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Bikini-Figur auf den letzten Drücker? Das bringen die «Schlankmacher» in Wirklichkeit 

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Bikini-Figur auf den letzten Drücker? Das bringen die «Schlankmacher» in Wirklichkeit 

Um in letzter Sekunde noch ein paar Pfunde loszuwerden, ist vor allem im Sommer die Crash-Diät beliebt. Die Apotheken verkaufen dafür bereitwillig ein paar «Hilfsmittelchen». Doch was bringen die überhaupt?
17.07.2015, 12:3117.07.2015, 12:58
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Für viele Schweizer stehen in diesen Wochen die heissgeliebten Sommerferien auf dem Programm. Doch der Blick in den Spiegel lässt die Vorfreude manchmal etwas sinken: Denn das ein oder andere Fettpölsterchen sollte besser noch verschwinden, bevor am Strand die Hüllen fallen. «Höchste Zeit für eine Diät», denkt sich da wohl so mancher. Und: «Warum nicht etwas nachhelfen?»

In den meisten Apotheken findet man nämlich ein umfangreiches Angebot an Abnehmmittelchen. Und die werden auch gerne verkauft – wie unser Test zeigt: Unter dem Vorwand, innerhalb von rund 3 Wochen etwa 3 Kilo abnehmen zu wollen, fragt eine augenscheinlich normalgewichtige watson-Redaktorin in 10 Apotheken nach entsprechenden Produkten.

Fast alle präsentieren eine bunte Palette

Nur eine von 10 Verkäuferinnen antwortete darauf: «Nein, so etwas verkaufen wir nicht. Sie denken da jetzt wahrscheinlich an irgendwelche Sattmacher oder so. Aber ich würde vorschlagen, Sie verzichten auf Zucker und Kohlenhydrate und ansonsten essen Sie möglichst abwechslungsreich und trinken viel Wasser – und dann schaffen Sie das auch so.»

In den restlichen 9 Apotheken werden der Redaktorin unterschiedliche Produkte angeboten. So manche Apothekerin beäugt die Kundin etwas kritisch und rät, solche Dinge mit Vorsicht zu geniessen: «Ich bin kein Fan vom Hungern. Sie können ja eine Mahlzeit mit einem solchen Shake ersetzen und ansonsten möglichst gesund essen. Ersetzen Sie doch zum Beispiel den Znüni und den Zvieri durch etwas Obst.» So manch andere Apothekerin rät – beim gleichen Produkt – zu drastischeren Massnahmen: «Sie ersetzen alle drei Mahlzeiten mit je einem Shake und essen darüber hinaus nichts anderes.» 

Insgesamt kam bei dem Besuch von 10 Apotheken eine Liste von 10 Produkten zusammen, die der Redaktorin angeboten wurden. Wir erkundigen uns bei Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung SAPS, und bei Ernährungsberaterin Steffi Schlüchter von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE. Sie verraten uns, was von den Produkten zu halten ist.

1. Verschiedene Diät-Shakes und -Snacks

Was ist das?

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Mit diesen Shakes soll man schlank werden
Hierbei handelt es sich um einen Sojaeiweiss-Shake, den man anstelle normaler Mahlzeiten zu sich nimmt. Die Empfehlungen, wie viele Mahlzeiten man ersetzen soll, gehen wie bereits erwähnt bei den verschiedenen Apothekerinnen auseinander. Und während die einen versichern, damit bereits selbst grossen Erfolg gehabt zu haben, räumt eine andere ein: «Eine Garantie, dass es klappt, kann ich Ihnen natürlich nicht geben.» ... Mehr lesen
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Was sagen die Experten?

Heinrich von Grünigen (SAPS): Bei diesen Shakes und Snacks handelt es sich um Produkte aus der Gattung «Formula-Diäten»: Sie dienen als Mahlzeiten-Ersatz und stellen sicher, dass man – an Stelle eines üppigen Standard-Menüs – die minimal benötigte Anzahl Kalorien und einen optimalen Nährstoff-Mix zu sich nimmt. Unterschiedlich sind allenfalls die Geschmacksrichtungen, gesundheitlich sind sie unbedenklich, sofern sie nicht zusätzlich zu unkontrollierten Zwischen-Knabbereien oder einem zu hohen Konsum an Süssgetränken (Stichwort «flüssige Kalorien»!) eingenommen werden.

