Wirtschaft
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Laechelnd traegt die Schauspielerin Inger Nilsson in einem Film von 1968 als

Pippi Langstrumpf: Als Schwedin gehört sie nicht nur zu den reichsten, sondern auch zu den glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. Bild: EPA PRESSENSBILD

Die Schweden machen's vor

Weniger arbeiten, gleich viel verdienen – das geht!

Die schwedische Stadt Göteborg führt für ihre Angestellten den 6-Stunden-Arbeitstag ein. Das macht nicht nur glücklich – sondern auch reich.



Die schwedische Stadt Göteborg startet ein Experiment in Sachen Arbeitszeit. Sie unterteilt ihre Angestellten in zwei Gruppen: Die eine Hälfte arbeitet wie bis anhin sieben Stunden am Tag, die andere bloss noch sechs Stunden – bei gleichem Lohn natürlich. «Danach vergleichen wir die Arbeitsleistungen der beiden Gruppen und analysieren, wie sie sich unterscheiden» erklärt Mats Pilhelm, der stellvertretende Bürgermeister in der Zeitung «The Local». 

Die Stadtverwaltung von Göteborg will mit der Arbeitszeitverkürzung keine Geschenke verteilen, sondern Kosten senken und neue Jobs schaffen. «Wir hoffen, dass die Mitglieder der Gruppe, die weniger arbeitet, weniger krank sein und mehr Leistung bringen werden», führt Pilhelm weiter aus. Er verweist auf die Pflegeberufe, in denen lange Schichten dazu führen, dass ineffizient gearbeitet wird. Ebenso hat der Autohersteller Volvo in Göteborg mit dem 6-Stunden-Arbeitstag sehr gute Erfahrungen gemacht. 

Zwischen 1950 und 1980 sind die Arbeitszeiten auch bei uns gesunken

Das Beispiel Göteborg zeigt, dass die Diskussion um die Verkürzung der Arbeitszeit wieder brandaktuell geworden ist. Immer mehr Tätigkeiten werden heute nicht mehr von schlecht bezahlten Arbeitskräften in Entwicklungsländern gemacht, sondern von hoch entwickelten Maschinen. Intelligente Software kann heute Verträge überprüfen, Sprachen übersetzen und sogar einfache journalistische Texte schreiben.

So gesehen ist es sinnvoll, die Arbeit vernünftig auf alle Erwerbstätigen zu verteilen und die Arbeitszeit zu reduzieren. Genau dies hat man lange Zeit in den Industriestaaten auch getan: In der Schweiz sank zwischen 1950 und 1980 die durchschnittliche Arbeitszeit um 18 Prozent, in Deutschland sank die jährliche Arbeitszeit gar um 27 Prozent von 2372 auf 1717 Stunden. 

Mehr Arbeit für gleich viel Geld

Diese Entwicklung war möglich, weil die Produktivitätsgewinne der Wirtschaft gleichmässig an Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt wurden. In den 1980er Jahren stoppte diese Entwicklung, in den 1990er Jahren verkehrte sie sich sogar in ihr Gegenteil. Die Arbeitszeiten begannen teilweise wieder zu steigen. 

In der deutschen Metall- und Elektroindustrie etwa erhöhte sich die Normalarbeitszeit zwischen 1993 und 2012 von 36,5 auf 37,9 Stunden in der Woche. Die Unternehmen nutzten die Gunst der Stunde, beziehungsweise die neuen Verhältnisse einer globalisierten Wirtschaft und drückten ihre Forderung «mehr Arbeit für gleich viel Geld» rücksichtslos durch. 

Die Gewinne aus der steigenden Produktivität wurden nicht mehr verteilt, sondern flossen einseitig in die Taschen der Aktionäre. Technischer Fortschritt und Globalisierung haben den Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten gründlich umgekrempelt. 

Psychische Krankheiten sind auf dem Vormarsch

Einerseits ist eine neue Arbeiterelite entstanden, gut ausgebildete Arbeitskräfte, welche die komplexen Maschinen bedienen können. Anderseits gibt es immer mehr Arbeitskräfte, die nicht mehr mithalten können und auch nicht mehr gebraucht werden, vor allem schlecht ausgebildete, junge Männer. Sie fallen aus dem Arbeitsmarkt. 

