Wirtschaft
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epa05497424 A naked Donald Trump statue after being unveiled around the USA including in Los Angeles, California, USA, 18 August 2016. The unauthorized art installation was created by INDECLINE, a self-described anarchist group. The other cities where the statues appeared in the morning were San Francisco, Seattle, Cleveland and New York.  EPA/EUGENE GARCIA

Donald Trump als nackte Statue in Los Angeles. Bild: EUGENE GARCIA/EPA/KEYSTONE

Warum Blocher dringend zu Trump ins Medien-Training müsste

The Donald setzt auf Twitter und Online-Portale, Blocher auf das Auslaufmodell Print. Kommt es zu einer «Trumpisierung» der SVP?



In der Vergangenheit hat sich die SVP immer wieder von den US-Republikanern inspirieren lassen. Deshalb wird der nach wie vor unbestrittene Vordenker Christoph Blocher die jüngsten Ereignisse im Lager von Donald Trump genau analysieren, zumal sie seine heimliche Liebe betreffen – die Medien.

«Während Hillary Clinton sich für ein mageres Gehalt von 400'000 Dollar vier Jahre lang abmühen muss, erhält Trump alle Aufmerksamkeit und verdient als neuer Medienmogul Milliarden.»

Neal Gabler, New York Times

Beim dritten Shake-up seines Wahlkampfteams hat Trump Stephan K. Bannon an Bord geholt. Auf den ersten Blick ist das kaum verständlich. Der ehemalige Banker bei Goldman Sachs verfügt über keinerlei Erfahrung als Wahlkampf-Manager. Hingegen ist er eine der interessantesten Figuren der US-Medienszene.

Campaign CEO Stephen Bannon listens during Republican presidential nominee Donald Trump's round table discussion on security at Trump Tower in the Manhattan borough of New York, U.S., August 17, 2016. REUTERS/Carlo Allegri

Der Neue bei Trump: Stephen K. Bannon. Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Bannon hat Breitbart zu einer kraftvollen Stimme der neuen rechten Hardliner gemacht. Täglich besuchen rund 12 Millionen User das Online-Portal. Gleichzeitig hat Trump Roger Ailes, den wegen sexueller Belästigung geschassten Chef von FoxNews, als Berater angeheuert. Zudem hat der in der rechten Szene sehr einflussreiche Moderator Sean Hannity FoxNews mehr oder weniger in ein Sprachrohr von Trump verwandelt.

Diese Konstellation ist der Anlass für folgende Spekulation: Sollte Trump die Wahlen verlieren, wäre er gar nicht so traurig. Mit seiner Popularität – Trump hat rund elf Millionen Follower auf Twitter –, dem Knowhow von Bannon und Ailes und einer allfälligen Abwanderung von frustrierten FoxNews-Grössen wie Hannity, hätte The Donald die Grundlage für ein Medienimperium gelegt, das selbst Rupert Murdoch gefährden könnte.

FILE - In a Sept. 29, 2006 file photo, Fox News CEO Roger Ailes poses at Fox News in New York. Fox News Channel's parent company 21st Century Fox on Monday, July 18, 2016, says there has been no resolution to its probe into the conduct of network chief Roger Ailes, who is accused by a former network anchor of forcing her out because she refused to have sex with him.(AP Photo/Jim Cooper, File)

Roger Ailes wurde bei FoxNews gefeuert. Jetzt berät er Trump.  Bild: Jim Cooper/AP/KEYSTONE

Murdoch ist nach wie vor sehr abhängig von den Steinzeit-Medien Print (Wall Street Journal) und TV (FoxNews) und wendet sich an ein in die Jahre gekommenes Publikum. Ein Trump-Imperium hingegen würde ähnlich wie der Streamingdienst Netflix funktionieren und seine Botschaften nicht mehr auf einen traditionellen TV-Kanal, sondern auf YouTube verbreiten. Damit  würde er auch die jungen Menschen erreichen.

