Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05932682 Urs Rohner, president of the board of directors of Switzerland's second biggest bank Credit Suisse (CS), speaks during the start of the general assembly at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, 28 April 2017. The meeting was target of Greenpeace environment protection activists who brought a pipeline tube with them to protest what they call 'dirty pipeline deals' of the bank.  EPA/ENNIO LEANZA

Der Verwaltungsratspräsident der CS, Urs Rohner, wurde am Freitagnachmittag im Zürcher Hallenstadion mit 91 Prozent wiedergewählt. Bild: EPA/KEYSTONE

CS-Präsident Urs Rohner kann aufatmen



Die Credit-Suisse-Führung geht aus der Generalversammlung zwar als Gewinnerin hervor, hat aber eine dicke Ohrfeige gekriegt. Den Vergütungsbericht brachte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner nur mit einer rekordtiefen Zustimmung von 58 Prozent der Stimmen durch. Die Wiederwahl hingegen schaffte er locker.

«Ich unterstütze die freie Meinungs-äusserung»

CS-Ceo Tidjane Thiam zur Aktion der Greenpeace

«Wir wollen keinen Vergütungsbericht, der nur knapp mit 58 Prozent angenommen wird.» Das sind die enttäuschten Worte des Siegers Urs Rohner. Schon letztes Jahr war er für seine Lohnpolitik stark unter Beschuss geraten, hatte aber immerhin 80 Prozent der Aktionäre an Bord geholt. Am Freitag stimmten satte 40 Prozent der Aktionäre gegen die Vergütungen - eine deutliche Ohrfeige.

Das Gegnerlager der grossen Stimmrechtsberater ISS, Glass Lewis und Ethos, das rund ein Drittel der Aktien kontrolliert, hatte offenbar weitere grosse Alliierte, als es darum ging die Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht abzulehnen.

abspielen

Lobende Stimmen fehlten an der fünfstündigen Aktionärsversammlung am Freitag in Zürich gänzlich. Dennoch wurde Rohner mit 91 Prozent deutlich wiedergewählt.

Mit Ja-Anteilen über 95 Prozent wurden die anderen Verwaltungsräte gewählt oder wiedergewählt. Nur Richard Thronburgh fiel mit 94 Prozent ab. Am Ende waren es die Grossinvestoren-Vertreter, die ihre Interessen und jene der CS-Führung durchbrachten.

Tidjane Thiam, CEO of Switzerland's second biggest bank Credit Suisse (CS), right, speaks next to Urs Rohner, president of the board, left, during the general assembly at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, Friday, April 28, 2017. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Mussten sich harscher Kritik der Aktionäre stellen. VR-Präsident Urs Rohner und Konzernchef Tidjane Thiam. Bild: KEYSTONE

«Wir sind nicht käuflich mit einem Bonus-Verzicht.»

Aktionär Hans-Jacob Heitz

Alle gucken zur Decke

Die Versammlung vor 1640 Aktionären wurde geprägt von einer Aktion und stetigen lauten Voten einzelner Aktionäre. Verwaltungspräsident Urs Rohner hatte gerade den Geschäftserfolg hervorgestrichen, die Boni verteidigt und Konzernchef Tidjane Thiam auf Deutsch das Wort ergriffen, als klar wurde, dies wird eine lebendige Generalversammlung.

Zwei Greenpeace-Aktivisten seilten sich von der Decke ab und liessen ein gelbes Plakat vor der Tribüne herunter. Mit dem Slogan «Stop dirty pipeline deals» protestierten sie gegen die Mitfinanzierung einer Pipeline, die die Rechte indigener Völker verletze. Thiam zeigte sich demokratisch und liess sie gewähren. «Ich unterstütze die freie Meinungsäusserung», sagte er und setzte seine Rede fort.

Reigen der Kritik

Die Credit-Suisse-Führung war an der GV mit einem Reigen von harter bis komödiantischer Kritik konfrontiert. Typisch war die Stimme von Aktionär Hans-Jacob Heitz. Er bezeichnete die CS als Wiederholungstäterin und betonte: «Wir sind nicht käuflich mit einem Bonus-Verzicht.» Er frage sich, ob Urs Rohner schon mental abgedankt habe.

Angesichts der Greenpeace-Aktion stellte Heitz die Zuverlässigkeit des Sicherheitsdispositivs im Hallenstadium in Frage. Rohner betonte, dass das Sicherheitsdispositiv zuverlässig sei. Und fügte hinzu: «Ich habe weder mental, noch sonst abgedankt.»

Andere Voten wies Rohner als falsch zurück. Zwischendurch schaute er an die Decke, um zu kontrollieren, ob sich da niemand mehr abseilt. Greenpeace hatte eine Bewilligung gekriegt für eine Aktion vor dem Hallenstadion, aber nicht drinnen.

