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Zwei Drittel aller Züge sind verspätet: Die SBB-Eurocity kreuzen sich auf dem Weg von Zürich nach München.
Zwei Drittel aller Züge sind verspätet: Die SBB-Eurocity kreuzen sich auf dem Weg von Zürich nach München.printscreen: youtube Michael D. Bahnverkehr

«Unhaltbare Zustände» – Verspätungs-Chaos auf SBB-Verbindung München–Zürich

Seit dem Fahrplanwechsel sollten die SBB-Eurocity 30 Minuten schneller zwischen Zürich und München verkehren. Doch der Plan geht nach hinten los: Zwei Drittel aller Züge sind verspätet. Erinnerungen an das Cisalpino-Debakel werden wach.
27.01.2022, 05:4528.01.2022, 09:49

Schneller mit dem Zug ins Hofbräuhaus oder an den Bayern-Match: Seit Fahrplanwechsel fahren die SBB auf drei der täglich sechs Eurocity-Verbindungen in nur noch 3,5 statt wie bislang vier Stunden nach München. So steht es zumindest in der Werbung und im Online-Fahrplan.

In der Realität erleben die SBB derzeit zwischen der Limmatstadt und der Isar-Metropole ein regelrechtes Verspätungschaos. Dieses erinnert an die unliebsamen «Cisalpino»-Zeiten im Italienverkehr in den 2000er-Jahren, als Pannen und chronische Verspätungen die Nerven der Reisenden strapazierten.

Zwei Drittel aller Züge verspätet

Seit dem 1. Januar sind etwa bei der beschleunigten Verbindung EC 98 (München ab 16.52 Uhr) gerade einmal sieben Züge pünktlich in Zürich angekommen. Zweimal fiel der Zug laut zugfinder.net ganz aus. Öfter trafen die «Astoro»-Neigezüge mit einer Verspätung von 20 bis 35 Minuten in Zürich ein. Zweimal mit 60 Minuten und mehr.

Verspätungen ohne Ende: Wer mit der SBB von und nach München reist, braucht derzeit etwas Geduld.
Verspätungen ohne Ende: Wer mit der SBB von und nach München reist, braucht derzeit etwas Geduld. Bild: imago

Der EC 98 ist nicht einfach ein negativer Ausreisser: Laut SBB ist seit dem Fahrplanwechsel auf der Strecke Zürich–München bloss jeder dritte Zug pünktlich am Zielort eingetroffen – zwei Drittel aller Verbindungen sind also verspätet. «Wir bedauern dies und setzen alles daran, die Situation so schnell wie möglich zu verbessern», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli zu watson.

Wo liegt das Problem? In entsprechenden Statistik-Portalen tauchen eine Vielzahl von Gründen auf. «Reparatur am Zug, defektes Stellwerk, Verspätung eines vorausfahrenden Zuges, ärztliche Versorgung eines Fahrgastes».

Probleme ohne Ende

Die Ursachen für die Verspätungen sei eine Kumulation von verschiedenen Ereignissen, sagt der SBB-Sprecher: «Dies macht eine Lösung schwieriger», so Schärli. Einerseits fänden in Lindau teilweise längere Grenzkontrollen durch die Behörden statt, anderseits gebe es bei der Durchfahrt in Österreich Langsamfahrstellen aufgrund von Bauarbeiten. «Der Fahrplan an sich ist stabil konzipiert.» Aber bei einer Kumulation von Verspätungsgründen könne sich der Fahrplan aufgrund von Zugkreuzungen und engen Taktverkehren nicht mehr erholen, so Schärli.

Zug fällt wegen Crash mehrere Wochen aus

Ein Unglück kommt selten allein. Wie chmedia Anfang Januar berichtete, kollidierte ein Astoro-Neigezug am 27. Dezember mit einer Rangierlok. Dies ist insofern ein gröberes Problem, als die Komposition als eine von wenigen mit dem neuen Zugsicherungssystem ausgestattet ist.

