Wirtschaft
Russland

Mondelez wehrt sich gegen Kritik an Russland-Geschäft

Mondelez wehrt sich gegen Kritik an Russland-Geschäft

27.03.2024, 11:34
Mehr «Wirtschaft»

Der US-Lebensmittelriese Mondelez, zu dem Marken wie Milka, Oreo und Tuc gehören, verteidigt sich gegen Kritik an seinen Geschäften in Russland. «Es gibt keine einfachen Entscheidungen, aber wie die meisten anderen globalen Lebensmittel- und Getränkeunternehmen stellen wir in diesen schwierigen Zeiten weiterhin Lebensmittel zur Verfügung», sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Mittwoch.

«Würden wir unsere Geschäftstätigkeit vollständig einstellen, liefen wir Gefahr, unser gesamtes Geschäft einer anderen Gruppe zu überlassen, die den gesamten Erlös für ihre eigenen Interessen verwenden könnte.» Dies hätte zur Folge, dass ein Teil der Lebensmittelversorgung für viele Familien abgeschnitten würde. Mondelez begründet den Schritt auch mit Verweis auf die etwa 3000 Mitarbeitenden in Russland.

Das Unternehmen reagierte damit auf eine Aktion von Vitsche, einer ukrainischen Organisation mit Sitz in Berlin. Die hatte in dieser Woche einen Brief an die deutschen Detailhändler Rewe und Edeka geschickt. Darin wurden die Supermarktketten aufgerufen, den Verkauf von Mondelez-Produkten zu stoppen, bis sich das Unternehmen aus Russland zurückzieht.

«Internationale Unternehmen, die weiterhin in Russland tätig sind, finanzieren und verlängern den Krieg gegen die Ukraine», heisst es in dem Brief. Die Organisation wirft Mondelez vor, das Russlands-Geschäft trotz öffentlicher Ankündigung nicht zurückgefahren zu haben. Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland über den Brief berichtet.

Diverse Anpassungen

Mondelez widerspricht den Vorwürfen:

«Wir haben unsere Aktivitäten reduziert, neue Kapitalinvestitionen, die Einführung neuer Produkte und unsere Ausgaben für Werbemittel in Russland gestoppt. Diese Massnahmen haben dazu geführt, dass wir deutlich weniger Produkte verkaufen.»

«Wir werden unsere Aktivitäten weiter reduzieren», sagte eine Sprecherin. «Seit Beginn des Krieges haben wir diese brutale Aggression gegen die Ukraine verurteilt.» Unternehmenszahlen zum Russland-Geschäft nennt Mondelez nicht.

Auf Anfrage von DPA gaben beide Detailhändler an, keine in Russland produzierten Lebensmittel mehr zu verkaufen. Laut Mondelez werden die in Russland verkauften Produkte nicht exportiert, sondern ausschliesslich vor Ort hergestellt und vertrieben.

Das Unternehmen steht auch andernorts bereits wegen seines Russland-Geschäftes in der Kritik. So lässt der schwedische Fussballverband die Zusammenarbeit mit Mondelez seit Juni 2023 ruhen. Zudem setzte die ukrainische Antikorruptionsbehörde den Konzern auf eine sogenannte schwarze Liste.

Auch Nestlé steht auf dieser Liste. Zudem wird auch der Schweizer Mondelez-Konkurrent immer wieder von verschiedenen Seiten dafür kritisiert, weiterhin in Russland tätig zu sein.

Nestlé hat laut eigenen Angaben sein Produktportfolio in Russland drastisch reduziert und «alle nicht wesentlichen Importe und Exporte von und nach Russland gestoppt». Zudem produziert Nestlé in Russland inzwischen nur noch lebenswichtige Güter, also Grundnahrungsmittel. (rbu/sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Schweizer Schokoladenpioniere
1 / 10
Schweizer Schokoladenpioniere
François-Louis Cailler (1796-1852): Er erlernte in Turin das Handwerk des Chocolatiers. Nach seiner Rückkehr nach Vevey eröffnete er in Corsier-sur-Vevey die erste Schokoladenfabrik der Schweiz. Er war es, der die heute noch gängige Tafelform etablierte.
quelle: keystone / gaetan bally
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nestlé immer wieder in der Kritik. Das ist die Geschichte
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
7 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7
Parmelin über Stahlimporte: «Störend, dass Freihandelsabkommen nicht respektiert wird»
Am Mittwoch stellte Wirtschaftsminister Guy Parmelin die Ergebnisse zu Diskussionen zur Stahlindustrie, den Strompreisen und der allgemeinen Lage der Volkswirtschaft vor.

Der Bundesrat will auch künftig keine staatliche Förderung einzelner Unternehmen oder Branchen. Dies gilt auch im Hinblick auf die Schweizer Stahlindustrie. Stattdessen setzt er auf bessere Rahmenbedingungen und - was Branchen mit hohem Stromverbrauch angeht - auf energie- und klimapolitische Massnahmen.

Zur Story