Schweiz
Armee

Bundesrat will Schweizer Armee mit rund 4 Milliarden Franken ausbauen

Bundesrat beantragt rund 3,4 Milliarden Franken für Armeeausbau

20.03.2026, 14:3024.03.2026, 14:58

Neue Feuereinheiten zum Schutz von kritischen Infrastrukturen, modernere Systeme im Kampf gegen Mini-Drohnen und Cyberangriffe: Diese und weitere Beschaffungen für die Armee will der Bundesrat priorisieren. Er hat beim Parlament die entsprechenden Kredite beantragt.

Bundesrat Martin Pfister, links, und Korpskommandant Benedikt Roos, Chef der Armee (CdA), kommen zu einer Medienkonferenz zur Armeebotschaft 2026, am Freitag, 20. Maerz 2025 in Bern. Der Bundesrat wil ...
Bundesrat Martin Pfister und Korpskommandant Benedikt Roos.Bild: keystone

Mit rund 3,4 Milliarden Franken will der Bundesrat die Armee insbesondere besser gegen Angriffe aus der Distanz und im Cyberraum wappnen. Er verabschiedete am Freitag die Armeebotschaft 2026. Dazu gehören auch Zusatzkredite von rund einer halben Milliarde Franken.

Damit stärke der Bundesrat die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen - Angriffe aus der Distanz und hybride Konflikte, hiess es in einer Mitteilung. Abschliessend darüber entscheiden wird das Parlament. Die Vorlage ist nicht dem Referendum unterstellt.

Erhöhtes Kriegsrisiko

«Das Risiko eines Krieges hat sich erheblich erhöht», sagte Verteidigungsminister Martin Pfister in Bern vor den Medien. Auch von hybriden Bedrohungen sei die Schweiz betroffen. Deshalb habe der Bundesrat die Beschaffungen für die Armee neu priorisiert und konsequent auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen abgestimmt. Darauf liege der Fokus der Rüstungsprogramme der nächsten Jahre.

Ursprünglich wollte der Bundesrat alle Fähigkeitsbereiche gleichmässig erhalten und fördern. «Ich bin überzeugt, dass die Priorisierung richtig ist», sagte Pfister. Die in der Verfassung verankerte Schuldenbremse zu umgehen, sei für die Landesregierung keine Option.

Bundesrat Martin Pfister spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Armeebotschaft 2026, am Freitag, 20. Maerz 2025 in Bern. Der Bundesrat will die Abwehr von Angriffen aus der Distanz staerken. Im Ze ...
Verteidigungsminister Martin Pfister spricht in Bern vor den Medien.Bild: keystone

Mini-Drohnen abwehren

2,44 Milliarden Franken in der Armeebotschaft betreffen Rüstungsbeschaffungen. Unter anderem sollen beschränkt wirkende und teils veraltete Fliegerabwehrsysteme kleinerer Reichweite ersetzt werden. Zudem soll die Armee zusätzliche Feuereinheiten beschaffen, um kritische Infrastrukturen besser schützen zu können.

Mit einem weiteren Vorhaben sollen militärische Verbände, die Zivilbevölkerung sowie kritische Infrastrukturen vor Mini-Drohnen geschützt werden. In Ergänzung dazu muss das Luftlagebild mit einem teilmobilen Radarsystem modernisiert werden, wie der Bundesrat schreibt.

Weiter will die Armee weltraumgestützte Fähigkeiten aufbauen und ihre Möglichkeiten zur Mitnutzung ziviler Datennetze erweitern. Ausserdem sollen im Cyberraum und im elektromagnetischen Raum die Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung ergänzt werden.

Schliesslich sollen sämtliche Truppengattungen mit neuen Pistolen ausgerüstet werden (50 Millionen Franken).

Zusatzkredit für Kampfjets

In der Armeebotschaft enthalten sind auch mehrere Zusatzkredite. Einerseits sollen mit rund 400 Millionen Franken die von den USA geltend gemachten Mehrkosten für voraussichtlich dreissig F-35-Kampfjets gedeckt werden. Andererseits sind weitere rund 100 Millionen Franken nötig, um bauliche Massnahmen für die neuen Jets sowie die Sanierung einer Führungsanlage umzusetzen.

Für das Immobilienprogramm beantragt der Bundesrat gut eine halbe Milliarde Franken. Das Geld soll unter anderem für eine unterirdische Anlage verwendet werden, um Flugzeuge der Luftwaffe geschützt unterzubringen. Daneben geht es etwa um Schallschutzmassnahmen neben Militärflugplätzen oder modernere Schiessplätze.

Schliesslich sollen mit einem Zusatzkredit verschiedene Ausbauten und Werterhaltungsmassnahmen an bestehenden Immobilien realisiert werden.

Plan B bedeutet Mehrkosten

Finanziert werden sollen die Vorhaben mittelfristig mit einer Mehrwertsteuererhöhung. Insgesamt benötige die Armee in den nächsten zehn Jahren Mittel im Umfang von rund 31 Milliarden Franken, bekräftigte Pfister frühere Aussagen. Der Bundesrat sei sich bewusst, dass den Bürgerinnen und Bürgern ein realer Beitrag abverlangt werde zur Sicherstellung ihrer Sicherheit.

Pfister gab sich zuversichtlich, dass die in der neusten Armeebotschaft geplanten Rüstungsbeschaffungen getätigt werden können, auch nachdem das Entlastungspaket des Bundesrats im Parlament entschlackt worden ist. Er rechne nicht mit Abstrichen an den Finanzierungsplänen, sagte der Verteidigungsminister. «Ich gehe davon aus, dass das Parlament das so hinkriegt, dass wir das bezahlen können.»

Pfister warnte vor einem Nein zur vom Bundesrat vorgeschlagenen Mehrwertsteuererhöhung: «Wenn wir das nicht machen können, verschieben sich die Beschaffungen für die Armee um mehrere Jahre.» Das hätte weitere Mehrkosten und Fähigkeitslücken zur Folge.

(dab/hkl/sda)

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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Andi Weibel
20.03.2026 15:00registriert März 2018
Der Bundesrat handelt weiterhin komplett strategiefrei. Die Milliarden für den F-35 sind Geld, dass zum Fenster hinausgeworfen ist. Die USA sind schlicht kein vertrauenswürdiger Partner mehr.

Je früher der Bundesrat den Vertrag auflöst und eine europäische Alternative sucht, desto besser.
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f7f9179b-a4b9-41e3-ac6e-f8419baf90f6
20.03.2026 14:54registriert Dezember 2024
Beantragen kann er ja was er will, eine MWSt-Erhöhung kann er sich (hoffentlich) trotzdem sonst wo hin stecken.
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amade.ch
20.03.2026 15:23registriert Mai 2014
Taktisch schlau, das genau jetzt zu tun.
Sparen kann man ja da, wo es den "Leuten" wehtut. Der Armeeausbau an sich wäre nicht tragisch, wenn man nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen müsste, dass a)(einmal mehr) schlecht eingekauft werden wird und b) die Bedrohungslage (ebenfalls einmal mehr) völlig falsch beurteilt wird.
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