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Dr. Atala, Wake Forest Institute for Regenerative Medicine

Zellen aus dem Penisgewebe (hier eines Kaninchens) werden im Labor kultiviert und danach in ein Gerüst injiziert.  Bild: WFIRM/www.wakehealth.edu

Gezüchtetes Glied

Penisse aus dem Labor stehen kurz vor Testreife

Neue Hoffnung für Männer, die ihr Geschlechtsorgan durch Unfall oder Krankheit verloren haben: Aus körpereigenen Zellen gezüchtete Penisse sollen bald am Menschen getestet werden.



Amerikanische Forscher am Wake Forest Institute for Regenerative Medicine im US-Bundesstaat North Carolina testen derzeit im Labor gezüchtete Penisse. Die künstlichen Geschlechtsorgane werden auf ihre Sicherheit, Funktionalität und Belastbarkeit geprüft, wie die britische Zeitung «The Guardian» schreibt. Ziel ist die Genehmigung durch die US-Behörden und die Erlaubnis, die gezüchteten Gliedmassen innerhalb der nächsten fünf Jahre an menschlichen Probanden zu testen. 

Penisse sind allerdings schon transplantiert worden, aber es handelte sich dabei um Organe eines fremden Spenders. Die erste solche Penistransplantation fand 2006 in China statt. Der Patient erlitt jedoch ein Trauma und liess das Spenderorgan zwei Wochen später wieder entfernen. 

Penis aus körpereigenen Zellen

Das Team unter der Leitung von Professor Anthony Atala verpflanzt aber keine Spenderpenisse, sondern züchtet die Organe aus Zellen, die dem restlichen Penisgewebe des Patienten entnommen wurden. Dies beugt dem hohen Risiko der Abstossung durch den Körper vor. Der Rückgriff auf körpereigene Peniszellen macht die Methode aber auch ungeeignet für geschlechtsangleichende Operationen; beispielsweise bei Menschen, die einen weiblichen Körper haben, sich aber als Mann fühlen.   

Ein Spenderpenis wird gleichwohl noch gebraucht: Er verleiht dem Kunstpenis die Form. Dazu legen die Forscher das Fremdorgan in ein mildes Reinigungsmittel ein, in dem sich die Zellen des Spenders auflösen, bis nach zwei Wochen nur noch eine Art Gerüst aus Kollagen übrig ist. Darauf werden die während vier bis sechs Wochen in einer Kultur gezüchteten Zellen des Empfängers angesetzt; zuerst die Muskelzellen und danach jene Zellen, die für die Blutversorgung sorgen. 

Dr. Anthony Atala & Jang-Won Lee Phd., Center for Regenerative Medicine/Urology , Visions
Approved by Imaging
Dr. Anthony Atala & Jang-Won Lee Phd., Center for Regenerative Medicine/Urology , Visions
Approved by Imaging

Neue Hoffnung für Männer, die ihren Penis verloren haben: Professor Atala in seinem Labor. Bild: wfirm/wakehealth.edu

Ejakulierende Hasenmännchen

2006 war es den Wissenschaftlern bereits gelungen, Hasenmännchen mit einem Labor-Penis auszustatten. Die gezüchteten Organe erwiesen sich als funktionstüchtig: Alle zwölf Versuchstiere versuchten sich zu paaren, bei acht konnte eine Ejakulation nachgewiesen werden, vier zeugten Nachwuchs. 

«Die Studie mit den Hasen war sehr ermutigend.»

Professor Atala

Manche Experten bezweifeln allerdings, dass dies beim Menschen auch möglich ist. Der britische Urologe Asif Muneer fragt sich, ob die gezüchteten Penisse zu einer Erektion fähig sind. «Die erektile Funktion ist ein komplexer neurophysiologischer Prozess, der im Gehirn beginnt», betonte Muneer gegenüber dem «Guardian». «Daher frage ich mich, ob sie diesen Prozess hervorrufen können oder ob es sich nur um eine ästhetische Verbesserung handelt.» 

Auch Muneer ist aber der Ansicht, dass die neue Methode – falls erfolgreich – den bisherigen Behandlungsmöglichkeiten für Männer mit Peniskrebs oder traumatischen Verletzungen weit überlegen wäre. Derzeit rekonstruieren die Ärzte einen Penis mithilfe von Gewebe aus dem Unterarm oder -schenkel des Patienten. Dazu implantieren sie eine Penisprothese, die eine Erektion simuliert. 

Noch ist die neue Methode aber nicht genehmigt: «Die Studie mit den Hasen war sehr ermutigend», erklärte Atala. «Aber um eine Genehmigung für den Menschen zu bekommen, benötigen wir alle Daten zu Sicherheit und Qualität. Wir müssen zeigen, dass unsere Materialen ungiftig sind und müssen den Herstellungsprozess genau darlegen, Schritt für Schritt.» (dhr)

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