Auch wer einen guten Job hat, hat oft nichts zu lachen. Allgemein hat der Stress am Arbeitsplatz zugenommen, und damit auch die Überforderung der Menschen. Deshalb sind psychische Krankheiten auf dem Vormarsch, vom Burnout bis hin zur Depression. 

Die Skandinavier sind reich – und glücklich

Dass in Schweden mit einer Verkürzung der Arbeitszeit experimentiert wird, ist kein Zufall. Das nordische Modell – so nennt man die Wirtschaftsordnung in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland – unterscheidet sich vom typischen Shareholder-Kapitalismus. Es legt sehr viel mehr Gewicht auf sozialen Ausgleich und versucht, die harten Seiten der Marktwirtschaft abzufedern und den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Es handelt sich dabei nicht um ein sozialistisches Modell. Nur Dänemark hat derzeit eine gemässigt sozialdemokratische Regierung, die anderen drei Länder werden bürgerlich regiert. 

Nach einer Krise zu Beginn der 1990er Jahre ist das nordische Modell wieder sehr erfolgreich geworden. Die Skandinavier gehören nicht nur zu den reichsten, sondern auch zu den glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. Viele ihrer Institutionen haben Modellcharakter, Finnlands Schulen beispielsweise, oder der dänische Sozialstaat, die so genannte «Flexicurity». Typisch für das nordische Modell sind auch lange Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaube. Es ist daher kein Zufall, dass jetzt in Göteborg ein Versuch gestartet wird, wie man technischen Fortschritt und menschliche Arbeitsformen in Einklang bringen will. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Peter Silie 10.05.2014 19:43
    Highlight Highlight Die Arbeit wird sowieso verschwinden: http://schnakenhascher.square7.ch/wp/?p=2924
  • R. Bse 17.04.2014 16:06
    Highlight Highlight Wir haben das Frauenstimmrecht als letzte eingeführt, wir werden auch als letzte die Arbeitszeit kürzen und die Ferien verlängern. Weil es uns gefällt, nein zu sagen zu Veränderungen.
  • Chamudi 10.04.2014 19:19
    Highlight Highlight Einmal mehr ein idiotischer Vergleich der darauf abzielt Gewerkschaften, Behörden, Staatliche Jobs wie Lehrer, Bundesangestellte Faulpelze und nicht operativ tätige und profitorienteiert Unternehmen kaputt zu machen. Schon mal gehört Löpfe, dass es Unternehmen gibt die Stunden verrechnen. ISS z. B. hat mehr als 10'000 Mitarbeiter in der Schweiz.
  • Zeit_Genosse 10.04.2014 18:36
    Highlight Highlight Ich schätze mal, dass 20% der Arbeitszeit unproduktiv ist. Zu viele Sitzungen, Emails mi cc:, Fehlkommunikation, Chef als Flaschenhals (oder Flasche), Kompetenzgerangle in Organisationen, Mitarbeiter die ihre Arbeit auf viel Zeit verteilen, int. Karrierestrategien und Intriegen, ständiege Strategiewechsel, ext. Berater die Firmen nach dem Helikopterprinzip (mit viel Lärm anfliegen, staub aufwirbeln und wenns ernst wird sofort abheben und wie Heuschrecken sich neues Futter suchen) beschäftigen und umpflügen. Und zuletzt werden ältere Know-How-Träger mit Beziehungen und Erfahrungen gegen Expats oder Grünschnäbel ausgetauscht, die sich in ihren Rollen neu finden müssen und Berater zuziehen. Oder sind es gar 30%, weil die Liste nicht abschliessend ist?
    • Surfdaddy 12.04.2014 06:11
      Highlight Highlight 100% richtig!
    • Swardy 12.04.2014 11:30
      Highlight Highlight Ich arbete glaub am gleichen Ort wie du. Deiner Meinung kann ich nur zustimmen.
  • Wolfsblut_2 10.04.2014 13:49
    Highlight Highlight Guter Input, oder auf Schwedisch: Bra jobbat!, Philipp Löpfe.
  • Zeit_Genosse 10.04.2014 11:34
