem 2. Weltkrieg.

Niklaus Vontobel / ch media



Die Wochen der Zentralbanken sind vorbei. In der Eurozone und in den USA wurden die Zinsen gesenkt. Die Schweizer Nationalbank stand still. Sie musste ihren Negativzins nicht wie befürchtet verschärfen. Banken zahlen weiter die gleiche Gebühr, wenn sie bei ihr Geld anlegen. Doch eine Frage ging unter. Was ist mit der Inflation? Wie bewegen sich die Preise, die Schweizer Haushalte zahlen müssen?

Die Nationalbank hat diese Woche einen wichtigen Hinweis geliefert. Unser Land könnte am Anfang eines zweiten Jahrzehnts stehen, in dem die Preise gleich bleiben oder gar nochmals sinken.

Für 2020 wird die Rückkehr zur Deflation erwartet

Ein solches Jahrzehnt hat die Schweiz gerade erst hinter sich gebracht. 2018 zahlte der typische Haushalt etwas weniger als im Jahr 2008 für seinen typischen Warenkorb an Gütern und Dienstleistungen. Rund 0,6 Prozent weniger waren es. Die Inflation war also negativ. Normal war das bisher nicht, solche Zeiten gab es zuletzt 1940. In jenem Jahr endete das letzte Jahrzehnt mit einer negativen Inflation.

Normal war bisher etwas anderes. Das zeigt der Blick auf das Jahrzehnt vor der Finanzkrise. Als 2008 die UBS von der Nationalbank gerettet wurde, da war die Inflationswelt noch in den Fugen. Haushalte zahlten insgesamt mehr als zehn Jahre zuvor. Nahrungsmittel wurden teurer, nicht billiger wie von 2008 bis 2018. Möbel wurden teurer, nicht billiger, Energie viel teurer, nicht leicht billiger. Die Preise von Restaurants und Hotels stiegen viel kräftiger an. Solche Zeiten könnten aber zur neuen Normalität werden.

Der Zinsentscheid des SNB-Direktoriums unter Präsident Thomas Jordan war mit Spannung erwartet worden. (Archivbild)

Thomas Jordan, der SNB-Chef. Bild: KEYSTONE

Die Nationalbank musste ihre Inflationsprognose für 2020 senken, sie erwartet gerade einmal noch 0,2 Prozent. Somit schrammt die Inflation haarscharf an der Null-Grenze vorbei. Die amerikanische Bank Morgan Stanley rechnet für die Schweiz gar mit einer negativen Inflation, einer «milden Deflation».

Damit ist die Wende abgesagt. Noch vor wenigen Monaten hatte es nach einem Anziehen der Inflation ausgesehen. Nun also wieder Null-Inflation. Willkommen in der schönen neuen Welt. Japan lässt grüssen: Das Land hat schon zwei solcher Jahrzehnte erlebt.

Sinkende Preise erfreuen zunächst einmal die Konsumenten. Immerhin bedeutet es nicht anderes, als dass sie mehr kaufen können für ihr Geld. Aber die Null-Inflation hat ihre Tücken, die über Umwege schliesslich auch dem Konsumenten wehtun können. Wenn er nämlich sein Geld nicht ausgibt, sondern es verdienen muss, als Arbeitnehmer also.

Wenn die Preise im Durchschnitt gleich bleiben, verbergen sich dahinter grosse Unterschiede. In einigen Branchen steigen die Preise, in vielen Branchen fallen sie. In Branchen mit fallenden Preisen haben die Unternehmen mit sinkenden Preisen zu kämpfen. Ihre Umsätze fallen tendenziell, ihre Lohnkosten bleiben aber gleich. Weg ist der Gewinn. Also wollen die Unternehmen die Kosten drücken. Die Löhne können sie aber nicht drücken. Einen neuen Lohn in den Arbeitsvertrag schreiben, würde wütende Proteste auslösen. Also behelfen sich die Unternehmen anders: Sie verweigern Lohnerhöhungen. Im schlimmsten Fall entlassen sie Mitarbeiter.

