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Freistadt Christiania in Kopenhagen

Die Freistadt Christiania in Kopenhagen ist der wohl berühmteste Mikrostaat. Bild: Shutterstock

Wetten, du kennst nicht alle diese 10 Mikrostaaten?



Wer hat nicht schon insgeheim davon geträumt, einen eigenen Staat auszurufen und seine eigenen Gesetze zu erlassen? Nicht wenige haben das schon getan: Rund um den Globus gibt es eine Vielzahl von Fantasiestaaten. Diese Mikrostaaten – manche sind nur so gross wie eine Wohnung oder kommen ganz ohne Territorium aus – sind international nicht anerkannt; man sollte sie nicht mit souveränen Zwergstaaten wie Monaco oder dem Vatikanstaat verwechseln.

Principato di Seborga

Fürstentum Seborga, Ligurien, Italien

«Willkommen im alten Fürstentum von Seborga», verkündet dieses vielsprachige Schild den Touristen. Bild: Shutterstock

Das Bergdorf Seborga liegt in der italienischen Provinz Imperia hoch über der ligurischen Blumenriviera und lebt vornehmlich von der Landwirtschaft und vom Tourismus. Für letzteren dürfte es ganz vorteilhaft sein, dass sich das mittelalterliche Städtchen 1993 zum Fürstentum Seborga proklamierte.

Seborga, Ligurien, Italien

Das Bergdorf lebt von Landwirtschaft und Tourismus. Bild: Shutterstock

Der Blumenhändler Giorgio Carbone hatte mit Freunden schon seit den Sechzigerjahren versucht, den historischen Nachweis zu erbringen, dass Seborga völkerrechtlich nie zum italienischen Staat gehörte. Dieser ignorierte die separatistischen Bemühungen Seborgas gekonnt und liess Carbone gewähren, als der sich als Giorgio I. zum «Principe di Seborga» ernannte. Seit seinem Hinschied 2009 amtet Marcello Menegatto als Principe. Das Fürstentum hat sogar eine ehemalige Münze wiederbelebt: Der «Luigino» gilt jedoch nur in den Geschäften Seborgas als Zahlungsmittel.

Fürstentum Seborga, Ligurien, Italien
Giorgio I., Fürst von Seborga auf einer Münze von 1996
https://de.wikipedia.org/wiki/Giorgio_I.#/media/Datei:Seborga_Coin_-_Prince.JPG

Giorgio I. auf einer Münze des Fürstentums. Bild: Wikimedia

Das Fürstentum hat auch eine Nationalhymne:

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Video: YouTube/Aldo Regolo

Uzupio Res Publika

Užupis, Vilnius, Litauen

Užupis, ein Quartier der litauischen Hauptstadt Vilnius, ist ein Szeneviertel, in dem viele Künstler wohnen und das zahlreiche Touristen anzieht. Bild: Shutterstock

Als Litauen unabhängig wurde, war Užupis, am Rand der Altstadt von Vilnius gelegen, ein eher armes Quartier. Mit der Zeit entwickelte es sich zum Künstlerquartier und Szeneviertel, aus dem die ärmeren Leute allmählich verdrängt wurden. 1998 riefen einige Bewohner als Kunstaktion die Republik Užupis («Uzupio Res Publika») aus, die über eine eigene Flagge und Währung verfügt. Die Unabhängigkeit wird alljährlich am 1. April gefeiert.

Užupis, Vilnius, Litauen

Das Schild am Ufer der Vilnia markiert die Grenze der Republik Užupis. Bild: Shutterstock

Zudem gibt es eine Verfassung, deren Artikel auf einer Bronzetafel am Parlamentsgebäude – es ist ein Café – angebracht sind. Die erste dieser Grundregeln lautet: «Jeder Mensch hat das Recht, am Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht, an jedem vorbei zu fliessen.» Jeder hat zudem das Recht, glücklich zu sein – aber auch das Recht, unglücklich zu sein.

Užupis, Vilnius, Litauen

Die Flagge der «Uzupio Res Publika». Bild: Shutterstock

Užupis hatte zunächst eine eigene Armee, die aus zwölf Soldaten bestand. Da jedoch niemand Angst vor ihr hatte und sich die Republik ohnehin zu einem völligen Gewaltverzicht verpflichtet hat, wurde sie mittlerweile wieder aufgelöst.