Steffi Schlüchter (SGE): Mahlzeiten-Ersatzprodukte stellen zwar nährstoffmässig oft eine ausgewogene Mahlzeit dar, sie bieten aber weder die sensorische Vielfalt noch das Gesellige einer «normalen» Mahlzeit. Der Konsum von Mahlzeiten-Ersatzprodukten ändert nichts an den Ess- und Trinkgewohnheiten, die für eine langfristige Gewichtsreduktion aber nötig sind.

2. Fett/Kohlenhydrate-Binder

Was ist das?

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Mit diesen Tabletten soll man schlank werden
Diät-Shakes soll man anstelle der normalen Nahrung zu sich nehmen. Diese drei Produkte nimmt man dagegen zusätzlich zum normalen Essen ein. Liposol ist ein Mittel, welches Fett bindet. Dadurch wird das Fett, das man gerade gegessen hat, nicht vom Körper aufgenommen – sondern gleich wieder ausgeschieden.
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Was sagen die Experten?

Heinrich von Grünigen (SAPS): Diese bindenden Stoffe reduzieren die Aufnahme von Fett beziehungsweise Kohlenhydraten im Verdauungstrakt, indem sie einen Teil der entsprechenden Moleküle «blockieren», so dass diese vom Stoffwechsel nicht aufgenommen werden können. Die Wirkung solcher Produkte ist grundsätzlich nachgewiesen, sofern der Patient sie nicht dadurch «austrickst», dass er mengenmässig einfach mehr isst – was in der Praxis ein häufiges Phänomen ist.

Steffi Schlüchter (SGE): Stimulierende oder fettverbrennende Pflanzenextrakte sind meist nicht sehr effizient, um Gewicht zu verlieren. Andere Produkte führen teilweise zu einer reduzierten Energiezufuhr während der Zeit, in der sie regelmässig eingenommen werden. Bis heute gibt es kein Medikament, das eine ganzheitliche und langfristige Lösung für Gewichtsprobleme bietet. Durch das Schlucken einer Pille vor jeder Mahlzeit werden die Gewohnheiten nicht verändert, was für eine langfristige Gewichtsreduktion aber nötig ist.

3. Sattmacher

Was ist das?

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Diese Kapseln sollen ein Sättigungsgefühl auslösen, wodurch die Person automatisch weniger essen sollte. Ausserdem gibt es die so genannten «Edda-Tropfen». Diese werden von einigen Apotheken selbst hergestellt. Auch sie sollen ein Sättigungsgefühl bewirken.

Was sagen die Experten?

Heinrich von Grünigen (SAPS): «AppeCal» von Biomed ist ein Quellmittel, das den Magen füllen und so die Sättigung erleichtern soll. Das kann für einige Leute hilfreich sein, die eingenommene Nahrungsmenge zu reduzieren.

Zusammenfassung

Aus der Sicht von Heinrich von Grünigen ist in der Liste kein Präparat aufgeführt, vor dem man «warnen» müsste. Das mögliche Resultat hänge aber davon ab, wie konsequent jemand sein Essverhalten im Griff habe: «Vielfach verleiten solche Präparate zu einer gewissen Sorglosigkeit im Umgang mit der Nahrung, weil sich die Leute sagen, ‹das Präparat wird es schon richten, also kann ich noch ein wenig zuschlagen›.» Gleiches gelte sinngemäss auch für Light-Produkte, von denen in der Regel mehr konsumiert würde, weil sie ja weniger Kalorien enthalten. 

Hinzu käme, dass die Wirkung solcher Produkte sehr unterschiedlich ausfallen könne: «Denn gerade beim Abnehmen spielt der Placebo-Effekt eine grosse Rolle, und der ist bei jedem Menschen individuell.» 

Lobend erwähnt von Grünigen jene Apotheke, die der Redaktorin nichts verkauft hat: «Das ist die richtige Einstellung. Verzicht auf Süsses (oder Reduktion), Verzicht auf Alkohol und zuckerhaltige Getränke, Einschränkung der Kohlenhydrate – das sollte den gewünschten Effekt im 3-Kilo-Bereich in aller Regel bringen, sofern nicht eine Stoffwechsel-Störung vorliegt.»

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