Wirtschaft
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Hansruedi Weber, Praesident des Vereins Monetaere Modernisierung, vor einer Medienkonferenz ueber die Lancierung der Vollgeld-Initiative, am Dienstag, 3. Juni 2014 in Bern. Nach Willen des Vereins Monetaere Modernisierung soll kuenftig nur noch die Nationalbank dazu berechtigt sein, elektronisches Geld zu erzeugen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hansruedi Weber vom Initiativkomitee heute vor den Medien. Bild: KEYSTONE

«Vollgeld-Initiative»

Volksinitiative lanciert: Nur die Nationalbank soll Geld drucken dürfen



Die Nationalbank soll bei der Geldschöpfung das Monopol haben. Das verlangt der überparteiliche Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) mit einer Volksinitiative. Er hat bis am 3. Dezember 2015 Zeit die für ein Zustandekommen nötigen 100'000 Unterschriften zu sammeln.

Die Initianten fordern, dass der Bund allein das Recht hat, Münzen, Banknoten und Buchgeld zu schaffen. Letztes wäre eine Neuerung. Das heutige Kreditwesen der Banken ist den Verfechtern der Vollgeld-Theorie ein Dorn im Auge.

Der Beginn der Sammelfrist für die Vollgeld-Initiative wurde am Dienstag im «Bundesblatt» publiziert. Die Initiative wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat, dem mehrere Professoren angehören.

Geldmenge nach demokratischen Gesetzen

Nur ein geringer Teil des Geldes ist «richtiges Geld», Münzen und Noten, für welche die Nationalbank garantiert. Weil Banken für eine Kreditvergabe nur eine kleine Fraktion von Zentralbankgeld vorhalten müssen, können sie praktisch beliebig Buchgeld schöpfen – und dieses neben Krediten auch zur Spekulation einsetzen.

Das wollen die Initianten ändern. Die Banken könnten laut dem Vorschlag zwar weiterhin Kredite vergeben. Allerdings läge es einzig am Bund, die Wirtschaft mit Geld und Krediten zu versorgen. 

Philippe Mastronardi, emeritierter Professor für Öffentliches Recht an der Universität St. Gallen, formuliert es so: «Die Nationalbank bestimmt die Geldmenge nach demokratischen Gesetzen. Die Banken bestimmen die Verteilung des Geldes nach Marktgesetzen.»

Keine Änderungen für den normalen Kunden

Die Initianten erhoffen sich von der Vollgeldreform mehrere Vorteile: Weil Banken nicht mehr «übermässig Geld herstellen könnten», würden Finanzblasen verhindert. Bankenrettungen durch Steuergelder würden überflüssig, weil das Geld auf Privatkonten «nun dem Geldbesitzer gehören wie das Bargeld im Portemonnaie oder Tresor». Zudem würde der Franken sicherer, da das Geld- und Bankensystem bei Bankenpleiten und Finanzkrisen nicht ins Wanken käme.

Die Initianten betonten, man wolle die Banken keineswegs verstaatlichen. Es gehe einzig darum, dass diese kein Geld mehr schöpfen könnten. «Nachdem vor über 100 Jahren die Nationalbank das Monopol für den Druck von Banknoten erhalten hat, ist es an der Zeit, dieses Monopol auf das elektronische Geld auszuweiten», sagte der Ökonom Reinhold Harringer, Mitglied des Initiativkomitees und ehemaliger Leiter des Finanzamtes der Stadt St. Gallen.

Für den normalen Bankkunden würde sich nicht viel ändern, sagte Harringer. «Das Geld würde von der Bank aber nur noch treuhänderisch und ausserhalb der Bankbilanz verwaltet und die Bank kann das Geld auf diesen Konten nicht mehr für Kredite ausleihen.» Wolle der Bankkunde einen Zins, könne er sein Geld auf einem Spar- oder Anlagekonto anlegen. Diese Mittel könnte die Bank dann für die Kreditvergabe verwenden. (jas/sda)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 04.06.2014 11:24
    Highlight Highlight Vollgeld-Initiative: Unterschriftensammlung läuft!

    Nur 10 Prozent der umlaufenden Geldmenge sind Münzen oder Noten der Nationalbank. 90 Prozent der Geldmenge sind kein Nationalbankgeld, sondern Giralgeld der Geschäftsbanken. Ein Kredit wird von Banken nicht aus Spargeldern von anderen Bankkunden weitervermittelt, sondern per Gutschrift praktisch selbst aus dem Nichts geschöpft. Finanzinstitute sind Geldschöpfungsmultiplikatoren. Limitiert wird diese Kreditgeldschöpfung durch Mindestreserven und durch Eigenkapitalvorschriften. Diese Begrenzungen sind aber wenig wirksam und können umgangen werden. Deswegen kommt es immer wieder zu Blasenbildungen. Das führt zwar nicht immer zu Inflation, aber treibt die Spekulation an – zurzeit insbesondere auf dem Immobilienmarkt.
    Die Vollgeldreformer Huber, Binswanger und der Schweizer Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) fordern in ihrer Initiative, dass es statt Buchgeld der Geschäftsbanken nur Vollgeld – das ist Zentralbankgeld – gibt. Nur die Notenbank soll Geld schöpfen dürfen und nicht die Geschäftsbanken. Mit einer Vollgeldreform wäre das Geld auf dem Bankkonto in vollem Umfang von der Notenbank gedeckt. Die Sparguthaben wären in einer Bankenkrise deshalb nicht gefährdet. Vor allem aber würde aus dem per Kreditschuld geschöpften Giralgeld gedecktes Geld. Die Geschäftsbanken vergäben Kredite nur mit vorhandenem Vollgeld, das sie sich von Sparern oder auf dem Finanzmarkt besorgen.
    Mit einer Vollgeldreform erlangt die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge und kann damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.
  • MediaEye 03.06.2014 17:43
    Highlight Highlight Sehr gute Idee, dies muss unbedingt weiter verfolgt werden!
    Dann wäre auch Schluss mit dem rund um den Erdball marodierendem #Phamtomgeld, welchem kein reeller Wert entgegen steht
    • ex00r 03.06.2014 19:12
      Highlight Highlight Wir wollen nicht schon von "rund um den Erdball" reden. Der CHF ist doch eine kleine Währung im Welt-Devisenmarkt, aber ich stimme zu, ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht folgten ja andere Länder dem Schweizer Beispiel?

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