Lacht am Ende Trump?

Der Medienkolumnist Neal Gabler glaubt deshalb, dass ein solches Projekt grosse Chancen haben könnte. Er schreibt in der «New York Times»: «Man kann sich gut vorstellen, dass Citizen Trump nach der Wahl das bessere Ende für sich behält. Während Hillary Clinton sich für ein mageres Gehalt von 400'000 Dollar vier Jahre lang abmühen muss, erhält er alle Aufmerksamkeit und verdient als neuer Medienmogul Milliarden.» Zudem hätte Trump als Medienmogul einen sehr grossen Einfluss auf den Kurs der Republikaner.

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Eher peinlich: Das SVP-Wahl-Video 2015. YouTube/SVP Schweiz

Christoph Blocher war ein sehr erfolgreicher Unternehmer. Seine Leistungen im Medienbereich sind jedoch überschaubar. Die neuen Medien sind für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Bei den Wahlen 2015 hat uns die SVP mit dem Hund Willy beglückt. Das Ergebnis war peinlich. Selbst der damalige Präsident der Zürcher SVP Alfred Heer sprach von einem «Gaga-Wahlkampf».  

Derzeit wird heftig über einen möglichen Deal zwischen der Tamedia und Blocher spekuliert, wobei das Mutterhaus des «Tages Anzeiger» seine verschiedenen Landblätter an Blocher abtreten und im Gegenzug die «Basler Zeitung» erhalten würde. Dieser Deal dreht sich jedoch um Printmedien, deren Zukunft immer unsicherer wird.  

Köppel und Somm sind Printjournalisten

Für eine Offensive in den Medien der Zukunft hat Blocher das falsche Personal. Weder sein politischer Ziehsohn Roger Köppel noch sein Biograf Markus Somm verstehen etwas von sozialen Medien, Online-Portalen und Streamingdiensten. Diese werden jedoch künftig auf die Politik einen stärkeren Einfluss haben als die Leitartikel in den angestammten Printmedien.  

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Faschoistoider Agitprop-Film: Clinton Cash. YouTube/Philly Blunt

Wie dies funktioniert, macht Bannon bei Breitbart vor. Er spielt voll auf den Mann, respektive bei Hillary auf die Frau. Ein Beispiel ist der Dokumentarfilm «Clinton Cash», bei dem Bannon das Drehbuch geschrieben hat und der vom erzkonservativen Milliardär Robert Mercer finanziert wurde. Die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Robert Schweizer ist ein faschistoider Agitprop-Film, bei dem unbewiesene Behauptungen illustriert werden mit brutalen Bildern aus dem afrikanischen Tierreich.

Bruch mit dem Partei-Establishment

Mit der Ernennung von Bannon hat Trump definitiv mit dem Partei-Establishment gebrochen. Bannon ist ein schamloser Nationalist, dem immer wieder rassistische Verfehlungen nachgesagt werden. Er plädiert für Protektionismus und lehnt Freihandelsabkommen wie TPP oder TTIP strikt ab.  

Nationalrat, Unternehmer und Verwaltungsrat der

Blochers Erfolge als Verleger sind überschaubar. Bild: KEYSTONE

Bannon hat gar die Wiederwahl von Paul Ryan in den Senat auf Breitbart bekämpft. Ryan ist Fraktionschef der Republikaner im Abgeordnetenhaus und der erklärte Liebling der Koch-Brothers, den wichtigsten Geldgebern der Grand Old Party (GOP). Die Koch-Brothers sind denn auch bereits auf Distanz zu Trump gegangen und werden seinen Wahlkampf nicht unterstützen.   Der Richtungsstreit innerhalb der GOP wird auch nach der Wahl im November weiter toben. Sollte Trump tatsächlich zum Medienmogul der ganz harten Rechten mutieren, dann wird dieser Streit möglicherweise die Partei zerreissen.  

