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Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse, spricht am Europa Forum in Luzern am Mittwoch, 4. Dezember 2019. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Wehrt sich gegen Kritik: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Bild: KEYSTONE

Enthüllungen bringen CS-Chef in Rage – die Bank schickt ihren Schweiz-Chef an die Front

In der Beschattungsaffäre um den früheren Credit-Suisse-Manager Iqbal Khan hat das Endspiel begonnen.

Daniel Zulauf / ch media



Ein typisches Merkmal dafür ist der Umstand, dass sich die Reihen auf dem Schachbrett stark gelichtet haben. Schwere Figuren wie Khan und Olivier Bouée, der vormalige Betriebschef und langjährige Weggefährte von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam, sind schon seit geraumer Zeit aus dem Spiel.

Von Khan ist seit seinem Wechsel zur UBS im vergangenen Oktober nichts mehr in der Sache zu hören. Bouée wurde bereits im September geschlagen, als er im Rahmen einer Untersuchung der Anwaltskanzlei Homburger die Hauptverantwortung für Khans Beschattung übernommen hatte. Nach einer zweiten Untersuchung, die im Dezember auch die Beschattung des früheren Personalchefs Peter Goerke bekannt machte, wurde Bouée fristlos entlassen. Auch leichtere Figuren wie der vormalige Credit-Suisse-Sicherheitschef Remo Boccali sind nicht mehr auf dem Feld.

König und Dame sind noch auf dem Feld

Zurückgeblieben sind mit dem Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner der König und mit Thiam die mächtige Dame. Diese müssen sich nun selbst stärker ins Zeug legen und das verbleibende Figuren-Material in Stellung bringen, um wenigstens noch ein Remis herauszuholen. Anschauungsunterricht für diese gespannten Endspiel-Situation lieferte die Berichterstattung in der Wochenendpresse.

Die «NZZ am Sonntag» enthüllte neue Hintergründe, wie es zum Streit zwischen Khan und Thiam gekommen war. Demnach soll sich der Konflikt nicht erst durch nachbarschaftliche Querelen im Villenquartier von Herrliberg oberhalb des Zürichsees entzündet haben. Gemäss der Zeitung soll es zwischen den beiden schon 2018 zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Thiam habe Khan beauftrag, schmutzige Wäsche gegen den früheren europäischen Vermögensverwaltungschef Claudio de Sanctis zu sammeln, weil dieser eine zu starke Stellung im CS-Management zu erlangen drohte. Der Bericht suggeriert, dass Thiam die Macht des befreundeten Duos Khan und de Sanctis brechen wollte. Khan soll sich geweigert haben, den Auftrag des Chefs auszuführen, was dieser als Loyalitätsbruch gewertet habe.

Thiam reagiert empört und kommunizierte via Instagram postwendend: Die in dem Artikel verbreiteten Informationen seien «komplett falsch und verleumderisch». Er sei ein Verfechter der freien Meinungsäusserung und der freien Presse, aber das Ausmass der Fehlinformationen haben in den vergangenen Monaten eine Dimension angenommen, dass es nicht mehr richtig sei darüber zu schweigen, schrieb Thiam.

Thomas Gottstein, CEO Credit Suisse Schweiz, links, und Roger de Weck, Generaldirektor SRG SSR, rechts, posieren an den Credit Suisse Sports Awards 2016, am Sonntag, 18. Dezember 2016, in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Will er an die CS-Spitze? Schweiz-Chef Thomas Gottstein (links) zusammen mit Roger de Weck. Bild: PPR

Ebenfalls in der «NZZ am Sonntag» war auch ein ganzseitiges Interview mit Credit-Suisse-Schweiz-Chef Thomas Gottstein zu lesen. Der altgediente Manager lieferte seinem Chef die dringend nötige Rückendeckung. Angesprochen auf die Überwachungsaffäre sagte er: «Wenn unsere Firmenkultur vergiftet wäre, hätten wir nicht so viele langjährige und loyale Mitarbeiter.» Er habe stets betont: «Das Letzte, was wir anstreben, ist eine Angstkultur.»

Thiam scheint fest im Sattel zu sitzen

Nach Khans Ausscheiden gilt Gottstein als stärkste Figur hinter Thiam im Credit-Suisse-Management. Auf die Frage, ob er sich den Job als CEO vorstellen könnte, sagte er: «Es besteht keine Vakanz. Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe, die mir Freude bereitet.»

Dass sich Gottstein nicht nur über seine Arbeit in der eigenen Division, sondern vielmehr auch über strategische Fragen des Konzerns geäussert hat, dürfte auch ganz im Sinne seines Präsidenten Rohner sein. Dieser muss seinen Aktionären zeigen, dass es im Fall eines Rücktritts von Thiam auch in den eigenen Reihen noch gute Kandidaten für eine Nachfolge gäbe.

Thiam scheint allerdings nach wie vor fest im Sattel zu sitzen, wie aus dem Umfeld des Verwaltungsrates zu hören ist. Der CS-Chef geniesst insbesondere die Unterstützung grosser Aktionäre wie des US-Investmentfonds Harris Associates oder des katharischen Staatsfonds.

Ein Risiko für den Chef ist allerdings, dass der im Dezember von der Finanzmarktaufsicht (Finma) eingesetzte Prüfbeauftragte neue, belastende Fakten zu der Beschattungsaffäre auf den Tisch bringen kann. Die Nachrichtenagentur Reuters vermeldete am Sonntag, die Finma nehme spezifisch die Rolle der obersten Führung unter die Lupe. Geprüft werde insbesondere, ob Kontrollmängel zu der Bespitzelungsaffäre geführt hätten. Je nach Ergebnis der Untersuchung könnte die Finma weitere personelle Konsequenzen verlangen. Offen ist auch, ob Bouée seine Klagedrohung wahrmachen will und ebenfalls neue Sachverhalte in der Affäre ans Tageslicht bringen kann.

Rohners Tage als Verwaltungsratspräsident sind derweil gezählt. Er soll im Frühjahr 2021 wie geplant seinen Rücktritt nehmen. (bzbasel.ch)

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