Wirtschaft
USA

Roche trotzt Trump – und will zur Nummer 3 bei Abnehmspritzen werden

Thomas Schinecker, CEO Roche Group, during the 2025 full year results media conference of pharmaceutical company Roche in Basel, Switzerland, on Thursday, January 29, 2026. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Roche-Chef Thomas Schinecker.Bild: keystone

Roche trotzt Trump – und will zur Nummer 3 bei Abnehmspritzen werden

Der massive Druck aus den USA bremst den Pharmakonzern kaum. Der Gewinn fällt üppig aus. Dennoch steht Roche vor Herausforderungen.
31.01.2026, 06:5531.01.2026, 06:55
Pascal Michel / ch media

Das Pharmaland Schweiz hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Erst verhängte US-Präsident Donald Trump Zölle von 39 Prozent gegen die Eidgenossenschaft. Dies begründete er unter anderem mit den Schweizer Pharmaexporten in die USA.

Dann drohte Trump mit Medikamentenzöllen in der Höhe von bis zu 250 Prozent.

Schliesslich drängte er die weltweit führenden Pharmafirmen in «Deals» zu – bisher minimen – Preissenkungen.

Diese Attacken aus dem Weissen Haus haben in den Zahlen des Pharmamultis Roche bisher wenig Spuren hinterlassen. Das zeigte sich am Donnerstag bei der Präsentation der Jahresergebnisse. Roche steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr auf 61,5 Milliarden Franken, was einem Zuwachs von 7 Prozent in konstanten Wechselkursen entspricht.

Auch einen satten Gewinn konnte Roche-Chef Thomas Schinecker vermelden: 13,7 Milliarden Franken. Die Gewinnmarge aus Medikamentenverkäufen lag bei traumhaften 49,2 Prozent. Schinecker selbst erhält für seine Arbeit 10,2 Millionen Franken.

Unsicherheit gehört zum Geschäft

Der lukrative US-Markt hat zweifellos zu diesen Ergebnissen beigetragen. Dennoch kann er die Zahlen allein nicht erklären. Entscheidend ist das Kerngeschäft der Pharma. Und dieses hat Trump mit den täglich neuen Drohungen zum Nebenschauplatz degradiert – zu Unrecht.

Dieses Geschäft besteht darin, neue Wirkstoffe zu erforschen, daraus Medikamente zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Da der Patentschutz 20 Jahre läuft, braucht es kontinuierlich Nachschub, um Umsatz und Gewinn zu halten. Wie Roche diese Patentklippe bewältigen kann, ist deshalb mindestens so entscheidend wie die Bedingungen im US-Markt.

Dabei gibt es durchaus Parallelen mit den aktuellen Trump-Querelen. Für den Roche-Chef und seine weltweit 100’000 Angestellten geht es stets darum, mit beträchtlicher Unsicherheit umzugehen.

So kann es bei einem vielversprechenden Medikament nach jahrelanger Forschung und Milliarden-Investitionen auf der Zielgeraden immer noch zum Flop kommen. Das geschah 2022, als Roche bei einem Alzheimer-Mittel mit beträchtlichem Potential einen Rückschlag erlitt. Es zeigte in der entscheidenden letzten Studie nicht die erhoffte Wirkung.

Zukäufe und Fokussierung

Darauf reagierte der Konzern, indem er kräftig zukaufte, insbesondere im Bereich der Abnehmmedikamente. Hier erwarb Thomas Schinecker für 2,7 Milliarden Dollar eine Technologie, um im Wettlauf um die nächste Generation der sogenannten GLP-1-Agonisten mitzumischen.

Gleichzeitig trimmte Roche seine Forschung noch mehr auf die vielversprechendsten Moleküle. Hier konnte die US-Tochter Genentech kürzlich wieder Erfolge vermelden, etwa beim Brustkrebsmittel Giredestrant. Es wirkt gegen sogenannten Östrogenrezeptor-positiven Brustkrebs, der rund 70 Prozent aller Brustkrebsfälle ausmacht. Dieses Mittel könnte 2027 auf den Markt kommen. Insgesamt glaubt Roche, bis 2028 mit dem bestehenden Portfolio weiter zulegen zu können.

