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9 Dinge, die du über die Oktoberrevolution wissen solltest

Christoph Bopp / Nordwestschweiz



Was war das Besondere an der Russischen Revolution?

In der europäischen Geschichte gab es drei grosse Revolutionen: Die Englische im 17. Jahrhundert, die Französische von 1789 und die Russische von 1917. Natürlich standen soziale Probleme bei allen drei Ereignissen am Anfang. Gemeinsam und auffällig war bei allen dreien, dass die Alphabetisierungsrate in den entsprechenden Ländern am Steigen war.

Die «soziale Frage» war in Europa während des 19. Jahrhunderts das zentrale Thema. Das Leid und die Not eines grossen Teils der Bevölkerung, die «Ungerechtigkeit» der herrschenden Ordnung war manifest. Es musste etwas geschehen. Russland war das rückständigste und zugleich repressivste Land in Europa damals. Die Inkompetenz und Ignoranz der führenden Schicht war mit Händen zu greifen.

ARCHIVE --- VOR HUNDERT JAHREN AM 7. NOVEMBER 1917 BEGINNT NACH GREGORIANISCHER ZEITRECHNUNG DIE OKTOBERREVOLUTION IN RUSSLAND. ZU DIESEM ANLASS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Russian revolutionary leader Vladimir Ilich Lenin is shown in 1918 at an unknown location.  Ninety years after he was executed, Czar Nicholas II is leading a tight race to be named the greatest Russian in history. His closest competitors? Soviet dictator Josef Stalin and Vladimir Lenin, the founder of the Soviet state that killed the last czar and his entire family. The contest, sponsored by state-owned Rossiya television, is a Russian version of the 2002 BBC show

Ein neues Gesellschaftssystem verordnet von oben: Lenin war ein Intellektueller, keiner vom Volk. Wie übrigens auch Fidel Castro. Bild: AP

Man sagt: Mit der Russischen Revolution beginnt der Siegeszug des Marxismus. Welche Rolle spielten Marx und sein Werk?

«Sozialismus» und «Revolution» gehörten in mancherlei Hinsicht auch in Frankreich bereits zusammen. Marx und Engels brachten in die Diskussionen um die Sozialrevolution ein neues Moment. Der Sozialismus sei, sagte Marx, nicht nur etwas moralisch Wünschenswertes, das anstelle der Monarchie oder Autokratie gesetzt werden sollte, sondern die historisch zwingende Folge des Kapitalismus. Marx und Engels propagierten einen historischen Mechanismus: Der voll entwickelte Kapitalismus trägt «in sich» bereits den Sozialismus. Das spaltete die Sozialdemokratie: In einen revisionistischen Flügel, der auf die allmähliche Verbesserung der sozialen Probleme hoffte, und einen revolutionären, der die Verhältnisse mit Gewalt ändern wollte.

Gehörte Lenin zu den Revolutionären?

Auch die Befürworter der Revolution hatten ein Problem. Was kommt danach? Eine Frage, die auch Marx und Engels so nicht beantworten konnten. Marx ging aus von einer vollindustrialisierten Gesellschaft, in der eigentlich alle Wünsche befriedigt werden könnten. Dann gäbe es keinen Grund mehr für Klassenunterschiede und Diskriminierung. In Russland, das stand für Lenin fest, konnte eine Revolution, die an ein solches Ziel appellierte, nicht gelingen. Ein Bewusstsein davon war in der russischen Bevölkerung, vor allem auf dem Land, einfach nicht vorhanden. Russland war auch kaum industrialisiert, Arbeiter und Arbeiterbewegungen gab es erst im Ansatz. Lenins Lösung war eine Partei von Berufsrevolutionären (die Bolschewiki, die ausgesprochen keine politische Massenbewegung sein wollten), die mit Gewalt die Macht übernehmen und die Verhältnisse ändern müsste.

Die Diktatur des Proletariats wurde bei Lenin zu einer Diktatur einer Partei?

Gewissermassen. Die russische Revolution war für die Bolschewiki und Lenin eine Folge von Herausforderungen, die pragmatisch gemeistert werden mussten. Die grosse Linie gab es eigentlich nicht. Die war auch nicht bei Marx oder Engels zu lesen. Man musste die Leute auf dem Land berücksichtigen (Bodenreform), dann die Ernährungssituation sicherstellen (Ernte konfiszieren), die reguläre Armee destabilisieren (Frieden schliessen mit den Deutschen), eine eigene revolutionäre Armee aufstellen für den Bürgerkrieg (die Rote Armee) – es war ein dauerndes Hin und Her. Eigentlich hatten Lenin und die Bolschewiki nur ein übergeordnetes Ziel: die Macht in ihren Händen zu behalten.