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Die unorthodoxe Nationalhymne der Republik Užupis. Ob es sich wirklich um die offizielle Hymne handelt, ist unklar. Video: YouTube/Gin Gas

Svobodná Republika Liberland

Gebäude in Liberland

In Liberland gibt es derzeit (noch) nicht viel zu sehen. Bild: Liberland.org

Am Anfang von Liberland steht eine Flusskorrektur. Nachdem die Donau Ungarn verlässt und nach Süden fliesst, bildet sie die Grenze zwischen Kroatien und Serbien. Einst war ihr Lauf dort von Mäandern geprägt, doch dieser kurvenreiche Verlauf wurde stark begradigt. Da Kroatien den alten Flusslauf als Grenze betrachtet, Serbien hingegen die begradigte Linie, sind mehrere kleinere Gebietstaschen entstanden, die von keinem der beiden Staaten beansprucht werden und ein Niemandsland bilden. In der grössten davon hat der libertäre tschechische Politiker Vít Jedlička die Freie Republik Liberland (tschechisch: Svobodná Republika Liberland) ausgerufen und sich zu deren Präsidenten ernannt.

Karte der kroatisch-serbischen Grenze mit Liberland.

Die gelben Gebietstaschen östlich des heutigen Flusslaufs werden sowohl von Kroatien als auch von Serbien beansprucht; die grün eingefärbten Gebiete hingegen von keinem der beiden Staaten. Liberland ist die «Siga» benannte grüne Zone. Karte: Wikimedia/Tomobe03

Wäre Liberland ein richtiger Staat, es wäre ein feuchter libertärer Traum. Steuern werden grundsätzlich nicht erhoben; Waffenbesitz ist für alle legal und jeder darf Marihuana rauchen. Weder Bildungs- noch Gesundheitswesen sind vorgesehen, dafür soll es Referenden wie in der Schweiz geben. Als Zahlungsmittel sollen Bitcoins dienen. Die Staatsbürgerschaft – die 10'000 US-Dollar in Bitcoin kostet – kann über eine Website beantragt werden. Unter den bisher angeblich hunderttausenden von Interessenten soll allerdings eine Auswahl stattfinden; nur etwa 5000 sollen sie erhalten. «Extremisten» sind ausdrücklich davon ausgeschlossen. Noch aber wohnt niemand auf der sumpfigen Donau-Halbinsel.

Flagge von Liberland
Von Elevatorrailfan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41460793

Flagge der Freien Republik Liberland. Bild: Wikimedia/Elevatorrailfan

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Nationalhymne. Video: YouTube/LUMPARIO.com

Republik Kugelmugel

Mikronation, Mikrostaat, Ministaat Republik Kugelmugel

Die Republik Kugelmugel befindet sich im Wiener Prater auf dem «Antifaschismusplatz». Bild: Shutterstock

1971 baute der Künstler Edwin Lipburger im niederösterreichischen Katzelsdorf ein Kugelhaus – ohne Baugenehmigung. Die war gemäss Lipburger auch gar nicht notwendig, denn seine «nur vorübergehend stabilisierte Kugel» sei ein «positiv konstant gekrümmter, zweidimensionaler Raum und daher kein Begriff im Sinne der Niederösterreichischen Bauordnung». 1976 rief der Künstler seine Kugel zur «Republik Kugelmugel» aus, die freilich nie offiziell anerkannt wurde. Er selbst beförderte sich zum «Generalvolksanwalt und Präsidenten» des Scheinstaats.

Mikronation, Mikrostaat, Ministaat Republik Kugelmugel

Das «Staatsgebiet» ist mit Stacheldraht umzäunt. Bild: Shutterstock

1982 zogen das Kugelhaus und damit auch die Republik Kugelmugel nach Wien um, wo sie im Prater angesiedelt wurden. Dort steht das Haus, von Stacheldraht eingezäunt, auf dem von Lipburger so benannten «Antifaschismusplatz». Da der Staatsgründer sich weigerte, Steuern an den österreichischen Staat zu zahlen und auch eigene Briefmarken herausgab, wurde er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und musste zehn Wochen absitzen, bis er – vom echten Präsidenten – begnadigt wurde. Lipburger starb 2015, doch sein Sohn Nikolaus führt sein Werk weiter. Im Kugelhaus, das eine Touristenattraktion geworden ist, finden regelmässig Kunstveranstaltungen statt.

