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A young woman listening to mp3 music data files at the international broadcasting exhibition IFA (Internationale Funkausstellung) in Berlin, Germany, Sunday, 04 September 2005. The worldwide largest fair for consumer electronics runs from 02 September to 07 September 2005. This year's most important themes are flat screen TV monitors and High Definition Television (HDTV).  EPA/Soeren Stache

Bild: EPA

Musik ohne Gefühle hören

Sie können Sex & Drugs geniessen, aber den Rock'n'Roll nicht

Eine kleine Minderheit von Menschen ist musikalisch anhedonistisch. Egal, ob von Baschi oder Beethoven: Musik lässt sie völlig kalt. Forscher haben jetzt entdeckt, warum das so ist.

Anhedonie – schon der Begriff klingt irgendwie freudlos. Er stammt wie so viele psychologische Fachbegriffe aus dem Griechischen (ἀν– für nicht und ἡδονή für Lust) und bezeichnet die Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. 

Nur eine kleine Minderheit von Menschen leidet an diesem merkwürdigen Mangel. Essen, trinken, Sex, Drogen, im Lotto gewinnen – all dies ist für sie nicht mit Lust verbunden. Neben diesen totalen Anhedonisten gibt es jedoch eine Gruppe von Menschen, die einzig beim Musikhören kein Vergnügen empfinden können. Sie sind gewissermassen immun gegen die Wirkung der Musik, obwohl sie sehr wohl in der Lage sind, Musik als solche zu erkennen und rational zu interpretieren.

Blinder Fleck für Musikwirkung

Bisher hielt man diese musikalisch quasi gefühllosen Leute einfach für eine Untergruppe der Anhedonisten. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun aber, dass es sich um ein eigenständiges Phänomen handelt, das viel zum Verständnis der neuronalen Grundlagen der Musik beitragen könnte, wie das Wissenschaftsmagazin Scinexx.de berichtet

Ernest Mas-Herrero vom biomedizinischen Forschungsinstitut Idibell in Barcelona und seine Kollegen haben in einer Studie herausgefunden, dass diese musikalisch anhedonistischen Leute eine Art von blindem Fleck haben: Ihr Gehirn ist gegenüber der emotionalen Wirkung von Musik blind, reagiert indes auf andere emotionale Reize völlig normal.  

Die Experimente wurden in drei Testgruppen mit je zehn Probanden durchgeführt. Die Testpersonen waren zuvor untersucht worden, wie sie auf Musik reagieren: Ein Drittel bezeichnete sich als sehr sensibel für Musik, ein weiteres Drittel gab an, sich ab und zu emotional beeinflussen zu lassen, und die letzte Gruppe bestand aus Anhedonisten. 

Belohnungssystem funktioniert anormal

Ein erstes Experiment, in dem sie bei einem Computerspiel Geld gewinnen oder verlieren konnten, bewies, dass keiner der Probanden total anhedonistisch war. Beim Gewinn setzt das Belohnungssystem des Hirns das «Glückshormon» Dopamin frei, was zu unwillkürlichen körperlichen Reaktionen wie erhöhtem Puls führt. Alle getesteten Personen zeigten diese Reaktionen. 

Im zweiten Experiment wurde den drei Gruppen ein fröhliches Musikstück vorgespielt. Alle Teilnehmer mussten dann angeben, wie viel Freude sie dabei empfunden hatten. Danach hörten sie in einem weiteren Test 56 Ausschnitte aus verschiedenen Musikstücken. Hier mussten sie angeben, welche Gefühle die Musik ihrer Meinung nach ausdrückte. 

Tatsächlich erwies sich, dass die Anhedonisten von der emotionalen Wirkung der Musik unbeeindruckt waren. Sie konnten zwar sehr wohl angeben, welche Stimmung ein Musikstück transportierte, aber sie liessen sich davon nicht anstecken – im Gegensatz zu den anderen Probanden. 

Die Forscher erklären sich dies durch ein anormales Funktionieren des Belohnungssystems, das nicht auf die Wirkung von Musik reagiere. (dhr)



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