Die Kehrseite: Die Löhne stagnieren bald drei Jahre

Waren solche theoretischen Folgen von Null-Inflation in der Schweiz tatsächlich zu beobachten? Teils. Die Löhne stagnieren aktuell. Von 2017 und 2018 verloren sie an Kaufkraft. Auch 2019 sieht es so aus, als könnten sich die Arbeitnehmer für ihren Lohn weniger kaufen. Dagegen war es nicht so, dass mehr Menschen ihre Arbeit verloren hätten. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit ging zurück. Die Maschinen- und Metallindustrie, die Hotellerie und der Detailhandel bauten zwar Stellen ab. Sie traf der starke Franken besonders. Der Abbau wurde aber weit übertroffen vom Aufbau, der in anderen Branchen stattfand, etwa im Gesundheitswesen.

Stagnierende oder sinkende Preise können schädlich werden. Das lässt sich auch in der Botschaft zum Nationalbankgesetz nachlesen. Deflation könne zu «sozial unerwünschten Fehlentwicklungen führen», steht da etwa. Oder: Unter Preisstabilität sei eine Inflationsrate von 0 bis 2 Prozent zu verstehen. «Diese Definition schliesst Deflation aus, also einen Rückgang des Preisniveaus.» Gemäss Gesetz hat die Nationalbank ja Preisstabilität zu gewährleisten.

«Es wird für die Nationalbank zunehmend schwierig, ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen», schreiben die Ökonomen der US-Bank Morgan Stanley in einer Analyse. Die Inflation sei nicht bloss vorübergehend schwach, sondern strukturell. Anders gesagt: die Inflation wird gering bleiben, viele Güter und Services werden noch günstiger werden. In absehbarer Zeit sowieso, da sich der Franken zuletzt aufgewertet hat. Der Euro ist billiger geworden. Damit können Produkte in der Eurozone günstiger eingekauft werden. Und die Preise in der Schweiz geraten unter Druck.

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    Alle Leser-Kommentare
  • NikolaiZH 22.09.2019 11:39
    Highlight Highlight Grosses Bier in Zürich in jedem zweiten Lokal 8-8.50 chf Realität; vor 10 lagen die preise 1.5-2 chf tiefer
  • Le Luc 22.09.2019 11:27
    Highlight Highlight Na dann ab an die Urne im Oktober;)

    Kann ja nicht sein das Millionen von den Versicherungen an Lobbysten fliessen..
  • L.G. 22.09.2019 11:16
    Highlight Highlight Natürlich werden die lebensmittel nicht teuer, danke Aldi und Lidl. Ohne sie würden coop und migros die Preiseschrauben weiter nach oben drehen, ohne mit der wimpern zu zucken.
    Aber der rest wird z.b. KK, Strom, ÖV ect.wird immer teuer
  • Benjamin Gmür 22.09.2019 09:50
    Highlight Highlight ich hoffe das ganze viele einkaufstouristen diesen artikel lesen und verstehen, vor allem den letzten absatz. ihr spart nur kurzfristig, langfristig schadet ihr unserer wirtschaft und schlussendlich euch selber. think about it
    • Pitsch Matter 22.09.2019 16:24
      Highlight Highlight Dann musst du aber auch jeden der im Ausland Urlaub macht angreifen.
    • Benjamin Gmür 23.09.2019 17:20
      Highlight Highlight es war nicht meine absicht jemanden anzugreifen. wenn du aber deine auslandsreisen bei einem schweizer reisebüro buchst, unterstützt du die schweizer wirtschaft auch, zudem sparst du ja sowieso nichts wenn du in urlaub fährst 😉
  • neutrino 22.09.2019 09:13
    Highlight Highlight Seit einigen Jahren ist der Blick nach Japan einigermassen verlässlich, für eine Prognose was mit der Schweiz passieren wird. Schade, dass das viele Politiker nicht merken, dann dann wüsste man:

    Die Zinsen ziehen nicht bald wieder an, sondern auf absehbare Zeit nicht mehr. Die Löhne steigen nicht einfach immer von Generation. Mit Migration kann man gewisse Wachstumsproblem lösen - aber nur temporär und man handelt sich andere (soziale) Probleme ein.
  • Der Rückbauer 22.09.2019 09:13
    Highlight Highlight Dieser Beitrag gibt unreflektiert die Meinung der SNB und der Mainstreamfinanzpresse wieder. Inflation und Lebenshaltungskosten sind nicht dasselbe. Was im täglichen Leben zählt, sind die Lebenshaltungskosten. Mache mal einer vierköpfigen Familie klar, weshalb die KK-Prämien nicht im LIK enthalten sind.
    Nebenbei: Die SNB hat die UBS gerettet? Wie war das schon mit den Steuerzahlenden?
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/wie-misst-man-inflation-1.18690634
    https://www.infosperber.ch/Wirtschaft/Inflation-Haushalte-werden-mit-Teuerungsausgleich-betrogen
  • SBRUN 22.09.2019 08:54
    Highlight Highlight Das haben wir zu einem grossen Teil unserer inoffiziellen Preisüberwachungsstelle Lidl&Aldi zu verdanken, die fast effektiver operiert wie der offizielle Preisüberwacher.
  • Ökonometriker 22.09.2019 08:52
    Highlight Highlight Wie Japan hat die Schweiz und weite Teile des Westens heute das Problem der Überalterung. Immer weniger Arbeitskräfte müssen immer mehr Alte durchfüttern. In 20 Jahren kommt auf zwei 20-64 Jährige ein Rentner. Das schlägt sich auf die total bezahlten Löhne durch. Weniger Arbeiter erhalten summiert weniger Löhne. Und damit konsumieren sie total auch weniger. Dazu kommt, dass auch die Arbeitsbevölkerung altert was sich negativ auf das Wachstum der totalen Faktorproduktivität auswirkt (IMF WP/16/238).

    Wir werden uns auf japanische Verhältnisse einstellen müssen.
    • Auric 22.09.2019 12:31
      Highlight Highlight Was die Gesundheit, Sauberkeit, den ÖV und Kriminalitätsrate angeht wäre das eine schöne Vorstellung.

      Aber ich denke das meintest Du nicht.
    • Der Rückbauer 22.09.2019 15:32
      Highlight Highlight Nadann Prost! Japanische Verhältnisse, nein danke, 8m2 Wohnfläche pro Person und ein Soldatenregime wie bei den Nazis. Keine Widerrede, sonst knallts, alles klar? Siehe Tepco, alles Freisprüche, obwohl das Volk total verarscht wurde. Ist klar, dass unsere Oberen Untertanen wünschen wie es die Japaner und Chinesen sind. Viva Hong Kong, sind aber leider auf verlorenem Posten.
      Wir beten nicht nach, was uns die Oberen vorbeten!
  • Ridcully 22.09.2019 08:50
    Highlight Highlight Löhne un Preise sinken oder stagnieren. Dass die steuerliche Abgabenlast steigt (KK ist auch eine Abgabe/Steuer) ist logisch, denn ansonsten brechen ja die Steuereinnahmen ein, da primär nur Gewinn/Einkommen und Konsum besteuert ist. Eine logische Konsequenz. Wie der "Einfache Mann von der Strasse" darauf reagiert, weil er ja bestrebt ist möglichst viel Netto vom Brutto zu behalten, ist auch absehbar. Er wird den Konsum drosseln. Leider war der Konsum bisher in CH immer der Puffer, welcher bisher die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen ausnivelliert hat.
  • Booker 22.09.2019 08:18
    Highlight Highlight Sinkende Preise ? Die Krankenkasse wird jedes Jahr teurer, Sondersteuern auf Benzin/Diesel und Flügen, Restaurantpreise gehen hoch nicht runter, öV wird teurer, Strom wird teurer. Das es billiger werden soll ist AUgenwischerei !
  • Füürtüfäli 22.09.2019 08:09
    Highlight Highlight Liebe Banker, Ihr seit in der Steinzeit geblieben und habt nicht bemerkt, dass Minuszinsen nicht den gewünschten Effekt erreichen. Wacht auf, schmeisst eure Schulbücher weg, öffnet die Augen und löst euch von den Theorien die nichts mehr taugen.
    • bernd 22.09.2019 08:49
      Highlight Highlight Die Minuszinsen haben sie ganz sicher nicht aus den Schulbüchern, die kamen da bis vor kurzem nicht vor.
    • Töfflifahrer 22.09.2019 09:20
      Highlight Highlight Das Problem ist, die wissen nicht mehr was die machen sollen.
      Die Werkzeuge und Strategien die diese an der Uni gelernt haben funktionieren nicht mehr.
  • N. Y. P. 22.09.2019 07:58
    Highlight Highlight Im Gesundheitswesen werden massiv Stellen aufgebaut. Im Gesundheitswesen werden vielleicht, wie überall, die Preise auch stagnieren, aber die Prämien werden weiter munter steigen.