Flagge der Republik Kugelmugel
By Source, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=36117384

Die Flagge der Republik Kugelmugel erinnert an eine invertierte österreichische Flagge. Bild: Wikimedia

République libre du Saugeais

Freie Republik Saugeais
Von Jgaffuri - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21156090

Die Freie Republik Saugeais liegt im Französischen Jura, direkt an der Schweizer Grenze. Karte: Wikimedia/Jgaffuri

Unweit der Schweizer Grenze, in der Franche-Comté, liegt die Freie Republik Saugeais. Für einen Mikrostaat ist die Republik ziemlich gross: Sie besteht aus 11 Gemeinden und erstreckt sich über fast 130 km2. Ihre Gründung verdankt sie einem Scherz des damaligen Präfekten des französischen Departements Doubs, der den Gastwirt Georges Pourchet beim Mittagessen zum Präsidenten der Republik ernannte. Dessen Nachfolge trat zunächst seine Witwe, später die Tochter an, die heute noch «regiert».

Georgette Pourchet, Präsidentin der Freien Republik Saugeais. 
http://www.tourisme-loue-saugeais.com/la-republique-du-saugeais/lhistoire.html

Präsidentin der Republik ist Georgette Pourchet, Tochter des Gründers. Bild: tourisme-loue-saugeais.com

Die «République libre du Saugeais» hegt keine separatistischen Absichten und erhebt keine Steuern oder Zölle. Finanz- und Gerichtshoheit liegen bei Frankreich, das auch die polizeilichen Aufgaben wahrnimmt. Es gibt auch keine eigene Währung, allerdings wurde 1997 eine inoffizielle Banknote zum 25. Amtsjubiläum der damaligen Präsidentin Gabrielle Pourchet entworfen.

Freie Republik Saugeais
https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Republik_Saugeais#/media/Datei:Flag_of_Saugeais.png

Seit 1972 führt die Freie Republik Saugeais ein eigenes Wappen. Bild: Wikimedia

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Und es gibt selbstredend auch eine Nationalhymne: «Hymne du Saugeais». Video: YouTube/LordDaine

Libera Repubblica di Alcatraz

Wer «Alcatraz» hört, denkt sofort an die berüchtigte Gefängnisinsel bei San Francisco. Doch in Italien gibt es ebenfalls ein Alcatraz – eine Freie Republik mit eigener Währung und eigenen Briefmarken. Dieses abgelegene autonome Öko-Dorf in der umbrischen Provinz Perugia geht auf eine sogenannte «süsse Revolution» zurück, als die Einwohner 1981 die «Libera Università di Alcatraz» gründeten. Der Ort lebt von nachhaltigem Tourismus und ist autark. Brunnenwasser wird gefiltert, eigenes Gemüse und Obst angepflanzt, Abfall getrennt und reduziert.

2009, in der Regierungszeit von Silvio Berlusconi, sagte sich Alcatraz als Freie Republik von Italien los. Jacopo Fo – Künstler, Sohn des Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo und Präsident der Mikro-Nation – hatte schon Jahre zuvor das Gelände aufgekauft, um die Abholzung der Bäume zu verhindern. Fo tat dies nicht allein, sondern gemeinsam mit Freunden – getreu dem Grundsatz «Einigkeit macht stark, Alleinsein ist langweilig», der in den Statuten der Freien Republik Alcatraz steht. 2015 beherbergte Alcatraz die dritte Internationale Konferenz der Mikronationen, bei der sich Staatsoberhäupter von Scheinstaaten aus aller Welt ein Stelldichein gaben.

Freie Republik Alcatraz, Libera Universita di Alcatraz, Banknote
https://www.jacopofo.com/proclamazione-nascita-libera-repubblica-alcatraz

Alcatraz hat eine eigene Währung. Bild: Jacopofo.com

Principality of Hutt River

Büste des Gründers des Fürstentums Hutt River, Leonard Casley.
By Chris Fithall from Ballarat - Prince Leonard Bust, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=76552869

Büste des unlängst verstorbenen Gründers des Fürstentums, Leonard Casley. Bild: Wikimedia/Chris Fithall

1970 hatte Leonard Casley genug. Der australische Farmer war der Meinung, die von den Behörden des Bundesstaates Westaustralien verhängten Produktionsquoten für Weizen seien viel zu niedrig. Aus Protest gründete er einen eigenen Staat, das Fürstentum Hutt River (engl. «Principality of Hutt River»), und verlieh sich selbst den Titel «Seine Majestät, Prinz Leonard I. von Hutt». Konsequenterweise hörte er auch auf, Steuern an den australischen Fiskus abzuführen. 1977 wurde er deshalb bestraft, worauf er Australien den Krieg erklärte, wenige Tage später aber die Einstellung der Feindseligkeiten erklärte.

