Darum kommt es wieder nicht zur Heirat zwischen Glencore und Rio Tinto
Viermal standen Rio Tinto und Glencore in den vergangenen 15 Jahren vor dem Altar. Nun ist die Elefantenhochzeit der beiden Rohstoffkonzerne zum vierten Mal geplatzt. Wieder ging es ums Geld und um die Machtverteilung.
Am 8. Januar bestätigten Rio Tinto und Glencore Börsengerüchte, nach denen Rio Tinto eine Übernahme von Glencore plane und die entsprechenden Verhandlungen im Gange seien. Gemäss den Regeln des britischen Übernahmerechtes hätte Rio Tinto eigentlich diese Woche den Glencore-Aktionären eine formelle und verbindliche Offerte unterbreiten müssen. Es kam nicht dazu.
Rio Tinto habe in dem vereinten Unternehmen sowohl die Position des Verwaltungsratspräsidenten wie auch jene des CEO und somit quasi die Eigentümerschaft beansprucht, heisst es in einer Pressemitteilung von Glencore, die nach dem Rückzug von Rio Tinto verbreitet wurde. Die Zuger waren von Beginn weg in der Rolle des Juniorpartners. Rio Tinto war am 8. Januar an der Börse rund 110 Milliarden Dollar wert, Glencore hingegen nur 66 Milliarden Dollar. Aber Glencore fand, Rio Tinto hätte sich die Besetzung der beiden Schlüsselpositionen in dem kombinierten Unternehmen mit der Bezahlung einer angemessenen Kontrollprämie an die Glencore-Aktionäre erkaufen müssen – oder auf eine der beiden Schlüsselpositionen verzichten sollen.
Konkreter wird offiziell niemand. Aber aus dem Umfeld der Firmen hört man Zahlen. So heisst es, Glencore habe für die eigenen Aktionäre einen Anteil an der kombinierten Unternehmung von ungefähr 40 Prozent verlangt. Damals, zu den Börsenkursen des 8. Januars, hätte der wertmässige Anteil der Glencore-Aktionäre an dem kombinierten Unternehmen rund 37 Prozent betragen. Inzwischen beträgt er exakt 40 Prozent. Die Wertung, ob Rio Tinto-Chef Simon Trott zu knauserig oder Glencore-Chef Gary Nagle zu gierig war, ist selbstredend vom Standpunkt des Betrachters abhängig.
Naheliegend ist die Vermutung, dass das letzte Wort bei Glencore nicht Gary Nagle sondern dessen Vorgänger Ivan Glasenberg gesprochen hat. Glasenberg war während vieler Jahre CEO von Glencore und besitzt immer noch einen Anteil von rund 10 Prozent an der Firma. Er ist der grösste Aktionär von Glencore und soll dort im Hintergrund nach wie vor die Fäden ziehen, sagt ein Insider.
Abschied aus dem Kanton Zug kein Thema mehr
Die Katar Investment Authority, ein staatlicher Fonds des Golf-Emirates, besitzt als zweitgrössste Glencore-Aktionärin 8,5 Prozent. Zu den Eigentümern gehören auch viele der hoch bezahlten Manager und Rohstoffhändler, die grösstenteils in Zug tätig sind und in der Schweiz leben. Die grösste Aktionärin von Rio Tinto ist die staatliche chinesische Chinalco-Gruppe.
Glencore will nun die bisherige Strategie weiterverfolgen und mit den Einnahmen aus dem Kohlegeschäft die Erneuerung und den Ausbau der Kupferförderung finanzieren. Im vergangenen Jahr war die Kupferproduktion bei Glencore deutlich rückläufig und sie dürfte auch im laufenden Jahr nicht steigen. Für die Jahre danach prognostiziert Glencore einen starken Produktionsanstieg. Eine mögliche Verschiebung des Glencore-Hauptsitzes nach London oder Melbourne ist mit dem Rückzug von Rio Tinto kein Thema mehr. Auch der für den Fiskus besonders lukrative Rohstoffhandel wird dem Kanton vorerst erhalten bleiben.
Allerdings ist der Kampf um die begehrten Kupfer-Ressourcen im Rohstoffsektor noch lange nicht entschieden. Es ist deshalb gut möglich, dass Glencore bald wieder vor dem Hochzeitsaltar landet. Inzwischen dürfte sich in der Branche allerdings herumgesprochen haben, dass Glencore und Glasenberg schwer zufriedenzustellen sind. (aargauerzeitung.ch)