War Lenin ein Tyrann?

Auf den ersten Blick schon. Andererseits ist es nicht recht vorstellbar, wie man Russland auf eine andere Art hätte umgestalten können. Die Kerenski-Regierung hatte zwar das Zaren-Regime beseitigt, tat aber sonst nicht viel. Lenin hatte gesehen, wie 1905 alles im Sand verlaufen war. Und er hatte daraus geschlossen, dass es vor allem eine entschlossene Führung brauchte. Und die lieferte er.

Was unterschied Lenin von Stalin?

Den Terror gab es auch unter Lenin. Seine Sprache war mitunter ebenso gewalttätig. Dass man Leute, die politisch im Weg waren, erschiessen sollte, sagte auch er. Lenin war ein Berufsrevolutionär, ein Profi der Revolution. Er lebte für die Revolution, nicht für die Macht. Stalin war auf die Macht fixiert. Lenin konnte mit politischen Gegnern, mit Gegenargumenten, durchaus leben.

epa05684241 Communist party members and supporters carry late Joseph Stalin's portraits and flowers as they walk in the Red Square in Moscow, Russia, 21 December 2016, to pay a visit to the Soviet dictator's tomb to pay tribute to the 137th anniversary of his birth. Russian communists are marking the 137th anniversary of Josef Stalin's birthday. While historians blame Stalin for the deaths of millions in purges, prison camps and forced collectivization, many in Russia still praise him for leading the Soviet Union to victory over Nazi Germany in World War II.  EPA/MAXIM SHIPENKOV

Findet auch heute noch seine Anhänger: Josef Stalin Bild: EPA/EPA

Stalin war rachsüchtig und wer gegen ihn war, büsste das früher oder später. Lenin warnte die Genossen vor Stalin. Andererseits ist klar, dass die Strukturen, die zum Stalinismus führten, bereits von Lenin stammten. Ob Lenin wirklich nichts – oder weniger und nur als Mittel zum Zwecke – an persönlicher Macht lag, wissen wir nicht.

Ist Lenin verantwortlich für den Stalinismus?

Ohne Lenin hätte es Stalin nicht gegeben, ohne Zweifel. Politisch ist die Sache weniger klar. Noch unter der Führung Lenins und Trotzkis wurde die NEP, die neue ökonomische Politik, etabliert. Sie enthielt – wie später in Dengs China – marktwirtschaftliche Elemente. Und verbesserte die Versorgungssituation, weil die Erträge stiegen. Stalin würgte das ab. Der Stalinismus begann erst mit der sogenannten Kollektivierung der Landwirtschaft. Da wurde die traditionelle Dorfstruktur im bäuerlichen Russland völlig zerstört. Mit der Folge neuer Hungersnöte.

Inwiefern war der in der Sowjetunion praktizierte Sozialismus ein Marxismus?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das russische Vorbild zum Modell vieler sozialer Experimente. Einige folgten auf Revolutionen, andere auf Kolonialkriege. Man berief sich überall auf Marx – allerdings meist via Lenin. Lange hielt man das Sowjetmodell auch für wirtschaftlich erfolgreicher: der Sputnik-Schock 1957 zum Beispiel oder die Wachstumsraten, welche die westlichen übertrafen – wie heute die von China auch.

Gehört Marx auch auf den Misthaufen der Geschichte?

Ironischerweise war es Trotzki, der dieses Bonmot 1917 den Sozialrevolutionären und Menschewiki hinterherrief. Marx war als Philosoph ein Mann des 19. Jahrhunderts.

Karl Marx

Karl Marx, ein Mann des 19. Jahrhunderts

Er glaubte daran, dass die menschliche Entwicklung zu etwas Höherem und Besserem führe. Dass es möglich sein würde, in Frieden mit den Mitmenschen und der Natur zu leben. Einfach deshalb, weil die Industrie es erlauben würde, die Arbeitsbelastung der Menschen so weit zu reduzieren, dass sie ein glücklicheres Leben ohne Not und in Musse verbringen könnten, wenn die notwendige Arbeit einmal geleistet war. Deshalb war Lenin so interessiert daran, das «Gesetz des Kapitalismus» freizulegen. Damit die Menschen einsehen könnten, wie das System funktioniert.