Flagge der Principality of Hutt River.
Von Abigbro - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42998500

Die Flagge des Fürstentums Hutt River zeigt einen stilisierten Bullenkopf, einen Adlerkopf und eine Waage. Bild: Wikimedia/Abigbro

Das Scheinfürstentum im äussersten Westen Australiens wird von den australischen Behörden formell nicht anerkannt. Es lebt vom Getreideanbau, aber auch vom Tourismus – Hutt River, das eine eigene Währung, ein Postamt und auch eine Kirche besitzt, wird von Touristen aus aller Welt besucht. Neben den auf dem Gebiet selbst wohnenden Staatsangehörigen besitzen weitere 14'000 Personen die Staatsbürgerschaft, darunter zahlreiche Aborigines. Diese exterritorialen «Untertanen» dürfen allerdings nicht auf dem Gebiet von Hutt River siedeln. 2017 dankte Leonard I. im Alter von 92 Jahren ab; sein jüngster Sohn Graeme folgte ihm auf den Thron. Der Ex-Fürst starb 2019.

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Nationalhymne von Hutt River: «It's a hard land, but it's our own land.» Video: YouTube/Apozletotoz

Royal Republic of Ladonia

Ladonien
https://www.ladonia.org/ladonia-news/photo-gallery/

Ladonien befindet sich in einem Naturschutzgebiet. Bild: Ladonia.org

Ladonien verdankt seine Existenz einem Rechtsstreit. Der Künstler Lars Vilks – später international bekannt geworden, weil ein Kopfgeld wegen Mohammed-Zeichnungen auf ihn ausgesetzt wurde – hatte im südschwedischen Naturschutzgebiet Kullaberg ohne Genehmigung zwei Skulpturen aus Treibholz und Stein gebaut. Die Behörden verlangten deren Entfernung. Vilks rief 1996 nach jahrelangem juristischem Hickhack die «Königliche Republik Ladonien» aus, deren Gebiet sich im Naturschutzgebiet befindet. Ladonien beabsichtigt, langfristig sein Territorium auszudehnen, damit die mittlerweile knapp 22'900 Staatsbürger tatsächlich im Land selbst wohnen können – derzeit wohnt keiner von ihnen auf dem Staatsgebiet.

Offizielles Porträt der Queen Ladonia
https://www.ladonia.org/ladonia-news/photo-gallery/

Das offizielle Porträt von Königin Carolyn. In Ladonia können ausschliesslich Frauen den Thron besteigen. Bild: Ladonia.org

Die Staatsbürgerschaft kann online beantragt werden und ist kostenlos. Dies ist nicht unproblematisch: Im Jahr 2002 beantragten etwa 3000 pakistanische Flüchtlinge die Staatsbürgerschaft – angelockt vom Versprechen auf Freiheit und vermutlich ohne zu wissen, dass es sich um einen Scheinstaat handelt. Ladonien erhebt keine Geld-Steuern, die Abgaben können in Form von Kreativität entrichtet werden. Adelstitel kosten 12 Örtug (12 Euro) – das ist die Währung des Landes. Die Republik – ihr Name bezieht sich auf den Drachen Ladon in der griechischen Mythologie – hat auch eine nationale Sprache. Sie hat nur zwei Wörter: «waaaall» und «ÿp».

Flagge von Ladonien
https://de.wikipedia.org/wiki/Ladonien#/media/Datei:Flag_of_Ladonia_with_contours.svg

Flagge von Ladonien. Es besteht aus einem für nordische Länder typischen, grünen Philippuskreuz auf grünem Grund. Es gibt auch eine Variante ohne Auszeichnung des Kreuzes, also eine vollständig grüne Flagge. Bild: Wikimedia

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Nationalhymne von Ladonien. Es gibt zwei Varianten. Video: YouTube/Lars Vilks

Republic of Whangamomona

Republik von Whangamomona

Whangamomona ist Hauptort und bildet zugleich das gesamte Staatsgebiet der Republik. Bild: Shutterstock

Auch die Mikronation Whangamomona entstand, wie so mancher Scheinstaat, als Protestaktion. Als die neuseeländischen Behörden eine Gebietsreform durchführen wollten, die das im Westen der Nordinsel gelegene Gemeinwesen auf zwei verschiedene Bezirke verteilen sollte, riefen 20 Einwohner mit Unterstützung aus dem Umland eine unabhängige Republik aus. Zentrum der Rebellion ist das 1984 eröffnete Hotel. Dem Unternehmen war insofern kein Erfolg beschieden, als die Behörden die Gebietsreform gleichwohl durchzogen. Seither feiert man jedoch in dem kleinen Ort alle zwei Jahre den «Whangamomona Republic Day» – 2019 bereits zum 30. Mal.

