Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Le president de la Banque Nationale Suisse, BNS, Thomas Jordan pose avec un nouveau billet de 100 frs devant le bisse d?Ayent lors de la mise en circulation du nouveau billet de banque de 100 francs, sur lequel figure le bisse d?Ayent, ce jeudi 12 septembre 2019 a Ayent. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Thomas Jordan, der SNB-Chef, ist jetzt gefordert. Bild: KEYSTONE

Showdown um Negativzins: 7 Dinge, die du vor dem Entscheid der Nationalbank wissen musst

Der Negativzins bewegt die Schweiz. Er steht symbolhaft dafür, dass Sparen nicht mehr belohnt, sondern bestraft wird. Nach der US-Zentralbank am Mittwoch steht am Donnerstag der Entscheid der Nationalbank an.

Niklaus Vontobel / ch media



Was sind eigentlich Negativzinsen?

Früher haben Banken von der Schweizerischen Nationalbank einen Zins erhalten, wenn sie bei ihr Geld parkierten. Seit Mitte Januar 2015 ist dieser Zins negativ: minus 0.75 Prozent. Daher spricht man von einem Negativzins. Nun zahlen die Banken also der Nationalbank etwas, wenn sie bei ihr Geld parkieren. Negativzinsen sind bei Schweizer Staatsanleihen zur neuen Normalität geworden. Der Staat zahlt den Investoren einen Negativzins. Oder anders gesagt: Die Investoren müssen dafür etwas zahlen, wenn sie dem Bund ihr Geld leihen wollen.

Was gibt die Schweizerische Nationalbank heute bekannt?

Die Nationalbank wird ihren Negativzins erhöhen oder gleich belassen. Zwar hat sie den weltweit höchsten Negativzins. Doch in der Vorwoche hat Mario Draghi durchgesetzt, dass die Europäische Zentralbank ihren Negativzins erhöht. Neu verlangt sie 0.5 Prozent von den Banken. Das könnte am Anfang einer Kausalkette stehen, die Nationalbank-Präsident Thomas Jordan gar nicht passt.

Die Differenz zwischen den Zinsen in der Schweiz und in der Eurozone verringert sich damit. Geld in Franken anzulegen, wird ein Stückchen lohnender. Der Franken wertet auf, dabei kostet er in Euro schon deutlich mehr als im Frühling. Das drückt tendenziell die Preise nach unten, die Inflation nimmt ab. Diese ist bereits recht tief, obschon die Wirtschaft bis vor kurzem Hochkonjunktur hatte, was sonst mit mehr Inflation einhergeht. Die Preise könnten gar fallen, die Schweiz in eine Deflation abrutschen. Auf die Preise hat die Nationalbank zu achten, das geben ihr Verfassung und Nationalbankgesetz vor. Sie muss Preisstabilität gewährleisten.

Doch ist die Zinsdifferenz nun tatsächlich zu gering? Oder wird sie als ausreichend eingeschätzt von der Nationalbank?

Wem würde ein höherer Negativzins schaden?

Den Banken, sagen die Banken. Sie leiden unter den extrem niedrigen Zinsen. Ihre Margen sind um ein Drittel kleiner als vor der Finanzkrise. Den Negativzins sehen sie als Belastung. Ihre Bankiervereinigung klagt über Kosten von jährlich über 2 Milliarden Franken. So viel Geld werde bei ihnen via Negativzins abgezogen auf ihre Guthaben bei der Nationalbank. Auch die Pensionskassen sagen, der Negativzins sei schlecht. Ihr Verband nennt ihn ein «grundsätzliches Ärgernis». Künftige Pensionäre haben ohnehin tiefere Renten. Der Negativzins belaste zusätzlich. Pensionskassen zahlen Negativzinsen, weil sie von den Banken teils weitergereicht werden.

Wem würde ein höherer Negativzins nutzen?

ZUR EXPORTINDUSTRIE STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, DEM 30. JULI 2015, FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- An employee of Man Diesel & Turbo Switzerland, manufacturer of large-bore diesel engines and turbines, works on a turbine shaft, in Zurich, Switzerland, on June 15, 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Mitarbeiter von Man Diesel & Turbo Schweiz, Hersteller von Grossdieselmotoren und Turbinen, arbeitet an einer Turbinenwelle, am 15. Juni 2015 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Maschinenindustrie würde von höheren Negativzinsen profitieren. Bild: KEYSTONE

Der Maschinen- und Metallindustrie, dem Detailhandel sowie dem Tourismus in den Bergregionen. Also allen Industrien, denen es schadet, wenn der Franken in Euro mehr kostet. Die Maschinenindustrie stellt ihre Leistungen in der Schweiz her, zu Schweizer Löhnen. Sie will aber in der Eurozone verkaufen, in Euro. Ihre Kunden müssen in Euro mehr zahlen, wenn der Franken aufwertet. Der Bergtourismus will Gäste aus der Eurozone gewinnen. In Euro werden Übernachtungen teurer. Der Detailhandel verkauft zwar an Kunden in der Schweiz, aber die können mit einem starken Franken in Deutschland shoppen. Alle drei Branchen haben gelitten. In der Maschinenindustrie verdient seit Jahren über ein Drittel der Firmen zu wenig Geld, um richtig investieren zu können. Der Bergtourismus kommt noch immer auf weniger Übernachtungen also vor zehn Jahren. Die Deutschen sind bis heute nicht zurückgekehrt. Der Detailhandel stagniert, der Einkaufstourismus floriert.