Denn die schnelleren Verbindungen sind nur möglich, weil die nachgerüsteten Züge die sogenannte «dynamische Transition» beherrschen und der Wechsel der verschiedenen Stromsysteme an der Grenze in St. Margrethen keinen längeren Zwischenhalt mehr nötig macht. Längst sind aber nicht alle 19 Astoro-Züge auf dem neusten Stand.

Passagiere müssten an Grenze umsteigen

Das sorgt für weitere Unannehmlichkeiten für die Passagiere: «Das Fahrzeug wurde so stark beschädigt, dass es für mehrere Wochen ausfällt», so Schärli zu watson. Dadurch müssten teilweise nun Züge eingesetzt werden, die an der Grenze manuell in das andere Zugsicherungssystem wechseln müssten. Die Folge sind weitere Verspätungen.

Bei den anderen Verbindungen müssen die Passagiere mit einem Interregio von Zürich nach St. Margrethen fahren und dort auf die EC-Kompositionen umsteigen. Aktuell verkehren also weniger Direktzüge zwischen Zürich und München als noch vor dem Fahrplanwechsel.

«Der jetzige Zustand ist unhaltbar.»
Edwin Dutler, Pro Bahn

Edwin Dutler, Vorstandsmitglied der Passagiervereinigung Pro Bahn, ist entrüstet über die aktuelle Situation. «Ob Corona, unfertige Baustellen, zu wenig geeignetes Rollmaterial oder konzeptionelle Fahrplan-Planungsfehler interessiert den Reisenden eigentlich nicht – Tatsache ist einfach, der jetzige Zustand ist unhaltbar.»

Wer derzeit von Zürich nach München fährt oder umgekehrt, sollte also mehr Reisezeit einplanen. Ursprünglich wollten die SBB bis im April alle sechs Verbindungen auf eine Reisezeit von dreieinhalb Stunden verkürzen. Ob diese Pläne eingehalten werden können, ist noch unklar.

Die Eurocity verkehren seit Dezember 2020 auf der neu elektrifizierten Strecke Lindau-München. Die Premierenfahrt endete übrigens mit einer Panne. Der SBB-Eurocity wurde auf ein stromloses Gleis geleitet und musste von einer Diesellok abgeschleppt werden.

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156 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Holiduli
27.01.2022 05:59registriert Oktober 2015
Leider ist wohl zu genüge bekannt, dass die Eisenbahnen im umliegenden Ausland bei weitem nicht so zuverlässig sind wie in der Schweiz, gerade in Deutschland. Solche Internationalen Verbindungen wie Zürich - München, aber auch eine allfällige Bodensee S-Bahn, die DB Züge in Schaffhausen oder auch der Leman Express sind zwar in der Theorie eine wünschenswerte Sache, doch wir gefährden damit die Stabilität unseres Öffentlichen Verkehres in dem wir uns von der Unzuverlässigkeit der Deutschen Infrastruktur oder der Streikwilligkeit der Franzosen abhängig machen.
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Knut Knallmann
27.01.2022 06:43registriert Oktober 2015
Die ausgebaute Strecke zwischen Lindau und München bleibt auch nach der Elektrifizierung grösstenteils einspurig, was die Verspätungsanfälligkeit stark erhöht. Zusammen mit dem knappen Bestand an umgebauten Zügen, den Bauarbeiten in Österreich und dem sehr stark ausgelasteten Abschnitten in der Schweiz (was das Aufholen von Verspätungen verunmöglicht) und schon ist das Chaos perfekt.
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maylander
27.01.2022 07:24registriert September 2018
Die Schweiz, Deutschland und Österreich haben das selbe Stromsystem mit 16kV und 16,7 Hz.
Nur der Stromabnehmer hat eine andere Breite.
Viel Entscheidender ist ,dass die Züge mit den verschiedenen Zugsicherungen klar kommen und dass die Strecke ab Lindau endlich elektrifiziert worden ist.
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