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Asbest-Prozess

Wende im Schmidheiny-Prozess: Anklage hält Vorwürfe für verjährt



Portrait des Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny, aufgenommen im Maerz 1997 in Zuerich, Schweiz. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Stephan Schmidheiny Bild: KEYSTONE

Überraschende Wende im Asbest-Prozess gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny vor dem Obersten Gericht Italiens: Der Vertreter der Anklage, Generalstaatsanwalt Francesco Iacoviello, hat am Mittwoch vor die Annullierung des Urteils der Vorinstanz beantragt. Die Vorwürfe seien verjährt. 

Iacoviello erklärte vor dem Kassationshof in Rom, das Delikt habe 1986 geendet, als das letzte italienische Eternit-Werk geschlossen wurde und damit die Emissionen von Asbest-Fasern in die Umwelt geendet hätten. Dies sagte Schmidheinys Sprecherin Elisabeth Meyerhans auf Anfrage. Sie bestätigte damit Informationen italienischer Nachrichtenagenturen. 

Der Antrag des Generalstaatsanwalts löste unter den Zuschauern, darunter Angehörige von Asbest-Opfern, Proteste aus. Ioacoviello erklärte, für ihn sei offensichtlich, dass Schmidheiny für das Vorgefallene verantwortlich sei. 

Antrag wider Willen 

Doch für einen Richter gelte, dass er stets auf Seiten des Gesetzes stehen müsse, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, wie die Nachrichtenagentur AdnKronos berichtete. In gewissen Momenten stünden Gesetz und Gerechtigkeit in Opposition zueinander. 

Schmidheiny war im Juni 2013 in zweiter Instanz vom Appellationshof in Turin zu 18 Jahren Gefängnis und Entschädigungszahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro verurteilt worden. Das Berufungsgericht hatte den Unternehmer der vorsätzlichen Verursachung einer bis heute andauernden Katastrophe für schuldig befunden. 

Dagegen erachtete das Berufungsgericht damals den zweiten Vorwurf, Schmidheiny habe absichtlich Sicherheitsmassnahmen in zwei italienischen Eternit-Werken missachtet, als verjährt. 

Urteil könnte am Mittwoch fallen

Nach dem Pläydoyer des Generalstaatsanwalts vertagte sich das Gericht bis um 15 Uhr am Nachmittag. Danach werden die Zivilparteien im Asbest-Prozess ungehört. 

Das Urteil der Richter des Obersten Gerichts könnte noch am Mittwochabend verkündet werden. In Italien wird das Urteil aber erst im Laufe der Woche erwartet. 

Im Verfahren geht es um nahezu 3000 durch Asbest erkrankte oder an asbestbedingten Krankheiten verstorbene Menschen im Zusammenhang mit den vier Eternit-Werken in Italien. Die von Stephan Schmidheiny ab 1976 geführte Schweizerische Eternit-Gruppe SEG war von 1973 bis zum Konkurs 1986 zunächst grösster und später Hauptaktionär der Eternit (Italia) SpA. (aeg/sda/ans/adn) 

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