Früher oder später wird dieser Streit auch die SVP erreichen. Geht es um Ausländer und Asylanten, sind sich alle einig. Bei bilateralen Abkommen und Freihandelsverträgen nicht. Bisher ist es Blocher & Co. gelungen, Nationalismus und Neoliberalismus unter einen Hut zu bekommen. Es ist jedoch denkbar geworden, dass es auch zu einer «Trumpisierung» der SVP kommen wird.

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • KeineSchlafmützeBeimFahren 23.08.2016 09:52
    Highlight Highlight Hoffen wir mal nicht, dass die SVP so beliebt und so radikal wie Trump wird. Ihr von Watson solltet den hiesigen Rechtskonservativen nicht so tolle Ideen geben, sonst geltet ihr bei uns Sozis als Verräter. 😛
  • LeChef 23.08.2016 09:09
    Highlight Highlight So falsch ist die Fixierung auf Print glaube ich nicht. Schliesslich stellen 50+ in der CH die wichtigste Wählergruppe dar; und diese konsumieren auch relativ viel Print. Reine Social Media Kampagnen sind in der CH wohl kaum erfolgreich.
    • Dubio 23.08.2016 09:50
      Highlight Highlight War auch gleich mein erster Gedanke.
    • R&B 23.08.2016 11:09
      Highlight Highlight @LeChef: Ich bin 46 und konsumiere nur noch online-Medien und TV. Ich gehöre zur Generation, die mit Commodore aufgewachsen sind. Ihre These gilt eher für 60+ und nicht 50+.
  • Der Zahnarzt 23.08.2016 08:47
    Highlight Highlight Den Gegensatz zwischen Neoliberalismus und Nationalismus sehe ich auf der ideologischen Ebene nicht, vielmehr ergänzen sie sich. Der Neoliberalismus will möglichst keine Einschränkungen für das Kapital (aber sehr wohl der Märkte) und der Nationalismus die Akkumulation des Kapitals bei einer klar definierten Gruppe (= eigene Nation). - Bsp.: Saudi Arabien oder unsere Bauern: Keine Steuern auf Landverkäufe und geschützte Märkte etc.
    • LeChef 23.08.2016 09:06
      Highlight Highlight Neoliberalismus ist ein Kampfbegriff, ein Schimpfwort. Korrekt gebraucht umfasst er viele verschiedene sozialliberale, marktwirtschaftliche, teilweise antietatistische, und auch teilweise nationalistisch geprägte Strömungen. Protektionismus ist aber meines Wissens nicht Teil irgendeiner neoliberalen Strömung. Verzeih, wenn ich mich irre, ich lerne gern dazu.
    • Philipp Löpfe 23.08.2016 09:11
      Highlight Highlight Freihandelsverträge sind ein wichtiger Teil des Neoliberalismus. Trump ist dagegen, Blocher äusserst sich nicht dazu.
    • Der Zahnarzt 23.08.2016 09:38
      Highlight Highlight Richtig: So etwas wie den einzig wahren Neoliberalismus gibt es nicht. - Aber es ist ideologisch nicht unmöglich, Freihandel und Nationalismus zu vereinen. Darum glaube ich nicht, dass das die zukünftige Zerreissprobe der SVP ist. Neoliberale sind z. B. gegen Parallelimporte in der CH. Auch die Neoliberalen bei uns (FDP, SVP etc.) wollen keine vollkommen freien Märkte. Neoliberalismus ist m. E. nicht eine ökonomische Theorie sondern eine politische Haltung, die sich ohne weiteres mit Nationalismus verbinden kann. Man kann durchaus Freihandel für Waffen aber nicht für Agrarprodukte wollen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Herbert Anneler 23.08.2016 08:35
    Highlight Highlight @ Löpfe: Wäre da nicht so sicher, dass Blocher & Co. nur im Print verhaftet sind. Ich habe eher den Eindruck, dass nach der DI-Ablehnung ihre Trolle vermehrt auf watson herumgeistern bzw. posten und nicht rechtsgerichtete Posts mit Blitzli eindecken. Vielleicht einmal ein Thema für eine Inhaltsanalyse für eine Bachelor- oder Masterarbeit?