Rohners sanfte Entschuldigung

Den Gegenwind gegen seine Vergütungspolitik hat der Credit-Suisse-Präsident erst gar nicht auszublenden versucht. «Wir mussten massive Kritik gegenwärtigen, sei es an den Vergütungen, aber auch sonst», sagte er.

Allerdings habe es beim Entscheid über die Boni-Zahlungen zwischen dem Verwaltungsrat und den Aktionären und Stimmrechtsberatern nur eine wirklich grosse Differenz gegeben - nämlich um die Frage, ob die Busse rund um den Hypothekenstreit mit den USA mit einfliesst oder nicht.

epa05932367 A Greenpeace activist abseils from the ceiling during the Credit Suisse (CS) general assembly in protest against the bank's pipline deals, at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, 28 April 2017. The activists brought a pipeline tube with them to protest what they call 'dirty pipeline deals' of the bank. The meeting was target of Greenpeace environment protection activists who brought a pipeline tube with them to protest what they call 'dirty pipeline deals' of the bank.  EPA/ENNIO LEANZA

Demonstranten von Greenpeace seilten sich während der Rede von Thiam von der Decke des Hallenstadions ab. Eine Protestaktion gegen die Pipeline, die im US-Bundesstaat North Dakota gebaut wird. Die CS finanziert die Pipeline mit.  Bild: EPA/KEYSTONE

Rohner entschuldigte sich für die mangelnde Sensibilität bei dieser Beurteilung. Er versprach, dass er sich Gedanken machen werde über die Vergütungspolitik, «damit diese Diskussion nächstes Jahr nicht mehr nötig ist.»

In den weiteren Abstimmungen war grosse Aktionärs-Opposition nicht mehr spürbar. So ging die Entlastung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung flott mit 88 Prozent Ja-Stimmen über die Bühne.

Nochmals aufgeflackert ist die Ablehnung der Vergütungspolitik allerdings bei der Abstimmung für die kurzfristigen variablen Boni für die Geschäftsleitung – obwohl diese auf 40 Prozent davon verzichtet hat. Nur 59 Prozent der Aktionäre standen hinter diesen umstrittenen Boni. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
sentifi.com

Watson_ch Sentifi

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 30.04.2017 07:00
    Highlight Highlight Es gibt Löhne ausserhalb jeden Anstandes. Diese haben weder mit der Leistung noch mit der Verantwortung etwas zu tun, sei es, dass Leute aus der "zweiten Reihe" mindestens gleich viel leisten wie die Top-Leute, sei es, dass "goldene Fallschirme" die Top-Leute vor den Auswirkungen falscher strategischer Entscheide schützen. Die Top-Kader der Grossunternehmungen schanzen sich international ihre feudalen Entschädigungen gegenseitig zu. Diese Feudalisierung der Wirtschaft muss international bekämpft werden wie das Bankgeheimnis.
  • Spooky 28.04.2017 18:43
    Highlight Highlight Ist ja klar, dass man auf Watson nicht sagen kann, was man denkt.
    • Makatitom 28.04.2017 22:53
      Highlight Highlight Weisst du überhaupt, was du denkst, bevor du hörst, was du gesagt hast?
    • Spooky 28.04.2017 23:49
      Highlight Highlight Heute darf man nirgendwo mehr sagen, was man denkt.
    • Spooky 29.04.2017 00:48
      Highlight Highlight @Makatitom
      Nein
  • seventhinkingsteps 28.04.2017 18:26
    Highlight Highlight Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen könnte
  • Asmodeus 28.04.2017 17:12
    Highlight Highlight Typisch Kapitalismus.

    Pfeif auf Ehre
    Pfeif auf Anstand
    Pfeif auf Ehrlichkeit
    Hauptsache die Rendite stimmt.
    • Doeme 28.04.2017 18:09
      Highlight Highlight Ehre, Anstand und Ehrlichkeit werden in kommunistischen Ländern ja auf Händen getragen.

      Asmodeus, das hat nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun, sondern mit der Mentalität der Banker.
    • Asmodeus 28.04.2017 20:18
      Highlight Highlight Ich bin auch gegen den Kommunismus.

      Fakt ist allerdings, dass der Kapitalismus aus dem Ruder läuft. Wir steuern langsam aber sicher auf eine Welt zu die den Konzernen gehört.

      Eine Aristokratie der Wirtschaft.

Sergio Ermotti: 14 Millionen. Dein UBS-Sparkonto: 0 Prozent Zins

Die einen kriegen keine Lohnerhöhung (siehe unten), die anderen schon bald keinen Sparzins mehr.

Auf dem Sparkonto der Schweizer Grossbank UBS gibt es ab dem 1. Juni 2019 gar keinen Zins mehr. Die UBS-Zinssätze werden auf neue historische Tiefstände gesenkt, schreibt das Online-Vergleichsportal Moneyland. Davon betroffen seien unter anderem:

Besonders bemerkenswert sei die neue Nullverzinsung auf dem Sparkonto für erwachsene UBS-Kunden, hält Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz fest. Für …

Artikel lesen
Link zum Artikel