Mrs. Brown, aka Morris West, Präsidentschaftskandidatin im Mikrostaat Whangamomona, Neuseeland.
https://www.nzherald.co.nz/the-country/news/article.cfm?c_id=16&objectid=12193136

Mrs Brown alias Morris West musste sich bei den Wahlen 2019 dem Amtsinhaber Herlihy knapp geschlagen geben. Bild: Nzherald.conz

Das Volksfest in dem winzigen Nest lockt mittlerweile mehrere tausend Besucher an. Vor Ort kann man für 3.50 Neuseeländische Dollar einen Pass erstehen, der zur Einreise am Unabhängigkeitstag berechtigt. Allerdings muss man sich dafür zu den politischen Forderungen der Republik bekennen. Am Volksfest wird zugleich der Präsident gewählt. Lange Jahre war ein Ziege im Amt, die – wie jeweils kolportiert wurde – deshalb gewählt wurde, weil sie Stimmzettel anderer Kandidaten gefressen hatte. 2019 wurde jedoch Amtsinhaber John Herlihy erneut gewählt, mit lediglich fünf Stimmen Vorsprung. Er setzte sich unter anderem gegen Eunice, das Schaf, und einen Teddybären durch. Das Schaf verschwand kurz vor dem Fest, an dem übrigens Sandwiches mit Schaffleisch vom Grill serviert wurden. Der Teddybär wurde von der Wahl ausgeschlossen, weil er nicht nachweisen konnte, das er lebendig war. Herlihy wird bis zum nächsten Republic Day im Januar 2021 amtieren.

Fristad Christiania

Freistadt Christiania

Alternative Siedlung auf einem ehemaligen Militärgelände in Kopenhagen: Freistadt Christiania. Bild: Shutterstock

Christiania ist einer der ältesten Mikrostaaten – und der vielleicht bekannteste. Die Freistadt entstand 1971 unter der Führung des Journalisten Jacob Ludvigsen als alternative Siedlung auf einem alten Kasernengelände mitten in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Neben dem Bedürfnis, die Wohnungsnot zu lindern, spielten auch utopische Ideen eine Rolle – Christiania versteht sich als eine selbstregierte Gesellschaft, die überdies ökonomisch selbsttragend sein soll. Es gibt keine Mieten und keinen Hausbesitz, Werbung auf den Strassen ist verboten. Der dänische Staat versuchte zuerst, Christiania zu räumen, doch dies erwies sich als nahezu unmöglich. Die Freistadt wurde dann als «soziales Experiment» geduldet und ist seit 2011 als autonome Kommune anerkannt. Sie hat eine eigene Währung; ein LØN (Lohn) entspricht 50 Dänischen Kronen (ca. 7 Fr.).

Flagge der Freistadt Christiania in Kopenhagen
https://de.wikipedia.org/wiki/Freistadt_Christiania#/media/Datei:Flag_of_Christiania.svg

Flagge der Freistadt. Die drei gelben Punkte stehen für die drei «i»-Punkte in «Christiania». Bild: Wikimedia

Christiania hat keine Polizei und nur wenige Gesetze. Weiche Drogen wie Cannabis werden toleriert. In der Vergangenheit stellte der Drogenhandel freilich ein ernsthaftes Problem für die Gemeinschaft dar – Drogenbanden übernahmen die Kontrolle über die berüchtigte Pusher Street, und es kam mehrmals zu Schiessereien. Der letzte solche Vorfall ereignete sich 2016, danach griffen die Bewohner durch und versuchten, die Drogenhändler zu vertreiben. Die letzten Stände wurden 2018 entfernt. Heute präsentiert sich das Gelände als grüne Wohnumgebung für Familien, Künstler und Freidenker, die zugleich eine wichtige Touristenattraktion darstellt.

