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Steinstatuen Moai auf der Osterinsel Rapa Nui

Die kolossalen Steinstatuen auf der Osterinsel – Moai genannt – wurden von polynesischen Siedlern aufgestellt. Der norwegische Forscher Thor Heyerdahl glaubte, sie seien von Siedlern aus Südamerika errichtet worden. Bild: Shutterstock

Die Polynesier waren schneller als Kolumbus



1947 stach Thor Heyerdahl in Peru auf seinem Floss «Kon Tiki» in See. Nach 101 Tagen und einer Reise von knapp 7000 Kilometern erreichte die sechsköpfige Besatzung den südpazifischen Tuamotu-Archipel. Der norwegische Forschungsreisende wollte mit seiner kühnen Expedition den Beweis erbringen, dass Polynesien von Südamerika aus besiedelt worden sei – im Gegensatz zur Lehrmeinung, die davon ausging, dass Polynesien von Asien aus, also von Westen her, besiedelt wurde. Heyerdahls Reise auf dem Floss aus Balsaholz zeigte, dass präkolumbianische Einwohner Südamerikas die enorme Strecke hätten zurücklegen können. Seine These stiess in der Fachwelt jedoch weiterhin auf Ablehnung.

Kon-Tiki 1947
Von Nasjonalbiblioteket from Norway - Expedition Kon-Tiki 1947. Across the Pacific.Uploaded by palnatoke, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26765008

Heyerdahls Floss «Kon Tiki». Bild: Wikimedia/Nasjonalbiblioteket from Norway

Nun gibt eine im Fachmagazin «Nature» publizierte Studie seiner Theorie neuen Auftrieb. Zumindest sprechen genetische Analysen dafür, dass amerikanische Ureinwohner und Polynesier bereits zwischen 1150 und 1230 Kontakt miteinander hatten – mehrere Jahrhunderte vor der Entdeckungsreise von Christoph Kolumbus, der den amerikanischen Kontinent 1492 erreichte. Ein Forscherteam um Alexander Ioannidis von der Stanford University sammelte DNA-Proben von 807 Personen von 17 Inseln Franzöisch-Polynesiens und 15 indigenen Völkern aus den Küstengebieten Südamerikas und suchten darin nach Sequenzen, die für die jeweiligen Populationen charakteristisch sind. Danach prüften sie, ob dieses Marker auch im Erbgut der anderen Populationen vorkommen.

Die Forscher stiessen bei den Bewohnern der östlichen polynesischen Inseln – darunter auch der Osterinsel – auf eine Beimischung im Erbgut, die aus DNA-Sequenzen bestand, wie sie für einige indigene Gruppen in Mexiko und Kolumbien typisch sind. «Wir entdeckten auf verschiedenen polynesischen Inseln DNA-Sequenzen, die auf einen Ahnen weisen, der zu den Ureinwohnern Amerikas gehörte», erklärt Ioannidis. Diese Genmarker unterscheiden sich zudem deutlich von jenen, die erst mit der Ankunft der Europäer im östlichen Pazifik während der Kolonisierung der Inseln im Erbgut der Polynesier auftauchten.

Die Gen-Marker im Erbgut belegen, dass vor rund 800 Jahren ein Kontakt zwischen den Polynesiern und indigenen Völkern Amerikas stattgefunden haben muss. Sie geben jedoch nicht Auskunft darüber, ob die indigenen Einwohner Südamerikas die Seereise zu den polynesischen Inseln unternahmen oder ob die Polynesier den amerikanischen Kontinent erreichten.

