Dollar-Gegenwind, Trump-Deal und Forschungsflops: Roche kommt unter Druck
US-Präsident Donald Trump werkelt unaufhaltsam am Niedergang des Dollars. Erdrückende Schulden, Zoll-Chaos, Angriffe auf die Notenbank: All dies drückt den Kurs der US-Währung. Seit Anfang 2025 verlor der Dollar zum Schweizer Franken 13 Prozent an Wert.
Diese Entwicklung spürt auch der Basler Pharmakonzern Roche, der seine Zahlen in Schweizer Franken ausweist. CEO Thomas Schinecker sprach von einer «ausserordentlich starken Aufwertung des Frankens», weshalb das Unternehmen im ersten Quartal des laufenden Jahres 5 Prozent weniger Umsatz vermelden musste. Die Verkäufe lagen bei 14,7 Milliarden Franken. Gewinnzahlen gibt Roche nur halbjährlich bekannt.
In konstanten Wechselkursen zeigte sich allerdings ein anderes Bild: Dort resultierte ein Wachstum von 6 Prozent. Als global tätige Firma sei dies der wegweisende Wert, betonte Schinecker. In US-Dollar hätte der Zuwachs gar 9 Prozent betragen. Der Währungseffekt ist massiv. Vor kurzem präsentierte Schinecker vor Journalisten eine Grafik, die den Gesamtumsatz in Dollar zeigt. Gemessen am Dollar-Umsatz wäre Roche die zweitgrösste Pharmafirma auf der Welt.
Kassenschlager muss bald abgelöst werden
Der stark schwankende Wechselkurs erschwert zwar die Geschäftsprognosen, weil stets eine Annahme zur Dollarentwicklung getroffen werden muss. Doch ein eigentliches Problem sieht Schinecker darin nicht. Denn Roche verbucht nicht nur einen Grossteil der Einnahmen in Dollar, sondern hält auch die Schulden in der US-Währung. Ebenso tätigt der Konzern die meisten Firmenkäufe in Amerika.
Trotzdem zeigen die neuen Quartalszahlen Risse. Die Verkäufe in Europa brachen wechselkursbereinigt um 1 Prozent ein, in Franken gar um 4 Prozent. Hier zeigte sich etwa die zunehmende Konkurrenz beim Arthritis-Medikament Actemra. Dieses hat den Patentschutz verloren. Ebenso konnte Roche mit seinem Kassenschlager Ocrevus weltweit nicht so stark wachsen, wie Analysten angenommen hatten.
Noch muss das Roche nicht beunruhigen. Das Multiple-Sklerose-Mittel Ocrevus spülte letztes Jahr über 7 Milliarden Franken in die Kasse. Es war das umsatzstärkste Medikament des Konzerns. Doch gegen Ende des Jahrzehnts werden diese Einnahmen schwinden. Ocrevus könnte ab 2028 den Patentschutz verlieren. Wenig hilfreich ist zusätzlich, dass Kritik an den Nebenwirkungen aufgekommen ist.
Um diese Verluste zu ersetzen, muss Roche bald nachlegen. Doch zuletzt musste der Konzern Rückschläge hinnehmen. Ein Abnehmmedikament auf Basis des Hormons Amylin sorgte in einer Studie für weniger Gewichtsverlust als vergleichbare Medikamente der Konkurrenz.
Durchzogene Bilanz bei Umsatzhoffnung
Auch beim Brustkrebsmedikament Giredestrant enttäuschten kürzlich die Daten zur Behandlung der fortgeschrittenen Variante. Die Antihormontherapie richtet sich an Patientinnen mit sogenanntem hormonrezeptorpositivem Brustkrebs. An dieser Form leiden 70 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen. Die meisten davon erhalten die Diagnose in einem frühen Stadium.
Deshalb glaubt Roche weiter, dass Giredestrant dereinst zum «wertvollsten» Medikament des Konzerns werden könnte, wie Schinecker verschiedentlich betont hat. Denn im frühen Stadium hat sich die Pille bewährt: Das Todes- und Rückfallrisiko nahm um 30 Prozent ab. Roche ist deshalb überzeugt, dass hier die Therapie zum neuen Goldstandard werden könnte. Über eine Zulassung entscheidet die US-Behörde FDA Ende Jahr. Die Prognosen belaufen sich auf Spitzenumsätze von bis zu 14 Milliarden Dollar. Das wäre doppelt so viel wie einst bei Herceptin, einem früheren Kassenschlager des Konzerns.
Die Lancierung des Krebsmittels in den USA wird nicht nur zeigen, ob es Roche zu weiterem Wachstum verhelfen kann. Die Basler müssen auch erstmals ihren Deal mit dem US-Präsidenten einlösen. Der Konzern hat Donald Trump versprochen, künftig Therapien nicht teurer als in vergleichbaren Ländern zu verkaufen. Dies dürfte die Preisdebatte in Europa nochmals anheizen. (aargauerzeitung.ch)