Längerfristig hängt die Fähigkeit von Roche, ausgelaufene Produkte zu ersetzen, wesentlich vom Erfolg der laufenden klinischen Studien ab. Und deren Erfolgschancen sind bei einigen Kandidaten gut, bei anderen mit Risiken behaftet, wie die Bank Vontobel in einer Analyse schreibt. Dementsprechend viel kann Roche gewinnen – oder verlieren.

Diese erhöhte Unsicherheit im Vergleich zu Konkurrenten wie Novartis hängt auch damit zusammen, dass Roche bei seiner Einkaufstour hauptsächlich auf Wirkstoffe gesetzt hat, die sich in einer frühen Entwicklungsphase befinden. Dort sind die Erfolgschancen weniger klar absehbar. Ein zweiter Grund ist, dass der Konzern in Therapiegebieten mitmischen will, die bereits hart umkämpft sind.

Das ist namentlich bei den Abnehmspritzen der Fall. Hier hofft Roche, die Konkurrenz wie Eli Lilly oder Novo Nordisk einzuholen. Pharmachefin Teresa Graham bekräftigte vor den Medien den Anspruch, die Nummer drei im Gebiet zu werden. Dazu forscht Roche unter Hochdruck an verschiedenen Wirkstoffen und Kombinationen.

Erst diese Woche zeigte das eingekaufte Medikament namens CT-388 eine Gewichtsreduktion von 22,5 Prozent über 48 Wochen. Graham glaubt, damit die Konkurrenz ausstechen zu können, zumal bei den Tests die Patienten kein «Plateau» erreichten. Das heisst: Sie könnten durch längere Behandlungen noch mehr Gewicht verlieren.

Doch ist Roche nicht viel zu spät dran? Die Abnehmmittel des Konzerns kommen frühestens ab 2028 auf den Markt. Roche-Pharmachefin Graham sieht auch dann noch Chancen. «Die Therapie wird sich in den kommenden Jahren stark individualisieren», sagt sie. Soll heissen: Der eine Patient braucht eine Spritze, um 30 Prozent Gewicht zu verlieren, der nächste will nur 10 Prozent runter, der übernächste will sein Gewicht stabil halten und dafür lieber eine Pille statt der Spritze. Hier möchte Roche ansetzen.

Diese Pläne könnten für einmal sogar Donald Trump gefallen – solange der Preis stimmt. Gegenüber der «New York Times» erklärte der Republikaner, er selbst habe noch nie Abnehmspritzen verwendet. «Aber vielleicht sollte ich», so der 79-Jährige. (aargauerzeitung.ch)

Jammern auf hohem Niveau?
Der US-Präsident will die Medikamentenpreise drücken. Dazu hat er auch einen «Deal» mit Roche geschlossen. Darin verpflichtet sich das Unternehmen, im Programm Medicaid die Preise zu senken. Dafür ist Roche bei zwei viel weitreichenderen Programmen ausgenommen. Dennoch fordert die Branche derzeit lautstark, Länder wie die Schweiz sollen höhere Preise bezahlen. Doch zeigen die nun präsentierten satten Gewinne nicht, dass Roche gar keine solche Hilfe nötig hat? Roche-Chef Thomas Schinecker widersprach und rechtfertigte den Vertrag mit Trump. «Wenn wir den Vertrag nicht unterschrieben hätten, hätten wir viele Mitarbeitende in der Schweiz entlassen müssen.» Denn in diesem Fall hätten weitergehende Preiskorrekturen in den USA gedroht. Schinecker wies darauf hin, dass 50 Prozent des Umsatzes aus Amerika kommen, während die Schweiz nur ein Prozent beiträgt. «Die Schweiz hat bisher sehr stark von der Pharma profitiert. Jetzt braucht sie eine Strategie, wie sie sich in der neuen Weltordnung aufstellen will», so Schinecker. (mpa)
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Roche-CEO Schinecker erhielt 2025 total 10,2 Mio. Franken
Roche-Chef Thomas Schinecker hat im vergangenen Jahr leicht mehr verdient als im Vorjahr.
Insgesamt erhielt der Top-Manager für 2025 eine Entschädigung in Höhe von 10,2 Millionen Franken. 2024 hatte die Gesamtentschädigung 10,0 Millionen betragen.
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