Die Wissenschaftler halten es für wahrscheinlicher, dass die Polynesier auch bis zur amerikanischen Küste gelangten. Das Seefahrervolk hatte einen geeigneten Bootstyp – das Auslegerkanu – konstruiert und fortgeschrittene Navigationstechniken entwickelt, die ihm auch weite Reisen übers offene Meer erlaubten. Zudem hätten sie ihre längsten Seereisen genau in diesem Zeitraum unternommen, als der Kontakt stattgefunden habe, sagte Ioannidis der BBC. Nachdem sie die extrem abgelegene Osterinsel und später auch Hawaii und Neuseeland entdeckt hätten, sei ihnen nicht klar gewesen, dass ihnen die Inseln ausgehen und sie einen Kontinent entdecken würden, fügte er hinzu. Die Polynesier, die jeweils unbewohnte Inseln besiedelten, wandten sich jedoch vermutlich von dem bereits bewohnten Kontinent ab. Möglicherweise nahmen sie aber Leute von dort mit auf die pazifischen Inseln.

Karte Pazifik: Polynesien, Mikronesien, Melanesien

Die Polynesier besiedelten von Asien aus die nach ihnen benannte Region des Pazifiks. Die Eckpunkte des «polynesischen Dreiecks» sind Neuseeland, Hawaii und die Osterinsel. Karte: Wikimedia

Die indigenen Völker Amerikas blieben dagegen bei ihren Seereisen eher in Küstennähe. Es bestand eine präkolumbianische Handelsroute, die von Ecuador und Kolumbien bis nach Zentralamerika führte. Wenn dort ein Boot vom Kurs abkam, konnte es aber durchaus sein, dass es vom Wind und der Meeresströmung bis zu den Marquesas-Inseln oder – wie Heyerdahls «Kon Tiki» – zum Tuamotu-Archipel getrieben wurde. Dazu passt, dass der früheste Kontakt zwischen indigenen Amerikanern und Polynesiern gemäss der Studie auf der Insel Fatu Hiva stattfand, die zu den südlichen Marquesas gehört. Möglicherweise hätten die Polynesier also bei ihrer Ankunft auf diesen Inseln eine kleine, bereits etablierte Population von indigenen Amerikanern angetroffen.

Neben dem Befund der aktuellen Studie gibt es schon länger Hinweise darauf, dass zwischen den Polynesiern und den indigenen Völkern Amerikas zeitweilig ein Kontakt bestand. Ein Beispiel dafür ist die Süsskartoffel, die ursprünglich aus Amerika stammt, aber auch schon lange auf den pazifischen Inseln verbreitet ist. Das polynesische Wort für Süsskartoffel sei zudem eng mit jenem der einheimischen Sprachen im Andengebiet verwandt, so Ioannidis.

Noch früher als die Polynesier dürften allerdings die Wikinger den amerikanischen Kontinent erreicht haben, wenn auch an einer ganz anderen Stelle: Bjarni Herjólfsson oder Leif Eriksson landeten um das Jahr 1000 herum an der Ostküste Nordamerikas.

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40Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Shabbazz 22.07.2020 09:44
    Highlight Highlight Vielen Dank an den Autor, wirklich ein sehr interessanter Artikel!!! Bitte mehr davon :)
  • Hans12 22.07.2020 09:01
    Highlight Highlight Ich habe eigentlich gar nichts dazu zu sagen. Aber mit meinem Profilbild muss ich ja fast irgendetwas schreiben. Also: irgendetwas.
  • HerbertKappel 21.07.2020 19:12
    Highlight Highlight Wie kann was entdeckt werden wenn dort schon Menschen Jahrtausende von Jahren leben ?

    Die ersten Entdecker von Kontinent Amerika waren Menscheb was heute zu Russland gehört !

    Sibirische Vorfahren z.b. ?