Karte: Freistadt Christiania in Kopenhagen
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dd/Christiania_%28OpenStreetMap_within_Copenhagen%29.png

Christiania liegt mitten in Kopenhagen. Karte: Wikimedia

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Die inoffizielle Hymne von Christiania: «I kan ikke slå os ihjel» («Ihr könnt uns nicht töten»). Video: YouTube/Arilovich

Hier gibt's noch mehr Mikrostaaten – darunter das berühmte Sealand!

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46
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46Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 17.02.2020 09:06
    Highlight Highlight Ihr habt das Fürstentum Sealand vergessen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sealand

    • Daniel Huber 17.02.2020 11:33
      Highlight Highlight Haben wir nicht ;-)
      Benutzer Bild
  • manuka14 16.02.2020 22:36
    Highlight Highlight Whangamomona Passport, macht mich doch auch zu einem Einwohner? 😂
    Benutzer Bild
  • MartinZH 16.02.2020 13:50
    Highlight Highlight Interessant wäre es noch zu erfahren, wie es genau um die Mikrostaaten, bzw. unabhängige Gebiete im hawaiianischen Raum steht. Ich denke da an die "Verbotene Insel" Niihau (Niʻihau) sowie an das Palmyra-Atoll, südwestlich von Hawaii. Beide Gebiete befinden sich in Privatbesitz. Wirklich spannend solche Geschichten! 🙄👍
  • El_Sam 16.02.2020 12:51
    Highlight Highlight Nicht zu vergessen: Noseland in Schöftland
    http://noseland.ch/
    • RyXXel 16.02.2020 20:41
      Highlight Highlight Nice! Kannte ich gar nicht
  • auloniella 16.02.2020 01:05
    Highlight Highlight Ha cool!
    Etwas älter schon. Der NSK der Band Laibach fand ich immer faszinierend . Besonders weil der Staat nicht räumlich begrenzt war.
    Die haben sogar Pässe ausgestellt...
  • David Ruprecht 15.02.2020 23:35
    Highlight Highlight Achziv Land ist auch erwähnens- und sehenswert: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Akhzivland
  • Randalf 15.02.2020 22:34
    Highlight Highlight
    Leider wurde die freie Republik Gersau schon länger vom Kanton Schwyz einverleibt, aber die Ortsansässigen sind noch immer Stolz darauf.
  • glointhegreat 15.02.2020 21:50
    Highlight Highlight War mal dort in kopenhagen.... Konnte dieses christiania trotz suchen gar nicht finden, hat irgendwie alles gleich ausgesehen. Lag vielleicht am sonnenstich 🤣
  • freeLCT 15.02.2020 21:20
    Highlight Highlight Ich ziehe meinen Hut vor Vít Jedlička, dieser Homie hat Eier.
  • Fip 15.02.2020 21:13
    Highlight Highlight Du hast Belfort vergessen!
  • zuezognePuuresohn 15.02.2020 21:07
    Highlight Highlight Keine Sorge, die Pusher-Streets gibts nach wie vor in Christiania😉

    War im Oktober dort, als gerade eine Räumungsaktion der dänischen Polizei stattfand.

    10 Minuten nachdem die Polizei abgezogen ist, waren die meisten Stände wieder in Betrieb😅
  • honesty_is_the_key 15.02.2020 21:02
    Highlight Highlight Spannender Artikel. Christiana war mir bekannt, die anderen Orte nicht.
  • Lies 15.02.2020 20:07
    Highlight Highlight Es handelt sich hier zwar glaub mehr um eine experimentelle Stadt und keinen unabhängigen Microstaat, aber Auroville in Chennai/Indien ist auch ein extrem spannendes, sehr, sehr eigenes kleines Universum...
  • stanislav.petrov 15.02.2020 19:03
    Highlight Highlight da fehlt definitiv ‚avalon‘ von und mit daniel model.
  • azoui 15.02.2020 19:01
    Highlight Highlight Mir fehlt hier Kadebostany.
    https://kadebostany.com/
  • Hakuna!Matata 15.02.2020 18:18
    Highlight Highlight In Funchal auf Madeira kenne ich noch die "Principality of Pontinha". Seeeehr klein, hat dafür aber schon einem Politiker aus Madeira Asyl gewährt. Hier zum Nachlesen: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Principality_of_Pontinha
  • Pana 15.02.2020 18:04
    Highlight Highlight Hutt River.. that brings back memories. Mit dem Fürsten hatte ich früher geschäftlich zu tun. Spezielle Leute :D
    • Seppo 16.02.2020 11:47
      Highlight Highlight Mit Stempel im Pass und eigenen Briefmarken...
      Benutzer Bild
  • lilie 15.02.2020 17:57
    Highlight Highlight Einerseits geniesse ich solche spannenden Artikel über Themen etwas abseits des Mainstreams 😊, andererseits verfolgt mich auf jeder Zeile die Angst, der Diktator-auf-Lebenszeit des Mikrostaates Huberquiz werde mich wieder gnadenlos dafür bestrafen, wenn einst in ferner Zukunft auch nur ein Detail dieses Artikels abgefragt wird. 🤯