Man darf nicht vergessen, dass alle «Marxisten» der ersten und zweiten Stunde Töchter und Söhne aus mehr oder weniger begüterten, aber sicher bürgerlichen Familien waren. Sie waren Intellektuelle, die wenigsten hatten eine Vorstellung vom Leben der Arbeiter aus erster Hand. Das gilt eigentlich für die meisten «marxistischen Revolutionen»: Fidel Castro war Jurist (Lenin war auch Anwalt), Che Guevara Mediziner, Maos Vater ein mehr oder weniger begüterter Landbesitzer. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gogl Vogl 10.11.2017 01:34
    Highlight Highlight Hier geht man vor allem auf den autoritären Sozialismus ein. Es gab allerdings auch Vertreter des antiautoritären, dezentralen Sozialismus wie Michail Bakunin, welcher in gewisser Weise konträr zu Marx stand und international extrem engagiert tätig war. Er verdient eine massgebendere Rolle in der Geschichte.
  • Larifario 09.11.2017 15:41
    Highlight Highlight Nach meiner Meinung hätte der Autor auch auf die Novelle „Utopia“ von Thomas Morus, Lordkanzler bei Hernry XIII hinweisen müssen.
    • Gogl Vogl 10.11.2017 01:27
      Highlight Highlight Zu romantisiert für die kalte, russische Realität. Hätte allerdings gerne was über Michail Bakunin gelesen.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 08.11.2017 12:35
    Highlight Highlight Danke für den Artikel :)
    Ich denke, Marx und Engels haben einen wichtigen Faktor ausser Acht gelassen der sich nach der Oktoberrevolution schön zeigte, die Menschliche Gier.
    Gier nach Reichtum, Privilegien und Macht.

    Ein System, in dem alle Gleich sind und alle miteinander Teilen und auf einander achten kann es aus diesem Grund leider nicht geben, es findet sich immer jemand der das System entweder zu seinen Gunsten ausnutzt oder komplett Korrumpiert
  • pedrinho 07.11.2017 13:56
    Highlight Highlight Marx und seine philosophie, ein traum, wenn da nur nicht der sozialismus im wege stehen wuerde.
  • satyros 07.11.2017 13:17
    Highlight Highlight Merci für diesen Artikel. Meines Erachtens ist er ein wenig zu fest von der These getragen, bei den Bolschewiki handelte es sich um eine kleine Clique ohne Verbindung zur breiten Bevölkerung, die einfach einen Staatsstreich durchzogen. Im Oktober und November 1917 waren die Arbeiter Petersburgs von der Kerenskiregierung tief enttäuscht, da diese keine ihrer Forderungen (sofortiger Friedensschluss, Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung und sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln) erfüllen wollte und konnte.
  • Mutzli 07.11.2017 12:07
    Highlight Highlight Besten Dank für diesen Artikel, ist ein wirklich netter kurzer Überblick. Der Konflikt zwischen den Menschewiki und den Bolschwiken, würde allerdings noch ein bisschen mehr Platz verdienen. Zudem: Auch wenn man sich auf Marx berief, waren Konzepte wie Berufsrevolutionäre oder der Staatskapitalismus der UDSSR Konzepte, die der Theorie diametral widersprachen. Der Kommunismus nach Marx, wäre ja ein durch historische Prozesse bedingter Zustand, während die Wegbereitung gewalttätige Zwischenfälle eben gerade verhindern sollte (so zumindest in Theorie).
    • satyros 07.11.2017 13:13
      Highlight Highlight Marx glaubte nicht daran, dass wir einfach eines Tages im Sozialismus aufwachen, weil dieser eine historische Notwendigkeit ist. Gemäss Marx wäre der Sozialismus das Resultat des Siegs des Proletariats im Klassenkampf. Nicht umsonst nennt der Artikel jene Sozialdemokraten, die glauben, der Kapitalismus lasse sich zum Sozialismus hin reformieren, revisionistisch. Sie revidierten die marxistische Theorie.
  • RacKu 07.11.2017 10:36
    Highlight Highlight Aux armes...
    Benutzer Bild
  • Sagitarius 07.11.2017 10:25
    Highlight Highlight Das ist Watson! Danke!
  • Ohniznachtisbett 07.11.2017 09:40
    Highlight Highlight Es wird immer wieder behauptet, dass der 1. WK die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts war. Ich - bin nicht Historiker, aber sehr wohl daran interessiert - sehe das etwas anders. Die Weichen für den 1. WK wurden viel früher gestellt. 100 Jahre davor am Wiener Kongress. Dort haben die Sieger in FR die Bourbonenkönige wieder eingesetzt. Die feudalen Herrscher in Berlin, Wien und Petersburg haben ihr Ancien Regime zementiert. Hätte man dort die positiven Errungenschaften der FR-Revolution hervorgehoben und Demokratien nach GB-Vorbild auch in Preussen und KuK errichtet, wäre vieles anders gekommen.
  • cheko 07.11.2017 08:33
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel! :)

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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