Iran-Krieg: Was bei uns jetzt schon teurer ist
Das Bundesamt für Statistik hat am Dienstag den Landesindex der Konsumentenpreise für den April veröffentlicht. Demnach zieht die Inflation in der Schweiz wieder an. Im April lagen die Preise durchschnittlich um 0,6 Prozent höher als im Vorjahr. Das ist der grösste Anstieg seit dem Dezember 2024.
Damals war die Inflation im Sinken begriffen, nach einem inflationären Doppelschlag. Erst hatten die Umwälzungen nach der Coronakrise die Preise mit Wucht in die Höhe getrieben. Dann kam im Jahr 2022 ein Energiepreisschock hinzu, als Russlands Präsident Wladimir Putin die Ukraine angreifen liess und zugleich einen Wirtschaftskrieg gegen die Europäische Union startete.
Aktuell ist es der Iran-Krieg, welcher die Inflation wieder ansteigen lässt. Die Blockade der Strasse von Hormus, durch welche in normalen Zeiten ungefähr 20 Prozent des globalen Ölangebots fliesst, hat weltweit den Ölpreis in die Höhe getrieben. Rohöl der Marke Brent wird heute pro Barrel zu einem fast 90 Prozent höheren Preis gehandelt als zu Jahresanfang.
In der Folge verteuern sich in den einzelnen Ländern die Angebote von verarbeitetem Rohöl – wie etwa jene von Benzin, Diesel oder Heizöl. Bei diesen Preisen kommen je nach Land nationale Gegebenheiten hinzu, wie beispielsweise Steuern oder Abgaben. Deshalb resultieren gemessen in Prozenten sehr unterschiedlich grosse Preiserhöhungen.
In der Schweiz ist nun laut dem Landesindex der Preis von Heizöl im April zum Vorjahresmonat um 35 Prozent gestiegen. Das ist der grösste April-Anstieg seit dem dem Jahr 2022, als der Anstieg gar 75 Prozent betrug. Diesel und Benzin stiegen um gerundete 19 und 9 Prozent – was ebenfalls die höchsten Anstiege seit dem April 2022 waren. Und schliesslich ist Flugbenzin teurer geworden, weshalb Flugreisen gerundet 6 Prozent mehr kosten als vor einem Jahr – die höchste Zunahme seit dem Jahr 2023.
Bereits Allzeitrekorde in den USA erreicht
Die Preisanstiege werden die Schweizer Konsumenten nicht freuen. Ein kleiner Trost ist jedoch wohl, dass die Schweiz noch vergleichsweise glimpflich davonkommt.
In den USA haben beispielsweise die Benzinpreise deutlich stärker aufgeschlagen. Wie der US-amerikanische Vergleichsdienst Gasbuddy berichtet, liegen die Preise diese Woche um ungefähr 40 Prozent höher als vor einem Jahr. In einigen Bundesstaaten seien die Diesel-Preise noch viel stärker angestiegen. In Wisconsin, Illinois und Michigan hätten sie sogar Allzeitrekorde erreicht.
Und in Deutschland zahlen die Haushalte für ihre Energie im eigenen Zuhause sowie für Treibstoffe durchschnittlich 10 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Schweiz hingegen ist der Preisanstieg bei Energie und Treibstoffen mit 5 Prozent nur halb so gross.
Ein Rennen mit der Zeit
Wie stark die Inflation noch zulegen wird, entscheidet sich in der Strasse von Hormus. So sagt etwa der US-Energieexperte Jason Bordoff im Interview mit CNN, das globale Energiesystem könne sich in ein paar Monaten in zwei verschiedenen Welten wiederfinden.
Entweder die Meeresenge bleibe so lange geschlossen, dass die Öffnung zu spät kommt, ein kritischer Punkt überschritten wird, ab welchem es kein Zurück mehr gibt. Dann wird Rohöl noch teurer und es entsteht grosser wirtschaftlicher Schaden. Bordoff:
Oder die Meeresenge öffnet sich gerade noch rechtzeitig. Dann könnte die Weltwirtschaft recht schnell in den Zustand zurückkehren, in welchem sie vor dem Iran-Krieg war. Dieser Zustand war durch ein Überangebot von Erdöl gekennzeichnet – die Welt produzierte mehr Erdöl als sie verbrauchte. Und das drückte auf die Erdölpreise.
«Die Rohstoffmärkte wetten darauf, dass nach einer Öffnung der Meeresenge nur einen oder zwei Monate dauern wird, bis das frühere Öl-Angebot wiederhergestellt ist», sagt Bordoff.
Die Uhr tickt.
(aargauerzeitung.ch)

