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Bilddatum  	7. Oktober 1985
Ort 	Ost-Berlin / Deutschland (DDR)
Credit 	OHNE
Legende 	DDR-Staatssicherheits-Chef Erich Mielke (M.) vor dem Palast der Republik anlŠsslich des 35. Jahrestages der StaatsgrŸndung, 1985.
Fotograf 	
Headline 	
Keywords 	
Kategorien 	Freizeit, Modernes Leben È Feiertag
Politik
Personen 	Mielke, Erich (Halbfigur)
Firmen 	
Sachthemen 	Veranstaltungen/Sonstiges Stasi-Chef Erich Mielke salutiert bei den Feierlichkeiten vor dem Palast der Republik in Berlin.

Inbegriff des Bösen: Stasi-Chef Erich Mielke vor dem Palast der Republik in Berlin (07.10.1984). bild via Spiegel online

25 Jahre Mauerfall

Ostalgie schön und gut – aber vergessen wir nicht die Verbrechen der DDR: Schiessbefehl, Stasi-Terror, politische Haft und und und...

Diktatur? Unrechtsstaat? Eine Heimat, in der rückblickend nicht alles schlecht war? Die Frage, was die DDR war, entzweit Deutschland auch noch 25 Jahre nach dem Mauerfall. In den neuen Bundesländern ist aus Enttäuschung über die BRD über die Jahre das Phänomen «Ostalgie» entstanden: Die Linke, in der auch ehemalige SED-Mitglieder sitzen, regiert in Brandenburg mit und könnte in Thüringen demnächst erstmals einen Ministerpräsidenten stellen.

Sogar auf das Ausland ist die Ostalgiewelle übergeschwappt, typische DDR-Produkte wie Rotkäppchen-Sekt, Spreewaldgurken und Trabant geniessen Kultstatus. Bisweilen entsteht der Eindruck, die Auseinandersetzung mit der DDR erschöpfe sich in Erheiterung über die legendäre Ineffizienz des Arbeiter- und Bauernstaats. Dabei darf nicht vergessen werden, wie viele Menschen das SED-Regime physisch und psychisch zugrunde richtete. 

1. Maueropfer

«Wenn man schon schiesst, dann muss man das so machen, dass der Betreffende dabei nicht noch wegkommt.»

Stasi-Chef Mielke über die Umsetzung des Schiessbefehls 

«Republikflucht», «Grenztäter», «Angriff aus dem Innern auf die Staatsgrenze», «ungesetzlicher Grenzübertritt»: Mit derlei pseudo-juristischen Begriffen bemühte sich das SED-Regime, seine ausreisewilligen Bürger als Verbrecher hinzustellen und so den Schiessbefehl zu rechtfertigen. Die genaue Zahl der an der Berliner Mauer und an der innerdeutschen Grenze getöteten DDR-Bürger ist unbekannt, dürfte aber zwischen 100 und 200 liegen. Einzelne Mitglieder der Grenztruppen und Führung der DDR wurden nach der Wiedervereinigung zu Haftstrafen verurteilt.

A picture dated from 17 August 1962 shows Peter Fechter after being shot while trying to escape across the Wall in Berlin. Germany commemorates Monday, 13 August 2001 the 40th anniversary of the beginning of the construction of the Berlin Wall, the best-known symbol of the Cold War division of Europe between communist East and capitalist West. In official ceremonies politicians from all parties will lay down wreathes in memory of the 254 people who died trying to escape from Eastern Germany.  (KEYSTONE/EPA PHOTO/DPA/Str)   ===  ===

Am 17. August 1962 erschossen DDR-Grenztruppen Peter Fechter beim Versuch, über die Berliner Mauer in den Westen zu fliehen. Er verblutete im Stacheldraht liegend. Bild: EPA DPA

2. Stasi-Terror

«Folgen Sie mir bitte zur Klärung eines Sachverhalts.»

Stasi-Floskel mit der verdächtige Bürger abgeführt wurden

Kaum ein Wort steht ebenso gleichbedeutend für die SED-Diktatur wie die Abkürzung für das gefürchtete Ministerium für Staatssicherheit. Mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter auf 180 Einwohner war die Stasi der grösste geheimdienstliche Apparat der Weltgeschichte. In ihrem Selbstverständnis als «Schild und Schwert der Partei» terrorisierte die Truppe unter Minister Erich Mielke erbarmungslos Oppositionelle und Regimekritiker. Zeitweise dienten ihr 200'000 sogenannte informelle Mitarbeiter (IM) zu, darunter auch Freunde oder sogar Ehepartner der zu überwachenden Person. Viele Beziehungen gingen in die Brüche, als nach der Wende die Identität mancher IM bekannt wurde.