    Highlight Highlight Mit hochentwickelten "Maschinen" lässt sich die Produktivität fast an jedem Standort erhöhen. Ein Roboter, der 24h/365y im Einsatz ist, produziert möglicherweise mehr in guter Qualität, als zu hungerlöhnen vergebene hands-on-Arbeit an Menschen in Schwellenländern (z.B. Tesla in Californien). Das heisst, die Arbeit bleibt in den "Hochpreisländer". Damit steigt dort der Bedarf an qualifizierten Kräften zur Entwicklung neuer Verfahren, Prozesse und Produkte. Die USA holen ihre Industrie teilweise zurück, weil sie als "Weltmeister" des Outsourcings und der Globalisierung verstanden haben, dass sie ihre Volkswirtschaft aushölen und Know How verlieren, wenn sie nichts mehr selber herstellen. Die Nordländer scheinen auch eine gute Balance gefunden zu haben mit Arbeit umzugehen. Und die Schweiz ist eines der produktivsten Länder, weil höhere Produktions-/Lohnkosten mit längeren Arbeitszeiten erkauft oder ausgeglichen werden. Wenn wir in der Schweiz zur 30h wechseln würden, dann fehlen ca. 12h für den gleichen Output. Wie sollen wir in der Schweiz noch produktiver werden, wenn wir eine hohe Rate an psychischen Störungen, Burnouts, Depressionen wegen hoher Arbeitsbelastung haben. Weniger verdienen und die Arbeit auf mehr Köpfe verteilen bei gleichzeitiger Investition in Automatisierung und Bildung? Weniger verdienen hiesse weniger Konsum und damit lokal weniger Arbeit. Wir sollten die Nordländer genau studieren und abwägen, was bei uns funktionieren könnte. Weniger unproduktive Arbeitszeit zu Gunsten mehr freier Zeit, wäre sicher gesellschaftlich ein gutes Ziel.
    • Marmey 11.04.2014 12:14
      Highlight Highlight Korrektur zum Insourcing in den USA: Das Insourcing findet statt, weil die Energiekosten massiv gesunken sind. Irgendwelche "moralischen" Motivationen wie Knowhow-Verlust spielen in diesem Prozess leider nicht die geringste Rolle. Zum Beispiel Walmart kauft da ein, wo es am billigsten ist, PunktSchluss.
    • Zeit_Genosse 11.04.2014 22:27
      Highlight Highlight @Marmey
      Korrekt, die Energiekosten sind ein wesentlicher Faktor. Doch gerade bei Apple hat man gesehen, dass ein Insourcing schwierig ist, weil man in den USA das KnowHow nicht mehr hat, solche Produkte komplett herzustellen. Die Obama-Administration will Jobs schaffen und so könnte es auch politisch motiviert sein. Natürlich ist die Privatwirtschaft frei, wo sie einkauft und produzieren lässt. (Walmart). Die Shareholder lassen Gewinne maximieren und globalisieren was das Zeug hält. Die Politik und möglicherweise die Gesellschaft sieht das evtl. anders.
  • Boogie 10.04.2014 10:41
    Highlight Highlight Die Idee finde ich sehr gut. Bin schon lange der Meinung, dass wir a) arbeiten sollten um zu leben und nicht anders rum und b) viel Arbeitszeit sowieso ineffizient verschwenden. Ich glaube in vielen Jobs könnte die Arbeit, die momentan in 8 oder 8.5 Stunden geleistet wird auch locker in 7 Stunden geleistet werden. Die Lebensqualität würde durch die verkürzte Arbeitszeit oder durch mehr Ferien sicher steigen.
  • Hugo Wottaupott 10.04.2014 09:21
    Highlight Highlight Die Schweizer sind eben selber DUHM. Mehr Ferien NEIN. 1/12 NEIN. Und bald auch 4000.-- NEIN.
    • Don Huber 10.04.2014 12:42
      Highlight Highlight Du sagst es Hugo wir sind die dümmsten !!
  • kEINKOmmEnTAR 09.04.2014 20:42
    Highlight Highlight Wer laciert mit mir eine Initiative?
    • Snus116 09.04.2014 22:24
      Highlight Highlight Die Schweiz zu Skandinavien!
    • kEINKOmmEnTAR 09.04.2014 23:06
      Highlight Highlight So habs eigentlich nicht gedacht...
    • Snus116 10.04.2014 07:52
      Highlight Highlight Jaja das Kilma behalten wir

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