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Warum manche Menschen nicht an Sars-CoV-2 erkranken

29.12.2021, 10:3629.12.2021, 12:28

Es gibt sie doch! Menschen, die vom Corona-Virus verschont werden, obwohl sie tagelang mit Infizierten auf engstem Raum verbracht haben.

Was viele hofften und bereits vermuteten, hat ein Team um Leo Swadling vom University College London nun wissenschaftlich weiter verhärtet: In einer Studie, die im November im renommierten Journal «Nature» vorab veröffentlicht wurde, untersuchten er und sein Team Spitalmitarbeitende, die sich täglich einem hohen Corona-Ansteckungsrisiko ausgesetzt sehen – aber nicht erkranken.

Ein Modell eines Corona-Virus.
Ein Modell eines Corona-Virus.Bild: sda

Bei der Immunabwehr gegen Viren spielen sogenannte T-Zellen – also spezielle weisse Blutkörperchen – eine Rolle. Diese erkennen körpereigenen Zellen, die von Viren infiziert sind und zerstören diese.

In der Studie wurde unter anderem gezielt nach T-Gedächtniszellen gesucht. Diese speziellen T-Zellen bilden sich im Körper nach einer Infektion mit einem Virus und werden bei einer erneuten Infektion mit demselben Virus wieder aktiviert.
Die Studie um Swadling legt zudem nahe, dass auch das Immunprotein IFI27 eine Rolle bei der körpereigenen Bekämpfung von Sars-CoV-2 spielt.

Untersucht wurden in der englischen Studie 731 Spitalmitarbeitende, von denen 22 Prozent bereits an Covid erkrankt waren. Diese wiesen eine hohe Antikörperkonzentration auf.

Von den 731 Spitalmitarbeitenden untersuchten die Forschenden 58 Personen genauer – sie alle hatten keine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht: «Wir testeten sie auf T-Zellen und IFI27», erklärt Forschungsleiter Leo Swadling gegenüber «CH Media».

Die Untersuchungen ergaben, dass 20 Prozent der Personen dieser Gruppe erhöhte T-Zellen sowie eine erhöhte Konzentration des Proteins IFI27 aufwiesen, obwohl sie zuvor nicht an Sars-CoV-2 erkrankt waren. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Personen zwar Kontakt mit dem Virus hatten, die Infektion aber nicht ausgebrochen ist.

Shane Crotty, ein US-Immunologe vom La Jolla Institut für Immunologie, sagte gegenüber «Nature»: «Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es ist überraschend, dass T-Zellen in der Lage sein können, eine Infektion so schnell zu kontrollieren.»

Die Forschenden stellten die Hypothese auf, dass die Spitalmitarbeitenden mit den erhöhten T-Zellen- und IFI27-Werten, sich bereits früher mit einem anderen, harmloseren Coronavirus infiziert hatten – und die Immunabwehr auf diese Informationen zurückgriff. In diesem Fall würde man von einer Kreuzimmunität sprechen.

Die Hypothese der Kreuzimmunität wird auch von einer Studie der Uni Zürich gestützt: In einer Medien-Mitteilung lässt sich die Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie, Alexandra Trkola, zitieren: «Personen, die ­ausgeprägte Immun­antworten gegen menschliche ­Coronaviren haben, sind bis zu einem gewissen Grad auch vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 geschützt.» Und weiter: «Eine Person, die gegen harmlose Coronaviren eine Immunität hat, ist somit auch besser vor schweren Verläufen bei einer SARS-CoV-2-Infektionen geschützt.»

Offen bleibt zurzeit noch die Frage, ob Menschen, die eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben oder eine Impfung verabreicht bekommen haben, auch eine Kreuzimmunität gegen andere Corona-Viren haben. Und ob eine Kreuzimmuniät auch auf Mutationen wie Omikron anspricht. (yam)

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