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Der interne Stasi-Schulungsfilm «Revisor» aus den 1980er Jahren dokumentiert, wie schamlos der Geheimdienst Bürger überwachte. viideo: youtube/Kanal von dselno



3. Politische Haft

«Prozess gegen Westberliner Terroristen vor dem Obersten Gericht der DDR.»

Offizielle DDR-Bildlegende zum Prozessfoto (siehe unten) von Fluchthelfer Harry Seidel, der 1962 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, nach vier Jahren wurde er von der BRD freigekauft.

In der DDR waren laut Schätzungen rund 200'000 Personen aus politischen Gründen inhaftiert. Mit dem Straftatbestand «Öffentliche Herabwürdigung der staatlichen Ordnung» konnte jegliche Kritik am SED-Regime mit Gefängnis bestraft werden. Ab Ende der 1970er Jahre forcierte das SED-Regime die Inhaftierung aus politischen Gründen, da sich der von der Bundesrepublik betriebene Häftlingsfreikauf zu einer bedeutenden Einnahmequelle entwickelte. DDR-Behörden leugneten offiziell die Existenz von politischen Häftlingen. In einzelnen Fällen wurden Kinder von politischen Häftlingen zwangsadoptiert.

Bild

Prozess gegen Fluchthelfer Harry Seidel am 27. Dezember 1962.  bild: Bundesarchiv Bild 183-A1227-0007-001

4. Berufsverbote

«Meine wahre Identität stellt sich am Grenzübergang her.»

Schriftsteller Rolf Schneider über sein Gefühl der Heimatlosigkeit, nachdem er vom SED-Regime zum Pendeln zwischen der DDR, wo er weiterhin leben wollte, und der BRD, wo er noch publizieren konnte, genötigt wurde

Die DDR sah Berufsverbote für bestimmte Bürger vor, wenn dies «im Interesse der Gesellschaft notwendig» war. Besondern gern machte das Regime bei kritischen Schriftstellern von dieser Möglichkeit Gebrauch. Aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrads schienen Gefängnisstrafen nicht opportun, stattdessen wurden sie vordergründig aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen – was in der DDR aber zur Folge hatte, dass sie nicht mehr publizieren konnten und somit über kein Einkommen mehr verfügten. So geschehen mit namhaften Schriftstellern wie Stefan Heym, Klaus Schlesinger und Rolf Schneider. Sie wurden auf diesem Weg genötigt, die DDR zu verlassen. Der Liedermacher Wolf Biermann weigerte sich und wurde ausgebürgert.

Bild

Stefan Heym (links) 1979 auf dem Weg zu einem vom Schriftstellerverband organisierten Tribunal, das seinen Ausschluss beschloss. screenshot: rundfunk berlin brandenburg (rbb)

5. Staatsdoping

«Die sind zum Schwimmen hier und nicht zum Singen.»

DDR-Schwimmtrainer Rolf Gläser an den Olympischen Spielen 1976 in Montreal auf die Frage eines Journalisten, warum seine Schwimmerinnen so tiefe Stimmen hätten

Das DDR-Regime betrachtete seine Spitzensportler als «Diplomaten im Trainingsanzug», welche an internationalen Wettkämpfen die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren hatten. Zu diesem Zweck praktizierten Funktionäre, Ärzte und Trainer auch Doping und nahmen gesundheitliche Dauerschäden der Athleten in Kauf. Diese ahnten davon nichts, hielten die Präparate für Vitamine. Das massiv verabreichte Anabolikum Oral-Turinabol führte zu überdurchschnittlich häufigen Krebs- und Herzmuskelerkrankungen sowie Leber- und Skelettschäden. Frauen erlitten Vermännlichungserscheinungen wie Zunahme der Körperbehaarung, Stimmveränderungen und Triebstörungen. Der Kugelstosser Andreas Krieger (geborene Heidi Krieger) entschied sich 1997 für eine Geschlechtsumwandlung. 

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Heidi Krieger gewann an der Leichtathletik-Europameisterschaft 1986 in Stuttgart Gold im Kugelstossen.  video: youtube/Basil Sage

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