    Himmel, steh uns bei! 😭
    • Phrosch 15.02.2020 19:05
      Highlight Highlight Lilie, heisst das ich muss solche Artikel bis ins Detail lesen und nicht nur überfliegen? 😱😂 Ich habe Huberquiz noch gar nicht als diktatorischen Mikrostaat gesehen, aber jetzt wo du das sagst...
    • lilie 15.02.2020 19:16
      Highlight Highlight @Phrosch: Ich weiss es nicht, ob man das muss, aber schreit nicht jede Silbe in diesem Artikel nach einer Huberquizfrage, von der wir dann nur noch vage wissen, dass doch da mal etwas war, aber nicht mehr, was genau, und dann die Frage falsch beantworten, während König Huber nur müde mit den Augen rollt und nicht mal die Auswahl braucht, um den Punkt zu machen? 🤯😭
    • Glenn Quagmire 15.02.2020 19:31
      Highlight Highlight Im Huberquiz gibts ab morgen für alle, die nicht in der Freien Republik Watsonia arbeiten, 2 Punkte Vorsprung 😂🤪
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ruefe 15.02.2020 17:21
    Highlight Highlight Nicht zu vergessen die Thomas Patzlaff Selbstverwaltungs AG, deren gesamtes Budget aus Hartz 4 Geldern der BRD-Gmbh stammt

    Play Icon


    Die ersten paar Minuten des Videos.
  • Joe Smith 15.02.2020 17:09
    Highlight Highlight Dann gibt (gab?) es noch die «Dominion of Melchizedek», ein von zwei amerikanischen Betrügern «gegründeter» Mikrostaat mit Anspruch auf ein paar unbewohnte pazifische Kleinstinseln, der es ende 20. / anfang 21. Jahrhundert in die Schlagzeilen schaffte, weil seine «Staatsbank» zu Finanzbetrügereien im ganz grossen Stil diente.
  • Reli 15.02.2020 16:59
    Highlight Highlight Und was ist mit der Freien Republik Zaffaraya?
  • Gipfeligeist 15.02.2020 16:59
    Highlight Highlight Erwähnenswert finde ich die Hippi-Kommune 'Beneficio' im Süden Spaniens: Eine Ansammlung von Zelten im Wald, welche von den Behörden weitesgehend ignoriert wird. Durch Landwirtschaft ist der Ort weitesgehend autark und der Marihuana-Anbau sorgt für die richtige Lebenseinstellung ;)

    Play Icon
  • leu84 15.02.2020 16:58
    Highlight Highlight Was ist mit dem Fürstentum Küngoldingen? Das kennt wohl niemand ;D
    • Magenta 15.02.2020 17:59
      Highlight Highlight Aber sicher schon! Wer kennt die Chüngelchiste nicht. 😂
    • Daniel Huber 17.02.2020 11:42
      Highlight Highlight Küngoldingen kenne ich aus meiner Jugend, aber ich wusste nicht, dass es dort ein Fürstentum gibt!
  • Garp 15.02.2020 16:49
    Highlight Highlight Auf den Titel bezogen, stimmt, ich kenne die nicht. 😁

    Geographie hat mich auch nie sonderlich interessiert. 😏
    • Aussie 15.02.2020 19:54
      Highlight Highlight Das hat alles ja nicht wirklich viel mit Geographie zu tun ...
    • tr3 15.02.2020 20:49
      Highlight Highlight Und wieder jemand, der dem Irrglauben aufsitzt, Geographie habe etwas damit zu tun, welches Land wie heisst und wo es liegt.
    • Garp 15.02.2020 22:02
      Highlight Highlight Na, Einwohnerzahl, Bodenschätze und Klima gehörte bei uns schon auch noch dazu. 😁
    Weitere Antworten anzeigen

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

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