  • Peter Vogel 21.07.2020 09:26
    Highlight Highlight Man will sich gar nicht vorstellen wie viele Polynesier damals ins Nirgendwo abgetrieben wurden und nie mehr auf Land stiessen. Schreckliches Schicksal.
    • Mareko 22.07.2020 08:37
      Highlight Highlight Das stimmt allerdings, doch wenn sie abgetrieben wurden, beispielsweise bei Flaute und einer starken Strömung, wussten sie sich auf hoher See danach meist wieder zu orientieren. Schlimmer waren jedoch heftige Unwetter/Wirbelstürme, wenn die Wellenhöhe über 10 Meter hinaus ging. Ihre Doppelrumpf-Boote waren zwar stabil und für die Hochsee tauglich, doch wenn es zu heftig wurde, hat es die Boote zerrissen und die Besatzung hatte dabei ihr Leben verloren. Darüber gibt es einige Sagen aus alter Zeit.
  • Aliminator 21.07.2020 08:17
    Highlight Highlight Vikings 💪🏻
  • Liselote Meier 21.07.2020 06:34
    Highlight Highlight Gen-Analysen zeigen noch was ganz anderes, nämlich das in der Antike höchstwahrscheinlich die Karthager mit ein paar Kelten im Schlepptau nach Südamerika gefahren sind.

    https://www.welt.de/geschichte/article115996581/Wie-kamen-blonde-Weisse-vor-Kolumbus-nach-Peru.html
    • louie louie 21.07.2020 12:52
      Highlight Highlight coole info, thx
    • Mareko 22.07.2020 08:58
      Highlight Highlight An Liselott Meier: Besten Dank für Ihre Info und den "link". Sehr interessant und ich werde dies sehr gerne weiter verfolgen.
  • Thorium 21.07.2020 06:24
    Highlight Highlight Und was hat das nun genau mit Columbus zu tun? Hat ja niemand behauptet, dass die Polynesier von ihm abstammen. Genauso gut hatte man auch die Mondlandung als Referenz nehmen können.
  • Therealmonti 21.07.2020 04:08
    Highlight Highlight Wer das Buch von Josef Blumrich *Kásskara und die sieben Welten: die Geschichte der Menschheit in der Überlieferung der Hopi-Indianer* gelesen hat, dem ist klar, dass es wirklich so gewesen sein muss. Zu ähnlich sind die Mythen und Überlieferungen der Hopi und der neuseeländischen Maori.
    • Hoku 21.07.2020 13:56
      Highlight Highlight Besten Dank für den Buch Tipp 👍
    • Therealmonti 22.07.2020 16:22
      Highlight Highlight Gerne geschehen, Hoku. Das Buch ist sehr lesenswert. Geschrieben von einem Österreicher, der als Wissenschaftler jahrzehntelang für die NASA arbeitete und für seine Recherchen zu diesem Buch bei den Hopi-Indianern im Reservat der Navajo (Diné) am Rande der
      Wüste Painted Desert in Arizona lebte.
  • Mareko 21.07.2020 02:31
    Highlight Highlight Da ich gewissermassen mitten in Polynesien lebe, fast alle Archipele schon einmal länger besucht hatte, mich mit vielen der alten Sagen vertraut gemacht habe und seit rund 30 Jahre natürlich auch mit viel über die wissenschaftlichen Forschungen gelesen habe, von der Anfangszeit im 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, sage ich einfach, der Bericht ist richtig, die Polynesier, "tagata maoli" (od. "maori" je nach Schreibweise) sind mehrfach von Ihren Inseln im Pazifik nach Süd- und Mittelamerika gelangt. Dank ihren ausgeklügelten Navigationstechniken konnten sie auch die Rückfahrt bewerkstelligen.
  • mystiker 20.07.2020 22:38
    Highlight Highlight auf der karte sieht es immer so klein aus...
    tatsächlich sind es rund 2000 kilometer von von mangareva zu den osterinseln. Eigentlich erstaunlich, dass man über 2000 kilometer weit reist um eine insel zu finden, die wenige duzend qm gross ist.
    • easy skanking 21.07.2020 08:34
      Highlight Highlight und dort steinriesen zu errichten die alle exakt in die gleiche richtung blicken.........
    • easy skanking 21.07.2020 08:40
      Highlight Highlight und btw. wer kann wirklich beweisen, dass sie von polynesiern errichtet wurden?
      alles nur hätte, wäre, wenn..
    • Hans12 22.07.2020 09:05
      Highlight Highlight @ easy skanking: die Figuren (Moais) blicken nicht alle in exakt die gleiche Richtung. Sondern jeweisl richtung Dorf, bei welchem sie auf das Steinpodest gestellt wurden. Und daher auch weg vom Meer. Der Moai auf dem Bild im Artikel ist ein übrigbleibsel im Steinbruch und wurde nie aufgestellt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hoku 20.07.2020 22:16
    Highlight Highlight Science rocks!

