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SRG-Belästigungs-Skandal: Noch einmal 2 neue Fälle



Gilles Marchand, directeur de la RTS, parle lors d'une conference de presse de la Radio Television Suisse (RTS) sur le lancement de la nouvelle grille d'Espace 2, ce jeudi 25 aout 2016, a Lausanne. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

Unter Beschuss: SRG-Generaldirektor Direktor Gilles Marchand. Bild: KEYSTONE

Nach der dritten Untersuchung beim Westschweizer Fernsehen RTS wegen des problematischen Arbeitsklimas kommen immer noch neue Fälle ans Licht. Heute präsentierte die Kanzlei Collectif de Défense (CDD) ihren Bericht zu den Zeugenaussagen, die sie über die Whistleblowerhotline zusammengetragen hatte. Man habe mit Mitarbeitern Gespräche geführt und die Geschehnisse der letzten 20 Jahre damit belichten wollen, heisst es in einer Mitteilung.

«Aus all den Rückmeldungen auf den Zeitraum der letzten 20 Jahre zurück, die das CDD nun in den letzten Wochen noch analysiert hat, haben sich zwei Fälle ergeben, die nun noch zusätzlich genauer untersucht werden», bestätigt SRG-Sprecher Edi Estermann gegenüber watson.

Zudem werde man mit fünf noch bei RTS aktiven Mitarbeitern «über die Null-Toleranz bei problematischen Handlungen und Diskriminierung» am Arbeitsplatz Gespräche führen. Neun nicht mehr im Betrieb arbeitende Personen werden informiert, dass sie im Bericht erwähnt wurden.

Massnahmenkatalog erarbeitet

Nach den Enthüllungen von sexuellen Belästigungen beim Westschweizer Radio und Fernsehen RTS und beim italienischsprachigen RSI hat die SRG einen Massnahmenkatalog zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschlossen. Die Umsetzung überwacht eine nationale Arbeitsgruppe, die direkt dem Verwaltungsrat berichtet.

Der Katalog umfasst 25 konkrete Massnahmen, wie die SRG SSR am Donnerstag mitteilte. Die Massnahmen basieren auf den externen Untersuchungen vom November 2020. Im Zuge der aufgedeckten Belästigungen beschloss das Unternehmen, die konkreten Fälle transparent aufzuarbeiten und auf einen Kulturwandel hinzuarbeiten. Die Unternehmenskultur wird neu als strategisches Ziel definiert.

Den Start bildet das vom Verwaltungsrat verabschiedete Massnahmenpaket. Dabei setzt die SRG SSR auf die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Stufen. In einer ersten Welle soll der Schutz der persönlichen Integrität verbessert werden.

Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina erklärte gemäss Communiqué, die Umsetzung des Pakets beginne sofort. Ihm sei es ein grosses Anliegen, dass niemand mehr inakzeptable Arbeitsbedingungen hinnehmen müsse, und ein Klima gegenseitigen Respekts weitere Vorfälle verhindere.

SRG-Generaldirektor Direktor Gilles Marchand versicherte, dass er sich für Null-Toleranz einsetzen werde. Das Unternehmen werde gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Sanktionen gegen zwei Mitarbeiter

Der Verwaltungsrat reagierte mit den externen Untersuchungen und dem aktuellen Massnahmenkatalog auf die Vorwürfe sexueller Belästigungen und Mobbings beim RTS, welche die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» veröffentlicht hatte. Die Betroffenen berichteten der Zeitung von offener Belästigung, ungewollten Küssen, anzüglichen Kommentaren und systematischem Machtmissbrauch.

Angeschuldigt wurden drei Mitarbeiter, darunter Darius Rochebin, langjähriger Star-Moderator der RTS-Tagesschau. Die von der SRG eingesetzten unabhängigen Experten attestierten ihm eine weisse Weste. Ein Kadermitarbeiter musste aber gehen, ein weiterer Mitarbeiter wurde sanktioniert.

Obwohl es zu keinen gravierenden Fehlern in der Chefetage gekommen war, verliessen auch der TV-Chefredaktor und der Leiter der Personalabteilung den Sender.

SRG-Generaldirektor Marchand war zum Zeitpunkt der Ereignisse Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS). Der SRG-Verwaltungsrat sprach ihm aber sein Vertrauen aus. Zwar hatte er seine «sekundäre Aufsichtsverantwortung» zu wenig wahrgenommen. Ihm seien aber keine «gravierenden Fehler» vorzuwerfen, hielten die externen Gutachter fest. Auch der aktuelle RTS-Chef Pascal Crittin behielt seinen Job.

Neben den Vorfällen bei RTS tauchten auch beim Tessiner Fernsehen Radiotelevisione svizzera (RSI) auf. Die Mediengewerkschaft SSM registrierte 32 Beschwerden wegen sexueller Übergriffe, Mobbings und weiterer Persönlichkeitsverletzungen. Auch dort wurde eine externe Untersuchung eingeleitet. (thi/aeg/sda)

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