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Wie eine Vermögenssteuer für Reiche die Welt gerechter machen soll

Wie eine drastische Vermögenssteuer für Reiche die Welt gerechter machen soll

16.01.2023, 07:59
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Die Hilfsorganisation Oxfam fordert von Regierungen weltweit höhere Steuern auf Vermögen sowie auf «exzessive Übergewinne» infolge von Corona-Pandemie und Inflation. Eine entsprechende Besteuerung der Reichen könne den Weg zu einer gerechteren, nachhaltigen Welt ohne Armut bedeuten.

Reiche Frau auf Penthouse
Eine Vermögenssteuer von 2 Prozent für die Millionäre der Welt, von 3 Prozent auf Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar und 5 Prozent auf Vermögen von Milliardären würde laut Oxfam-Berechnungen jährlich 1,7 Billionen Dollar einbringen.Bild: Shutterstock

Weltweit hungerten 828 Millionen Menschen, erklärte Oxfam in einem anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos am Montag veröffentlichten Bericht. Erstmals seit 25 Jahren hätten extremer Reichtum und extreme Armut gleichzeitig zugenommen.

Laut Oxfam kassierte seit Beginn der Corona-Pandemie das reichste ein Prozent der Weltbevölkerung rund zwei Drittel des weltweiten Vermögenszuwachses. Gleichzeitig lebten 1.7 Milliarden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Ländern, in denen die Inflation derzeit höher sei als die Lohnsteigerungen.

Kritik an Übergewinnen

95 Lebensmittel- und Energiekonzerne hätten ihre Gewinne im Jahr 2022 mehr als verdoppelt und 306 Milliarden Dollar an Übergewinnen erzielt, schrieb Oxfam weiter. Gleichzeitig erlebe die Welt die «wohl grösste Zunahme der weltweiten Ungleichheit und Armut seit dem Zweiten Weltkrieg», kritisierte die Hilfsorganisation unter Berufung auf Daten der Weltbank.

«Während Millionen Menschen nicht wissen, wie sie Lebensmittel und Energie bezahlen sollen, bringen die Krisen unserer Zeit gigantische Vermögenszuwächse für Milliardäre», erklärte Manuel Schmitt von Oxfam Deutschland. Konzerne und ihre «superreichen» Haupteigentümerinnen und Haupteigentümer müssten «endlich ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten».

Die Nonprofit-Organisation (NGO) Solidar Suisse unterstützt die Forderungen von Oxfam, zum Beispiel, dass die Welt als Ausgangspunkt eine Halbierung des Reichtums und der Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre bis 2030 anstreben müsse. Dies könne geschehen etwa durch die Erhöhung der Vermögenssteuer für das reichste ein Prozent der Welt, schrieb Solidar Suisse in einer Mitteilung.

Höhere Vermögenssteuern für Reiche

Eine Vermögenssteuer von 2 Prozent für die Millionäre der Welt, von 3 Prozent auf Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar und 5 Prozent auf Vermögen von Milliardären würde laut Oxfam-Berechnungen jährlich 1.7 Billionen Dollar einbringen. Das würde ausreichen, um 2 Milliarden Menschen aus der Armut zu befreien.

Ausserdem könnten damit laut Mitteilung die Finanzierungslücke für humanitäre Nothilfe der Uno geschlossen und ein globaler Plan zur Beendigung des Hungers finanziert werden. Diese Steuer könnte auch dazu beitragen, Verluste und Schäden zu finanzieren, die durch den Klimazusammenbruch verursacht werden.

In der Schweiz würde eine entsprechende Vermögenssteuer laut Solidar Suisse jährlich 37.1 Millionen Dollar einbringen. Dies allein würde die Steuereinnahmen um 4.6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) erhöhen oder sei genug, um den Gesundheitshaushalt zu verdreifachen. (sda/dpa/afp)

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138 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Unterwasser
16.01.2023 08:37registriert Oktober 2020
Über Details lässt sich diskutieren, aber, dass eine Vermögenssteuer viel gerechter wäre als Einkommensteuer scheint mir eindeutig. Auch wenn man sehr sparsam lebt ist es heute kaum mehr möglich ein Vermögen (für die eigene Altersvorsorge). Gleichzeitig sind die Vermögen durch die Immobilienpreise extrem angestiegen. Die Folge ist: wer Glück hat erbt, der Rest bleibt im Hamsterrad gefangen. Leistung spielt kaum mehr eine Rolle.
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WatSohn?
16.01.2023 08:42registriert Juni 2020
Ich höre die Kritik der braven Bürger in diesem Land jetzt schon: „Typisch Linke. Die wollen Geld verteilen, welches anderen gehört.“ Sie haben noch nicht gemerkt, dass sie selber die nächsten sind, die unten landen, wenn nicht endlich Gegensteuer gegeben wird.
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_kokolorix
16.01.2023 08:27registriert Januar 2015
Dagegen wird die Macht der Reichen mit allen Mitteln ankämpfen. Mit Lobbying, Bestechung, Erpressung und Gewalt.
Dass wird erst passieren, wenn dieser winzigen Minderheit die Pistole an die Brust gesetzt wird.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass diese Leute vor nichts zurückschrecken. Sie töteten Millionen von Menschen um ihre Privilegien zu erhalten, bzw. auszubauen.
Man muss nur schauen wie der Adel funktionierte, der Kolonialismus, die Industrialisierung, die Sklaverei, etc.
Und auch die Klimakatastrophe ist zu grossen Teilen auf diese paar wenigen Leute zurückzuführen.
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