Waren die Negativzinsen bisher gut für die Schweiz?

Nein, sagt die Bankiervereinigung. Es entstünden Blasen an den Finanzmärkten. Unrentable Unternehmen würden künstlich am Leben erhalten, was das Land weniger wettbewerbsfähig mache. Die Altersvorsorge werde gefährdet. Die Nationalbank sieht es freilich anders. Die Aufhebung des Negativzinses wäre nicht im «Gesamtinteresse unseres Landes», sagt sie. Der Franken würde sich aufwerten, die Wirtschaft langsamer wachsen, die Arbeitslosigkeit ansteigen. Die Inflation würde negativ, die Preise würden sinken. Auch Banken und Pensionskassen hätten kaum etwas davon. Zwar wären sie den Negativzins los. Doch das generelle Zinsniveau käme herunter, weil die Wirtschaftsaussichten schlechter wären. Banken und Pensionskassen verdienten weniger. Unter dem Strich sei der Negativzins gut für die Schweiz, so die Nationalbank. Danach hat sie sich zu richten, sagt das Gesetz: Ob ihre Geldpolitik «im Gesamtinteresse des Landes» ist.

Warum hat EZB-Chef Draghi den Negativzins verschärft?

FILE - In this Thursday, July 25, 2019 file photo, President of European Central Bank Mario Draghi comes to a press conference following a meeting of the governing council in Frankfurt, Germany. The European Central Bank has delivered a new blast of monetary stimulus to help the shaky economy in the face of uncertainties like the U.S.-China trade conflict and Brexit. It decided Thursday, Sept. 12 to cut a key interest rate and restart a bond-buying stimulus program. (AP Photo/Michael Probst, file)

EZB-Chef Mario Draghi. Bild: AP

Draghi hat Vorgaben zu erfüllen: Die Inflation soll nahe bei 2 Prozent liegen. Davon ist er weit entfernt, nächstes Jahr wird die Teuerung wohl nur halb so hoch sein. Darum hat er die Geldschleusen wieder geöffnet. Ist mehr Geld im Umlauf, werden mehr Güter und Services nachgefragt, die Wirtschaft wächst kräftiger, die Teuerung nimmt zu – hofft Draghi zumindest.

Warum will Draghi unbedingt eine Inflation von 2 Prozent?

Das hat mit den Ungleichgewichten der Eurozone zu tun. Im Boom nach Einführung des Euro stiegen die Löhne in Italien oder Spanien zu stark an, in Deutschland stagnierten sie. Ab der Finanzkrise waren Italien oder Spanien nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Lohnkosten waren zu hoch im Vergleich zu Deutschland. Das ist heute weniger schlimm, aber noch immer so. Löhne zu senken, ist aber in modernen Staaten unmöglich. Selbst bei hoher Arbeitslosigkeit fallen die Löhne nicht. Machbar ist, dass die Löhne in Italien oder Spanien langsamer ansteigen als in Deutschland. Das gelingt eher, wenn die Eurozone insgesamt kräftig wächst und die Inflation hoch bleibt. Sonst droht in Italien oder Spanien die Arbeitslosigkeit anzusteigen. Das untergräbt die Legitimität des Euro. Ohne ihn würden sich nur die nationalen Währungen von Italien oder Spanien abwerten. Ihre Wettbewerbsfähigkeit wäre wieder hergestellt. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB

Neue 200er-Banknote zeigt Materie

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

36 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Fairness
19.09.2019 06:53registriert December 2018
Der Negativzins schadet mit Sicherheit mehr als er nützt. Er ist ein Fluch nd ungesund.
8228
Melden
Zum Kommentar
36

Schweizer Firma bezieht Kupfer von giftiger Schmelzerei in Namibia – mit tödlichen Folgen

Die Schweizer IXM S.A. lässt bulgarisches Kupfer mit hohem Arsengehalt in einem Schmelzwerk in Namibia verarbeiten und nimmt diesem die ganze Produktion auch wieder ab. Das giftige Arsen wird gemäss Berichten in Zuckersäcken in einer Freiluft-Deponie am Rand einer Kleinstadt gelagert.

Auf dem Wappen Tsumebs prangt der Bergarbeitergruss «Glück auf». Tsumeb, 400 Kilometer nördlich der namibischen Hauptstadt Windhoek gelegen, ist eine Bergarbeiterstadt. Seit Jahrzehnten wurden in den Minen in der Nähe verschiedene Mineralien abgebaut. Viele der Minen wurden inzwischen geschlossen. Sie waren erschöpft, die Förderung nicht mehr rentabel.

Die grosse Schmelzerei gleich neben der Stadt mit 35'000 Einwohnern ist nach wie vor in Betrieb. Eine Zugverbindung führt direkt an die …

Artikel lesen
Link zum Artikel