    • Philipp Löpfe 23.08.2016 10:47
      Highlight Highlight Sicher, wenn du ein geeignetes Opfer findest.
    • R&B 23.08.2016 11:05
      Highlight Highlight @Herbert Anneler: Diesen Verdacht wegen der Blitze habe ich auch schon lange. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Privater täglich Watson liest und die politische Gesinnung von Watson nicht teilt.
    • Queen C 23.08.2016 12:59
      Highlight Highlight @R&B: da liegen Sie zumindest bei mir falsch. Ich liege selten auf Watson-Linie und tummle mich dennoch hier. Ich würde mich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, einfach für oder gegen etwas zu sein, nur weil es meiner Ideologie entspricht und ohne die Argumente der anderen Seite zu kennen. Leider geschieht das hier oft. (Man drischt zB auf weltwoche_Artikel ein, ohne sie gelesen zu haben... mMn heikel)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Anna Landmann 23.08.2016 08:31
    Highlight Highlight Interessant, aber eine Figur, welche die SVP trumpisieren könnte, seh ich grad nicht. Noch haben die getarnten und offenen Neoliberalen das sagen.
    • rodolofo 23.08.2016 08:41
      Highlight Highlight Einen "SVP-Trump" sehe ich auch nicht.
      Wir Schweizer sind halt immer noch etwas verklemmt...
      Köppel gleicht mehr "Emil dem Pöstler".
  • dracului 23.08.2016 08:24
    Highlight Highlight Der Unterschied zwischen Trump und der hiesigien politische Garde beruht auf einem besseren Einkauf. Seit Obama ist die Wichtigkeit von Social Media auch in der Administration angekommen. In der Schweiz folgt diese Erkenntnis wahrscheinlich mit der üblichen helvetischen Verspätung. Somm und Köppel könnten jetzt bei Joiz ein paar Talente für den Sprung in modernere Medien abwerben.
    • L1am 30.06.2017 15:51
      Highlight Highlight Joiz? Gibt es schon länger nicht mehr... War auch eher auf die andere plolitische Seite gerichtet als die SVP.
  • rodolofo 23.08.2016 08:13
    Highlight Highlight In diesem Wahlvideo der SVP von 2015 finde ich animierenden den Musiker ziemlich gut.
    Wer ist das?
    Die "SVP-Manöggel" sind zwar ziemlich steif und etwas gar uniform angezogen für Freiheits-Vorbilder...
    Auch am Text könnte man noch feilen (ähnlich wie beim "uncoolen" Text unserer Schweizerischen Nationalhymne).
    Hier ein erster Vorschlag:
    "Wo e Willi isch, doo isch e Wääg,
    Und wäner schiisst, dänn find ii dass zwääg!
    I wott fréi bliibe, dumm luegi wäägg.
    Sones Robidog-Sekkli bruuchi need,
    Doo losi doch lieber em Köppel sini Reed!
    Schtinke tuet zwaor beides irgendwie,
    Aber trozzdemm wääli die!"
  • herschweizer 23.08.2016 08:10
    Highlight Highlight Blochers Schlüsselqualifikation war und ist sein unschuldig bäuerliches Auftreten was bisher passte. Der Schlüssel für die restlichen Parteien wird nun sein die heranwachsenden neuen Wähler zu erreichen
  • saukaibli 23.08.2016 08:05
    Highlight Highlight Spätestens wenn auch der dümmste SVP-Unternehmer merkt, dass die "Initiative gegen fremde Richter" auch Freihandelsabkommen verunmöglichen würde, wird es wohl in der SVP ein paar Uneinigkeiten geben. Bis jetzt scheinen diese Leute das aber noch nicht wirklich mitbekommen haben. Man braucht halt auch fette Scheuklappen um der SVP beizutreten.

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