    Halte es auch für wahrscheinlich das die Seefahrer erprobten Polinesier Südamerika besuchten und dann einige der Indogenen Südamerikanischen Leute bei Ihrer Rückkehr mitgenommen oder mitgebracht haben.

    Die Chance von Südamerika auf diese Inseln im Pazifik zu treffen ist zwar da, aber viel kleiner als umgekehrt.
  • Fausto 20.07.2020 22:05
    Highlight Highlight Sie waren früher dort, nicht schneller..
    • Heb dä Latz! 20.07.2020 22:47
      Highlight Highlight Bist du früher oder bist du schon schneller?
  • Bynaus 20.07.2020 21:24
    Highlight Highlight Am allerfrühesten waren die Vorfahren der späteren indigenen Völker Nordamerikas dran, die den Kontinent vor mindestens 13000 Jahren "entdeckten"...
    • Dani B. 20.07.2020 23:06
      Highlight Highlight Neee. Die These ist andersrum: Die Ureinwohner Amerikas schifften zu den Polynesiern!
    • Bynaus 20.07.2020 23:39
      Highlight Highlight Ich meine jene, die via Beringia nach Amerika kamen... bei der ganzen Diskussion darum, wer denn nun Amerika zuerst entdeckt habe, geht die offensichtlichste Antwort immer vergessen.
    • Dani B. 21.07.2020 00:14
      Highlight Highlight @Byanus
      Bei der Diskussion rund um Thor Heyerdahls Experiment geht es NICHT um die Besiedelung Amerikas. Es geht um Handel/Kontakt Amerika-Polynesien.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rudolf_k 20.07.2020 21:23
    Highlight Highlight Dass Polynesier nach Chile gesegelt sind ist gar nichts neues. Der umgekehrte Weg dürfte kaum plausibel sein.
  • cool zurich boy 20.07.2020 20:47
    Highlight Highlight Diesen Huber kenne ich noch von früher. Dubiose Gestalt. An seinen WG-Partys gab es immer soviele LInke und komische Leute. Keinen anständigen Eidgenossen. Das beobachten wir Weltwoche Leser genau. UNd er hat auch Kontakte zu Russland. Müsste man Bern melden.
    • Dragon & Tiger King 20.07.2020 22:53
      Highlight Highlight Um was gehts bei dir eigentlich?
    • Ribosom 21.07.2020 05:42
      Highlight Highlight Bist du stinkig, weil du beim Huber-Quiz maximal einen Punkt erziehlst? 😂
    • ingmarbergman 21.07.2020 10:16
      Highlight Highlight Ich hoffe sehr, du trollst, sonst würde ich mir dringend einen Arzt aufsuchen.

      Auf jeden Fall solltest du dich vom Internet fernhalten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • crik 20.07.2020 20:30
    Highlight Highlight Sehr spannend, vielen Dank!

    Ein weiterer Hinweis für diese Reisen: In einer präkolumbianischen Grabungsstätte in Chile hat man einen Knochen von einem Huhn ausgegraben, welches gemäß DNA Analyse aus Polynesien stammte: https://www.pnas.org/content/104/25/10335
    • René Kälin 21.07.2020 00:09
      Highlight Highlight Dann sind also die Hühner als erste gesegelt! ;-)

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