Trump-Vertrauter: US-Wirtschaft «zu schwach», um hohen Ölpreis zu verkraften
Das Bureau of Labor Statistics (BLS) publiziert in den USA wichtige monatliche Kennzahlen zum Arbeitsmarkt, aber auch zur Inflation. Es erfüllt damit quasi die Arbeit des Bundesamts für Statistik (BFS) sowie des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) in der Schweiz.
Eine sehr unpolitische, trockene Angelegenheit – könnte man meinen. Doch das BLS geriet seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump mehrmals in den politischen Fokus. Weil ihm die Zahlen zu Inflation und Arbeitsmarkt offenbar nicht genehm waren, kritisierte er die Behörde – und feuerte schliesslich Erika McEntarfer, welche die Behörde bis dahin leitete.
Als ihren Nachfolger für den prestigeträchtigen Posten schlug Trump ursprünglich den Ökonomen E.J. Antoni vor. Dieser gilt als ultrakonservativ, er fungiert unter anderem als Chefökonom für den Thinktank Heritage Foundation, der hinter dem Project 2025 steht – den massiven Umbauplänen der Trump-Administration.
Antoni ist, soweit bekannt, ein enger Vertrauter Trumps. In einem kurzen Interview mit der Financial Times fand er nun aber ungewöhnlich scharfe Worte, die aufhorchen lassen:
Der Ölpreis befindet sich seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran auf dem Höhenflug. Als kritische Marke für die Weltwirtschaft gilt längerfristig ein Preis von 100 US-Dollar pro Barrel. Diese Marke wird seit einiger Zeit immer wieder überschritten, zuletzt sogar deutlich.
Antoni fügte gegenüber der FT hinzu: «Die Wirtschaft ist schwächer, als wir dachten, und die Inflation ist höher, als wir dachten.» Die niedrigeren Energiepreise in den USA im letzten Jahr hätten dazu beigetragen, einen dämpfenden Effekt auf die Preise in der gesamten Wirtschaft auszuüben, so der Ökonom. «Nun werden wir erleben, dass höhere Energiepreise genau den gegenteiligen Effekt haben und die Preise in der gesamten Wirtschaft nach oben drücken.»
Antoni wies zudem auf ein «mangelndes Beschäftigungswachstum» in den USA hin, das er zum Teil auf den Personalabbau im öffentlichen Dienst im vergangenen Jahr zurückführte.
Trumps Wut auf die Statistikbehörde
Antonis öffentliche Einschätzung ist auch deshalb erstaunlich, weil er, ganz auf Trumps Linie, in der Vergangenheit dem BLS ebenfalls falsche Zahlen vorwarf. Trump selbst ist der Meinung, das BLS sei eine in Schwierigkeiten geratene Behörde, die von «schwachen» und «dummen» Leuten geleitet worden sei. Der Präsident glaubte, die Behörde habe ihre Zahlen absichtlich gegen unten korrigiert, um ihm persönlich zu schaden.
Trump feuerte McEntarfer im August, nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung eines Berichts zu den Arbeitsmarktdaten im Juli, der schlechter ausfiel als erwartet. Im selben Bericht korrigierte die Behörde zudem die Zahlen aus den vorherigen zwei Monaten nach unten. Auch wenn diese Abwärtskorrekturen im historischen Vergleich erheblich waren, gilt es als nicht ungewöhnlich, dass das Amt seine Zahlen revidiert, sobald weitere Umfrageergebnisse vorliegen.
In diversen Social-Media-Posts kritisierte auch E.J. Antoni das BLS; zudem schlug er vor, dass die Behörde ihren monatlichen Arbeitsmarktbericht aussetzen und stattdessen «weiterhin die genaueren, wenn auch weniger aktuellen Quartalsdaten veröffentlichen» sollte. Und gegenüber der FT wiederholte der Ökonom seine Kritik: «Man braucht eine vollständige und umfassende Überprüfung von oben nach unten, von der Datenerhebung über die Datenverarbeitung bis hin zur Datenverbreitung, denn es gab einige Probleme mit Datenlecks.»
Was genau er damit meinte, ist unklar. Allerdings: Im Januar kommunizierte Trump gemäss der FT einige der US-Arbeitsmarktdaten für Dezember bereits Stunden vor ihrer offiziellen Veröffentlichung.
Trump wollte Antoni als BLS-Chef – und plötzlich nicht mehr
Das BLS derweil hat noch immer keine definitive Führung. Im August schlug Trump E.J. Antoni vor – bevor er seine Nomination im September bereits wieder zurücknahm. Offiziell begründete das Weisse Haus seine Entscheidung nicht. In einem Post bedankte sich Antoni danach bei Donald Trump, beklagte jedoch: «Es ist bedauerlich, dass es andere gewählte Amtsträger gibt, denen der Mut fehlt, diese vernünftige Agenda für echte Veränderungen in Washington zu unterstützen.»
Antonis Nomination als neuer BLS-Chef war von Beginn weg umstritten. «Als Doktor der Wirtschaftswissenschaften verfügte er über keinerlei Erfahrung in der Regierungsarbeit, da er den Grossteil seiner Karriere als stark parteiisch geprägter Wirtschaftsanalyst und Kommentator verbracht hatte», berichtete damals die New York Times. Die meisten seiner Vorgänger waren dagegen Statistikexperten, die vor ihrer Tätigkeit an der Spitze der Behörde kaum in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten waren.
Im Januar verkündete Trump einen neuen Nominierten für das Amt: Brett Matsumoto war als leitender Wirtschaftsforscher bereits beim BLS und ist derzeit als leitender Ökonom im Wirtschaftsberaterstab des Weissen Hauses tätig. Seine Besetzung muss noch vom US-Kongress abgesegnet werden.
Angst wegen Midterms
Ob der US-Präsident danach wieder mit den ökonomischen Kennzahlen zufrieden sein wird, kann jedoch bezweifelt werden. Denn während noch immer kein Ende des Iran-Kriegs absehbar ist, eskaliert die Lage im Nahen Osten immer mehr – was sich mittlerweile auch in der US-Wirtschaft niederschlägt.
Laut Medienberichten steigt in der republikanischen Partei die Nervosität, insbesondere angesichts der hohen Ölpreise. Gemäss FT sind die Benzinpreise an US-Tankstellen von 2.92 Dollar vor einem Monat auf 3.84 Dollar pro Gallone gestiegen. Gleichzeitig hat Diesel die 5-Dollar-Marke überschritten. Das alles belastet US-Verbraucher und Unternehmen gerade schwer.
Am 3. November finden die Midterms statt: Alle 435 Sitze im US-Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der Sitze (100) im US-Senat stehen zur Wahl. Zurzeit sind beide Kammern in den Händen der Republikaner, die Umfragewerte sprechen hingegen relativ deutlich für die Demokraten. Während die Partei des amtierenden Präsidenten an den Midterms meistens Sitze verliert, zeigen Studien, dass ein zuvor gestiegener Ölpreis meist zu noch stärkeren Verlusten für die Präsidentenpartei führt.
Kommt hinzu, dass es für die US-Wirtschaft bereits vor dem Iran-Krieg nicht allzu rosig aussah: Das Wachstum des US-BIP im vierten Quartal 2025 wurde letzte Woche von einer ersten Schätzung deutlich von 1,4 Prozent auf 0,7 Prozent nach unten revidiert. Und die US-Grosshandelspreise stiegen im Februar, noch bevor der Krieg begann, schneller als erwartet. Die Wirtschaft verlor im vergangenen Monat 92'000 Arbeitsplätze – ein starker Rückgang, der den Grossteil der Zuwächse vom Januar zunichtemachte.
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