    Was besonders tragisch ist. Wir blöden Armleuchter bezahlen die x Milliarden Franken Marketingausgaben der Pharma. Steigen die Marketingausgaben, steigen die Prämien.

    Sind wir Tropenköpfe* ?

    Der Pharmafilz hat sich wie klebriger Honig im Bundeshaus eingenistet..

    * Ja, weil wir tatsächlich von den Politikern seit bald 20 Jahren Lösungen erhoffen.
    • Eidg. dipl. Tütenbauer 22.09.2019 08:59
      Highlight Highlight Bei solchen wildwüchsigen Kommentaren frage ich mich immer, welche Medikamente waren da in erster Linie im Spiel oder ist es schlichtweg undifferenziertes Versagen?
    • Peter R. 22.09.2019 09:10
      Highlight Highlight Ja das ist ja das Problem, der normale Warenkorb wird nicht teurer. Jedoch die Krankenkassenprämie explodieren jedes Jahr - Schuld daran sind die Pharmariesen, die Aerzte, die Krankenkassen selber und die Zuwanderer, welche keinen Hausarzt haben und wegen jedem "bebe" in den Spital gehen.
      Aber die Linken versprechen ja schon seit Jahren, sie wollen gegen diese Misere angehen - machen tun sie nichts, nur reden!
    • Raphael Stein 22.09.2019 10:45
      Highlight Highlight Die Blitze find ich krank.

      Die Krankenkassen hadt du vergessen. Die müllen uns grad wieder mit Werbung zu
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kronrod 22.09.2019 07:58
    Highlight Highlight Normal ist eine Frage der Perspektive. Vielleicht war auch die Inflation in dem Jahrzehnten davor abnormal. Im 19. Jahrhundert war die Inflation dank Goldstandard auch nahe null. In meinem Brockhaus von 1884 fehlt “Inflation” sogar als Begriff (allerdings erhalten die amerikanischen Inflationisten einen Eintrag).
  • wolge 22.09.2019 07:50
    Highlight Highlight Na also, da können die Arbeitgeber wieder behaupten es hätte keine Teuerung gegeben Und auf Lohnerhöhungen Pfeifen...

    Kunststück wenn Krankenkasse, Steuern Etc. nicht berücksichtigt werden...
    • FrancoL 22.09.2019 10:28
      Highlight Highlight Naja wenn man von einer Teuerung spricht die ganzheitlich gerechnet wird ist die Krankenkasse dabei und die Steuern die sind auch nicht steigend, wenn die Löhne nicht steigen, die MwSt könnte da eine Ausnahme sein.
    • Vosi 22.09.2019 11:03
      Highlight Highlight Nun ja, Krankenkasse zahlt jeder gleichviel. Es spielt aber eine grosse Rolle ob du 50'000 oder 120'000 verdienst. Welches Einkommen haben sie genommen um die Teuerung zu berechnen?
    • FrancoL 22.09.2019 11:10
      Highlight Highlight @Vosi; Die Teuerung berechnet sich NICHT nach Einkommen sondern als Wert zu einem Vorwert ohne Bezug zu den Löhnen. Soviel sollten Sie auch wissen oder doch nicht? Vermutlich verwechseln Sie Teuerung mit Kaufkraft.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Goon 22.09.2019 07:30
    Highlight Highlight 1, 2 und 3.

    Los gehts mit KK-gejammer 😉😂😂
    • Füürtüfäli 22.09.2019 08:30
      Highlight Highlight Goon

      Falsch, es ist kein gejammer sondern eine Tatsache.
    • Elephant Soup slow cooker recipes 22.09.2019 10:18
      Highlight Highlight jap, ich wurde gerade diagnostiziert und kann nach teueren Untersuchungen, welche ich selber berappte dank hoher Franchise, nun monatlich an die 200.- für Medikamente auf den Tisch legen. Da lass ich noch eiligst die Franchise für nächstes Jahr anpassen und zahl mich dann dafür einfach monatlich noch dümmer und dämlicher. Darf ich jammern oder ist das Niveau immer noch zu hoch?
    • FrancoL 22.09.2019 11:12
      Highlight Highlight Nicht alle können über die KK-Prämien lachen, es ist darum um so verwerflicher dass Sie darüber lachen, zeigt allerdings welch Geistes Kind Sie sind.
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